Petition richtet sich an:
Deutscher Bundestag Petitionsausschuss
Der Deutsche Bundestag wird aufgefordert, den weiteren großflächigen Ausbau der Windenergie an Land und auf See auszusetzen, bis die kumulativen Auswirkungen des bestehenden und nach EEG sowie Windenergie-auf-See-Gesetz vorgesehenen Gesamtbestandes auf Atmosphäre, Landoberflächen und Ozeane wissenschaftlich untersucht und parlamentarisch bewertet worden sind.
Die Bundesregierung soll hierzu eine unabhängige, öffentlich zugängliche Gesamtfolgenabschätzung vorlegen. Bereits vorhandene Forschung ist zusammenzuführen, ihre Übertragbarkeit auf die deutschen und europäischen Ausbaugrößen zu bewerten und bestehende Forschungslücken sind durch entsprechende Untersuchungen zu schließen.
Die weitere Umsetzung gesetzlicher Ausbauziele soll erst erfolgen, wenn diese Gesamtbewertung vorliegt.
EEG-Ausbauziele 99/115/157/160 GW: Bundesgesetz, § 4 EEG.
§ 4 EEG – Ausbaupfad Windenergie an Land
Wake-Effekte, Turbulenz, Impulstransport und Grenzschicht: Krishnamurthy et al. (2025), Observations of wind farm wake recovery at an operating wind farm, Wind Energy Science.
Originalstudie – Wind Energy Science
Veränderungen von Low-Level-Jets: Quint, Lundquist & Rosencrans (2025), Simulations suggest offshore wind farms modify low-level jets.
Originalstudie – Wind Energy Science
https://wes.copernicus.org/articles/10/117/2025/
Großräumige Windparkcluster / Forschungsbedarf: Kosović et al. (2026), Impact of atmospheric turbulence on performance and loads of wind turbines: knowledge gaps and research challenges.
Fachpublikation – Wind Energy Science
1.418 Offshore-Turbinen, Windstress, Schichtung, 0,3–0,4 °C, Ozean-Atmosphäre-Rückkopplung: Seo et al. (2025), Sea surface warming and ocean-to-atmosphere feedback driven by large-scale offshore wind farms under seasonally stratified conditions, Science Advances.
Originalstudie – Science Advances
Vorsorgeprinzip: Art. 191 Abs. 2 und 3 AEUV.
Art. 191 AEUV – EUR-Lex
Begründung
Das EEG sieht für Windenergie an Land 99 GW im Jahr 2028, 115 GW 2030, 157 GW 2035 und 160 GW 2040 vor. Hinzu kommt der Ausbau auf See. Diese Größenordnung verlangt eine Betrachtung der kumulativen Auswirkungen des Gesamtbestandes.
Windenergieanlagen entziehen atmosphärischen Strömungen kinetische Energie und verändern Windgeschwindigkeit und Turbulenz. Wake-Effekte und die gegenseitige Beeinflussung von Windparks sind wissenschaftlich nachgewiesen. Untersuchungen befassen sich darüber hinaus mit Veränderungen atmosphärischer Grenzschichten, vertikaler Durchmischung und Wärmeverteilung (siehe Quellen: Krishnamurthy et al.; Quint et al).
Gekoppelte Offshore-Modellierungen zeigen, dass große Windparkcluster Windstress, Durchmischung und Schichtung des oberen Ozeans sowie die Meeresoberflächentemperatur verändern können. Eine Modellierung von 1.418 Offshore-Windturbinen ergab eine Verringerung des Windstresses, eine flachere Mischungsschicht, eine Erhöhung der Meeresoberflächentemperatur um etwa 0,3 bis 0,4 °C und Rückwirkungen auf den Wärmefluss zwischen Ozean und Atmosphäre (Seo et al. 2025).
Windparks verändern physikalische Prozesse ihrer Umgebung. Offen sind in verschiedenen Bereichen Größenordnung, Reichweite und kumulative Bedeutung dieser Veränderungen beim gesetzlich vorgesehenen Gesamtbestand.
Darin liegt das Vorsorgeproblem: Die Größenordnung des Eingriffs wird gesetzlich festgelegt, während Auswirkungen dieser Größenordnung weiterhin erforscht werden.
