Petition richtet sich an:
Landrat Marion Dammann
In Lörrach gilt eine Haushaltssperre, was weitere Kürzungen von Mitteln für das Jahr 2027 bedeutet.
Geplant sind auch Kürzungen von 20.000€ für das Jugendförderprogramm.
Das gefährdet die finanziellen Mittel unserer ehrenamtlichen Kinder- und Jugendarbeit. Die Fördermittel werden für Material, Leiterfortbildungen und zur Verringerung von Beiträgen der Jugendfreizeiten genutzt. Mehr als 200 Jugendorganisationen im Landkreis sind davon betroffen und indirekt alle ihre Mitglieder und Familien.
Helfen Sie mit Ihrer Unterschrift dem Thema Bedeutung zu verleihen und den Kreisrat aufzufordern, offiziell Stellung zu den Kürzungen zu beziehen und sie zu begründen.
Der Fördertopf wurde bereits letztes Jahr um dieselbe Summe gekürzt und die Mittel reichten bereits die Jahre zuvor nicht aus, um allen Anträgen in vollem Umfang gerecht zu werden.
Begründung
Hiermit beziehen wir, als Stämme der Deutschen Pfadfinderschaft Sankt Georg Stellung zu den geplanten Kürzungen von 20.000€ im Jugendförderprogramm für das Jahr 2027. In unserer Organisation sind in fünf Stämmen im Landkreis Lörrach Erwachsene ausschließlich ehrenamtlich als JugendleiterInnen tätig. Diese erhalten für ihr Engagement keinerlei finanzielle Zuwendung und verwenden fast ausschließlich private Urlaubstage zur Durchführung von Ferienfreizeiten. Die geplanten Kürzungen betreffen uns direkt, da wir mehrfach im Jahr Zuschüsse aus dem Fördertopf beantragen.
Insbesondere legen wir Wert auf einen niedrigschwelligen Zugang unserer Arbeit, auch für benachteiligte Kinder und Jugendliche. Die Teilnahmebeiträge werden so gering wie möglich gehalten, Angebote wie Kinder- und Jugendfreizeiten sind nicht gewinnorientiert. Bei Wegfall des Förderprogramms würden die Teilnahmebeiträge steigen, was den niedrigschwelligen Zugang gerade für benachteiligte Kinder und Jugendliche in Frage stellt. Die Zuschüsse decken auch jetzt schon nur einen Teil der Kosten ab, so dass bereits finanzielle Mittel durch ehrenamtliches Engagement gewonnen werden.
Die Angebote unserer verbandlichen Kinder- und Jugendarbeit, wie etwa Gruppenstunden und Freizeiten befähigen Kinder und Jugendliche zur Bewältigung ihres Alltags. Sie stärken die Resilienz, das Selbstbewusstsein und die Eigenständigkeit der Teilnehmenden. Darüber hinaus vermitteln sie demokratische Werte und soziale Kompetenzen. Aus unserer Sicht ist die Jugendverbandsarbeit präventiv wirksam und hilft zukünftige Lebenskrisen zu vermeiden. In unserer täglichen Arbeit bemerken wir in den letzten Jahren bereits einen deutlichen Anstieg an psychisch belasteten Kindern und Jugendlichen, die eine enge Begleitung durch die ehrenamtlich Tätigen erfordern und diese vor zusätzliche Herausforderungen stellen. In vielen Fällen bietet das pfadfinderische Umfeld die Möglichkeit wieder positive Erfahrungen zu machen und Beziehungen zu Gleichaltrigen zu pflegen.
Durch die Qualitätsstandards des Förderprogrammes und die Förderung der Seminare für die ehrenamtlichen Mitarbeitenden, hat der Landkreis Einfluss auf die Qualität der verbandlichen Kinder- und Jugendarbeit. In den letzten Jahren sind die Anforderungen des Landkreises an uns als Organisation, beispielsweise im Bereich Kinderschutz, stetig gestiegen. Dies ist im Sinne der Kinder und Jugendlichen, benötigt jedoch eine hohe Qualität der Ausbildung von Leitenden, welche in unserem Verband ebenfalls durch die Zuschüsse aus dem Jugendförderprogramm mitfinanziert wird.
