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Der Rückbau zahlreicher öffentlich zugänglicher Wasserstofftankstellen in Deutschland wirft weiterhin Fragen zur zukünftigen Infrastrukturstrategie auf. Betreiber H2 MOBILITY Deutschland begründet die Schließungen unter anderem mit einer stärkeren Ausrichtung auf Nutzfahrzeuge und entsprechende 350-bar-Betankungssysteme. Zugleich betont das Unternehmen, dass neue Stationen künftig stärker nachfrage- bzw. bedarfsorientiert entstehen sollen.
Gleichzeitig zeigen aktuelle Entwicklungen aus Industrie und Fahrzeugentwicklung, dass auch 700-bar-Betankung weiterhin eine wichtige Rolle spielt. So arbeiten mehrere Hersteller an Brennstoffzellen-Lkw für den Logistikbetrieb. Der deutsche Entwicklungsdienstleister FES GmbH Zwickau setzt bei seinem Brennstoffzellen-Lkw gezielt auf ein 700-bar-Tanksystem, da dieses Vorteile bei Reichweite, Bauraum und Nutzlast bietet. Nach Angaben des Unternehmens können entsprechende Fahrzeuge bereits heute an bestehenden 700-bar-Tankstellen betankt werden. Auch kommunale Nutzfahrzeuge - etwa Müllfahrzeuge im Raum Ostwestfalen - wurden bislang über die 700-bar-Infrastruktur versorgt.
Hinzu kommt, dass die europäische AFIR-Verordnung (EU) 2023/1804 beim Aufbau neuer Wasserstofftankstellen ausdrücklich eine 700-bar-Betankungsmöglichkeit vorsieht und den Aufbau eines Netzes entlang zentraler europäischer Verkehrsachsen verlangt.
Vor diesem Hintergrund stellt sich zunehmend die Frage, ob sowohl der Rückbau bestehender 700-bar-Tankmöglichkeiten als auch eine einseitige Schwerpunktsetzung der Infrastruktur auf 350-bar-Betankung mit den langfristigen Zielen des europäischen Infrastrukturaufbaus vereinbar sind. Während H2 MOBILITY Deutschland den Ausbau künftig stärker nachfrageorientiert gestalten möchte, verfolgt die europäische Infrastrukturpolitik ausdrücklich den Aufbau eines verlässlichen Netzes entlang der Hauptverkehrskorridore. Unsere Initiative hat diese Punkte daher in einem Schreiben an europäische und nationale Stellen zur Prüfung gestellt.
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Nach Angaben des Entsorgungsunternehmens PreZero, das unter anderem auch in Rheda-Wiedenbrück tätig ist, musste ein dort stationiertes Wasserstofffahrzeug nach dem Rückbau der Wasserstofftankstelle abgezogen werden.
Ein Einsatz an anderen Standorten sei ebenfalls nicht mehr möglich gewesen, da auch alternative Wasserstofftankstellen - unter anderem in Lohfelden (Kassel) sowie im Raum Heilbronn - inzwischen geschlossen worden seien.
Nach Angaben des Unternehmens "helfe diese Entwicklung überhaupt nicht" beim Ausbau der betriebseigenen H2-Aktivitäten.
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Im Rahmen unserer Initiative zum Erhalt der Wasserstofftankstellen haben wir eine weitere Rückmeldung aus der Politik erhalten. Das Hessische Ministerium für Wirtschaft, Energie, Verkehr, Wohnen und ländlichen Raum bestätigt in seinem Antwortschreiben, dass viele Wasserstofftankstellen derzeit mit einer geringen Auslastung zu kämpfen haben und ein wirtschaftlicher Betrieb daher häufig schwierig sei.
Gleichzeitig verweist das Ministerium auf einen neuen Förderaufruf des Bundes vom 28.01.2026. Mit einem Fördervolumen von rund 220 Millionen Euro sollen der Aufbau von bis zu 40 Wasserstofftankstellen sowie die Anschaffung von bis zu 400 wasserstoffbetriebenen Nutzfahrzeugen unterstützt werden.
Nach Angaben des Ministeriums liege der Schwerpunkt der aktuellen Infrastrukturentwicklung zunehmend im Bereich schwerer Nutzfahrzeuge. Die weitere Entwicklung der Wasserstoffinfrastruktur werde unter anderem durch die bundeseigene NOW GmbH fachlich begleitet.
Ohne H2 wird das mit dem Kli.awandel nichts- deshalb müssen wir dort voran, nicht zurück.