Region: Germany

Verhinderungspflege erhalten – Familien mit FASD und Neurodivergenz nicht zerbrechen lassen!

Petition is addressed to:
Deutscher Bundestag Petitionsausschuss

1,555 Signatures

5 %
1,530 from 30,000 for quorum in Germany Germany

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  1. Launched 10/08/2026
  2. Time remaining 5 months
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Petition addressed to: Deutscher Bundestag Petitionsausschuss

Der Referentenentwurf des Bundesministeriums für Gesundheit zum Pflegeneuordnungsgesetz (PNOG) vom 4. Juni 2026 sieht vor, die Verhinderungspflege (§ 39 SGB XI) ab dem 1. Januar 2027 als eigenständige Leistung ersatzlos zu streichen. An ihre Stelle soll ein neues „Überbrückungsbudget” treten – mit deutlich geringeren Beträgen (1.855 € statt bisher bis zu 3.539 € bei Pflegegrad 2–3, 2.285 € bei Pflegegrad 4–5) und, entscheidend, ausschließlich nutzbar über zugelassene Pflegedienste oder (teil-)stationäre Einrichtungen. Eine Ersatzpflege durch private Vertrauenspersonen – Großeltern, Freunde, andere erfahrene Familien – ist nicht mehr vorgesehen (Pflegewächter; Deutscher Pflegebeistand).

Wir fordern: Die Verhinderungspflege muss in ihrer bisherigen Form, Flexibilität und Höhe erhalten bleiben – einschließlich der Möglichkeit, sie durch selbst gewählte, dem Kind vertraute Personen durchführen zu lassen.

Reason


Wir schreiben diese Petition aus der Perspektive von Eltern, Pflege- und Adoptiveltern, die Kinder und Jugendliche mit Fetaler Alkoholspektrumstörung (FASD) und anderen Formen von Neurodivergenz und früher Traumatisierung großziehen. Für uns ist die Verhinderungspflege keine bequeme Zusatzleistung – sie ist die letzte verbliebene Möglichkeit, kurzfristig durchzuatmen, ohne unsere Kinder zu gefährden.

1. Bindung und Kontinuität statt fremder Gesichter.
FASD betrifft Selbstregulation, Impulskontrolle und Reizverarbeitung dauerhaft und irreversibel. Diese Kinder regulieren sich über bekannte, verlässliche Bezugspersonen – nicht über Institutionen. Ein fremder Pflegedienst oder eine unbekannte Einrichtung, die Trigger und Rituale unseres Kindes nicht kennt, kann Dysregulation oder Aggression auslösen – keine Entlastung, sondern eine neue Krise. Die bisherige Verhinderungspflege erlaubte uns, genau die Menschen einzusetzen, denen unser Kind vertraut. Das fällt mit der Reform weg.

2. Fällt die Pflegeperson aus, droht nicht Fremdbetreuung, sondern stationäre Aufnahme.
Fällt die einzige vertraute Pflegeperson aus – durch Erschöpfung, Krankheit oder fehlende Auszeit – und steht keine Ersatzperson zur Verfügung, bleibt oft nur die Einweisung in die Kinder- und Jugendpsychiatrie oder die Fremdunterbringung über die Jugendhilfe. Für FASD-Kinder ist der abrupte Verlust der stabilen Bezugsperson eine der größten vermeidbaren Traumatisierungen – verbunden mit dem Verlust von Zuhause, Schule und sozialem Umfeld.

3. Diese Reform zerschlägt mühsam aufgebaute Familiensysteme.
Familien mit FASD- und neurodivergenten Kindern investieren Jahre in Therapien, Beziehungsaufbau und Stabilität. Ein einziger Systemzusammenbruch – weil keine Vertretung mehr organisierbar ist – reicht, um all das zunichtezumachen. Was als „Vereinfachung” verkauft wird, bedeutet: Familien werden auseinandergerissen, Eltern werden seelisch aufgerieben. Das ist gelebte Realität in unseren Netzwerken.

4. Pflegende Eltern sind bereits strukturell überlastet – ohne Verhinderungspflege bricht die letzte Stütze weg.
Wer ein Kind mit FASD betreut, leistet Rund-um-die-Uhr-Beaufsichtigung, Co-Regulation und Therapiekoordination – oft ohne Verständnis von Schulen oder Ämtern für diese unsichtbare Behinderung. Fachverbände wie wir pflegen e.V. warnen, die Streichung bedeute „massive Kürzungen für Millionen pflegender Familien”. Auch bvkm und Lebenshilfe fordern den Erhalt „in bisheriger Höhe und Flexibilität” als „wichtigste Entlastungsleistung”. Für Familien mit neurodivergenten Kindern gilt das besonders, da keine „normale” Alternative existiert.

5. Ökonomisch widersinnig, menschlich verheerend.
Eine stationäre Unterbringung kostet den Staat erheblich mehr als familiennahe Verhinderungspflege: Stationäre Erziehungshilfen liegen im Schnitt bei rund 2.900–3.400 € monatlich (SOS-Kinderdorf/SPI-Dokumentation), akute Inobhutnahmen teils bei 11.000–30.000 € monatlich (MDR) – ein Vielfaches der bisherigen jährlichen Verhinderungspflege von bis zu 3.539 €. Die Reform spart an der falschen Stelle.