Im Rahmen der gesetzlichen Schulkinderbetreuung (im Ganztag an Grundschulen und in Ferienzeiten (GaFÖG) sind gerade die Angebote der verbandlichen Kinder- und Jugendarbeit ein Baustein bei der Erfüllung des Rechtsanspruches durch den Landkreis.
Ein Wegfall der Fördermittel erschwert auch hier ein Aufrechterhalten der Angebote und verringert somit die Erfüllung des Rechtsanspruches.
Wir sind der Überzeugung, dass der Landkreis bei Wegfall oder weiterer Kürzung des Förderprogrammes keinen Nutzen daraus ziehen wird. Der einsparende Effekt würde aufgrund der geringen Finanzmittel im Förderprogramm im Vergleich zum Gesamthaushalt des Landkreises verpuffen und nicht im Geringsten zu Änderungen der Haushaltslage beitragen. Zudem finden wir es unverhältnismäßig nach der Kürzung im letzten Jahr noch einmal eine Kürzung an derselben Stelle vorzunehmen. Insbesondere da die Mittel des Fördertopfes auch in den vergangenen Jahren (vor den Kürzungen) bereits nicht ausreichten, um die angefragten Zuschüsse der Verbände und Organisationen in vollem Umfang auszuzahlen.
Dies stellt unsere Kinder- und Jugendarbeit aufgrund der geringen Planbarkeit vor große Herausforderungen. Eine längerfristige Kalkulation und sichere Verfügbarkeit der finanziellen Mittel sind unter diesen Umständen nicht mehr gegeben.
Aufgrund der genannten Argumente bitten wir Sie der Empfehlung des Jugendhilfeausschusses folgend eine Kürzung der Fördermittel des Jugendförderprogrammes nicht zu unterstützen. Nur mit den ausreichenden finanziellen Mitteln sehen wir uns in der Lage auch langfristig die wertvolle und qualitativ hochwertige Kinder- und Jugendarbeit im Landkreis zu gewährleisten.
Ein herzliches Gut Pfad
die DPSG-Stämme aus Lörrach-Stetten, Lörrach-Brombach, Kandern, Grenzach und Weil am Rhein
Die ehrenamtliche Jugendarbeit stabilisiert das gesellschaftliche Miteinander auf vielen Ebenen. Grundlegende Fähigkeiten zur Entwicklung einer freiheitlichen und konsensbasierten Haltung sowie das Eintreten für Grundrechte und Demokratie werden bei den verschiedensten Trägern der Jugendarbeit auf vielfältige Weise erworben. Jede Ferienfreizeit macht erlebbar, wie Gemeinschaft funktioniert. Jede zertifizierte Leitungsperson steht durch ihre Ausbildung im Juleica-Programm mit ihrem Namen für den gesellschaftlichen Konsens ein und wird zur Muliplikator*in. Die Resilienz unserer Gesellschaft wird durch Radikalisierung täglich neu herausgefordert.
Ein alltagstauglicher Vergleich: Das Jugendförderprogramm ist ähnlich bedeutsam wie die Schutzimpfungen im Kindesalter. Ich käme niemals auf die Idee, diese bewährte Form der Gesundheitsvorsorge in Frage zu stellen.
Wenn wir das Jugendförderprogramm so begreifen, wird klar, dass Einsparungen später umso größere Folgekosten nach sich ziehen werden. Ebenso gerät gerechte Teilhabe aus dem Blickfeld, weil sich Nachteile für finanziell schwächer Gestellte einstellen werden.
Ich wünsche uns allen Weisheit und Einsicht bei den bevorstehenden Entscheidungen.
Mit freundlichen Grüßen
Matthias Effner
(Diakon in der röm-kath. Kirchengemeinde Wiesental-Dreiländereck)