Art. 191 Abs. 2 AEUV verankert Vorsorge und Vorbeugung als Grundsätze der europäischen Umweltpolitik. Nach Art. 191 Abs. 3 AEUV sind dabei insbesondere verfügbare wissenschaftliche und technische Daten sowie Vorteile und Belastungen eines Tätigwerdens oder Nichttätigwerdens zu berücksichtigen. Die Forderung nach einer Gesamtbewertung vor einer weiteren erheblichen Vergrößerung des Anlagenbestandes entspricht diesem Grundgedanken. Untersuchungen zeigen Veränderungen von Windstress, Schichtung, Durchmischung und Wärmeverteilung im Ozean. Deshalb gehört die Frage möglicher Auswirkungen großer Offshore-Ausbaugebiete auf regionale und überregionale Ozeanzirkulation in eine Gesamtfolgenabschätzung.
Im Vorfeld der Petition habe ich zuständige Stellen nach den wissenschaftlichen Grundlagen des vorgesehenen Ausbaus gefragt. Dem Deutschen Wetterdienst übermittelte ich eine Forschungsanregung zu den kumulativen meteorologischen Auswirkungen des bestehenden und geplanten Windenergieausbaus; nach meiner dokumentierten Korrespondenz bestätigte der DWD deren Bearbeitung. Beim zuständigen Bundesministerium beantragte ich Informationszugang zu den wissenschaftlichen, technischen und wirtschaftlichen Grundlagen. Nach meiner Korrespondenz kündigte das Ministerium einen erheblichen Bearbeitungsaufwand und mögliche Gebühren bis 500 Euro an. Eine Übersicht der tatsächlich vorhandenen einschlägigen Unterlagen liegt mir bislang nicht vor.
Sieben mit Energiepolitik und EEG befasste Bundestagsabgeordnete wurden nach den Grundlagen ihrer Bewertung des weiteren Ausbaus gefragt. Nach dem Stand meiner Korrespondenz liegt bislang keine inhaltliche Beantwortung dieser Sachfragen vor.
Es soll geklärt und öffentlich nachvollziehbar gemacht werden, ob bereits eine umfassende Bewertung des vorgesehenen Gesamtbestandes existiert. Falls nicht, soll sie vor Fortsetzung des Ausbaus erstellt werden.
- Atmosphäre: kumulative Veränderungen von Windfeldern, Turbulenz, Impulstransport und atmosphärischer Grenzschicht durch bestehenden und geplanten Gesamtbestand.
- Wärme- und Feuchtigkeitshaushalt: Auswirkungen veränderter Austauschprozesse auf Wärme, Feuchtigkeit, Verdunstung, Bodenfeuchte und Vegetation.
- Wake- und Cluster-Effekte: Reichweite, Intensität und Überlagerung sowie Wechselwirkungen zwischen Windparks und Windparkclustern.
- Großräumige Ausbauzustände: Übertragbarkeit von Untersuchungen einzelner Windparks und begrenzter Szenarien auf Cluster von Tausenden Quadratkilometern und den vorgesehenen Gesamtbestand.
- Offshore-Wirkungen: Auswirkungen auf Windstress, Ozeanschichtung, Durchmischung, Meeresoberflächentemperatur und Wärmeflüsse zwischen Ozean und Atmosphäre.
- Ozeanzirkulation: Auswirkungen eines großräumigen kumulativen Offshore-Ausbaus auf regionale Ozeanzirkulation und Prüfung möglicher relevanter Wirkungspfade auf überregionale Zirkulationssysteme.
- Persistenz und Reversibilität: Dauer und Umkehrbarkeit festgestellter Veränderungen und möglicher Folgewirkungen in komplexen natürlichen Systemen.
Der vorgesehene Windenergieausbau erreicht eine Größenordnung, bei der die kumulative Wirkung des Gesamtbestandes Bestandteil seiner wissenschaftlichen und parlamentarischen Bewertung sein muss.
Deshalb gehört die Frage, ob große Offshore-Ausbaugebiete regionale oder überregionale Ozeanzirkulation beeinflussen können, in eine Gesamtfolgenabschätzung.
Weil dies für mich die blanke Zerstörung unserer Mutter Erde ist dieser Windenergie Ausbau.