Wir sagen es deutlich: Wenn Familien systematisch die letzten Mittel genommen werden, sich selbst zu stabilisieren, werden nicht nur Leistungsansprüche gestrichen – es werden Familiensysteme zerschlagen und Menschen, die ohnehin am Limit arbeiten, strukturell zerstört.
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Unsere Forderungen

1. Erhalt der Verhinderungspflege als eigenständige Leistung (§ 39 SGB XI) in bisheriger Höhe (bis zu 3.539 € jährlich) und Flexibilität.
2. Erhalt der Wahlfreiheit, Verhinderungspflege durch private, dem Kind vertraute Personen durchführen zu lassen – nicht nur durch zugelassene Pflegedienste.
3. Anerkennung der besonderen Situation von Familien mit neurodivergenten und traumatisierten Kindern (u. a. FASD) im Gesetzgebungsverfahren, inklusive Anhörung der Fachverbände (Bundesverband FASD e.V., PFAD-Bundesverband, bvkm, Lebenshilfe, wir pflegen e.V.).
4. Keine Verabschiedung des PNOG in jetziger Form ohne gleichwertige, familiennahe Alternative.
5. Verpflichtende Folgenabschätzung vor Inkrafttreten: Wie viele zusätzliche stationäre Unterbringungen sind durch den Wegfall zu erwarten – und was bedeutet das für Familien und öffentliche Kassen?
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Warum jetzt

Der Referentenentwurf ist Stand August 2026 noch nicht beschlossen – das Bundeskabinett hat ihn noch nicht final behandelt. Genau jetzt, vor der parlamentarischen Beratung, können wir Druck aufbauen, damit die Stimmen pflegender Eltern – gerade jene mit besonders verletzlichen Kindern – gehört werden, bevor das Gesetz verabschiedet wird.
Unterschreibe diese Petition, wenn du der Meinung bist, dass Familien mit pflegebedürftigen und neurodivergenten Kindern nicht durch eine Sparreform zerbrechen dürfen.
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Erstellt von Nevim Krüger, FASD-Fachreferentin, für Familien im Netzwerk von Bundesverband FASD e.V. und PFAD Niedersachsen – im Namen aller pflegenden Eltern, die um den Erhalt ihrer Familien kämpfen.

Thank you so much for your support, Nevim Krüger, Bergen
Ask the initiator

Petition details

Petition started: 08/10/2026
Collection ends: 02/09/2027
Region: Germany
Topic: Health

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Why people sign

Ich unterstütze diese Petition, weil ich selbst Pflegevater eines Kindes mit FASD und Pflegegrad 3 bin. Kinder mit FASD benötigen besonders viel Verlässlichkeit, Geduld und eine Betreuung durch Menschen, die sie gut kennen und mit ihren individuellen Bedürfnissen vertraut sind. Ein Wechsel zu fremden Pflegekräften oder einer stationären Einrichtung ist für sie häufig kaum zumutbar.

Die bisherige Verhinderungspflege ermöglicht es uns Pflegeeltern, für kurze Zeit Kraft zu schöpfen, während unser Pflegekind von einer vertrauten Person aus dem Familien- oder Freundeskreis betreut wird. Eine Kürzung der finanziellen Unterstützung und die Beschränkung auf Pflegedienste oder Einrichtungen würden diese dringend benötigte Entlastung erheblich erschweren.

Pflegefamilien übernehmen dauerhaft eine verantwortungsvolle und anspruchsvolle Aufgabe. Damit sie diese auch weiterhin leisten können, müssen flexible und vertraute Möglichkeiten der Ersatzpflege erhalten bleiben. Deshalb unterstütze ich diese Petition aus voller Überzeugung.

Meine Tochter und ich sind beide selber pflegebedürftig, und haben beide arge Probleme damit wenn unbekannte Menschen plötzlich die Pflege machen würden, wenn unser Pfleger auch mal nicht kann für ein paar Stunden ( weil er selber mal Pause braucht, Urlaub hat oder selber zum Arzt oder anderen Terminen muss). Bis jetzt kam immer jemand aus näherem Umgeld, der dann eingesprungen ist. Der dann das Geld bekommen hat. Ausserdem haben die Pflegedienste eh schon personalmagel und können diesen Aufwand der mit der Verhinderungspflege geleistet wird nicht mehr nachkommen. Darunter werden wir die krank / Behinderung sind noch mehr Leiden als wir es eh schon tun. Es sollte alles so bleiben wie es ist, es hat vielen Jahre einwandfrei geklappt, und auch die würde der betroffenen konnte so immer geschützt werden.

Weil mein Kind nur vertraute Personen akzeptiert. Für mich ist es keine Erholung, wenn mein Kind sich nicht wohl fühlt und nach der Bettruungszeit .mit best. Verhalten, in unserem Fall Depression reagiert?

Inklusion

Weil ich finde das es eine Schweinerei ist dieses Geld zu streichen.

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