• Von: Lothar Clauder (Elternaktiv Barnim) mehr
  • An: Petitionsausschuss des Landestags Brandenburg
  • Region: Brandenburg mehr
    Kategorie: Bildung mehr
  • Status: Die Petition ist bereit zur Übergabe
  • Zeichnung beendet
  • 8.085 Unterstützer
    7.482 in Brandenburg
    Sammlung abgeschlossen

Wir brauchen mehr Lehrer an Brandenburger Schulen! Woher nehmen, wenn nicht stehlen?

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1. Das Land Brandenburg muss ab sofort sehr viel mehr tun, um deutlich attraktivere Arbeitsangebote für Lehrerinnen und Lehrer zu schaffen. Zusätzlich muss in Brandenburg unbedingt verstärkt in die Ausbildung von Lehrerinnen und Lehrern investiert werden.

2. Um Unterrichtsausfall zu vermeiden, fordern wir eine dringend benötigte Erhöhung der Vertretungsreserve von 3,5 % auf mindestens 10 %, die in der Verwaltungsvorschrift über die Unterrichtsorganisation des Landes Bandenburg verbindlich festgeschrieben werden muss.

3. Vertretungsunterricht muss fachbezogen erteilt werden. Zur Überprüfung fordern wir die Einführung einer statistischen Erfassung, getrennt in fachbezogene Vertretung und andere Formen der Vertretung, in einer öffentlich zugänglichen landesweiten Unterrichts-Ausfallstatistik.

Begründung:

Die Schülerinnen und Schüler Brandenburgs haben die beste Schulbildung verdient, die mit unseren Steuergeldern bezahlt werden kann.
Dass Lehrer wegen Krankheit und Weiterbildung ausfallen ist normal. Dass wir für diese Fälle nicht genügend Vertretungslehrer haben, ist nicht normal [1].

Vertretungstunden, die fachfremd vertreten werden, sind entsprechend des geltenden Lehrplanes keine vollwertigen Schulstunden. Die Schüler erwerben mangelhafte beziehungsweise keine Kenntnisse in einzelnen Fächern, insbesondere in den Naturwissenschaften, da hier der Lehrermangel am größten ist.

Die bisher viel zu schwache Reaktion auf diesen Lehrermangel bringt unsere Kinder um die volle Wahrnehmung ihrer Bildungschancen und trifft jeden Schüler. Ausfallender Förderunterricht und ausfallende Teilungsstunden benachteiligen leistungsschwächere Schüler besonders stark.

Mit der aktuellen, theoretischen Vertretungsreserve von 3 % und einem Vertretungsbudget von 0,5 %, jedoch durchschnittlich 10 % anfallenden Vertretungsstunden wird billigend in Kauf genommen, dass ausfallender Unterricht entweder nicht vertreten werden kann oder dass Lehrer systematisch Überstunden machen müssen [2].

Wieviel Vertretungsunterricht echter Fachunterricht ist oder wo Schüler fachfremd beaufsichtigt werden, wird bisher nicht erfasst bzw. nicht veröffentlicht. Wie viel Förderunterricht und Teilungsstunden durch Lehrermangel entfallen, wird ebenfalls nicht erfasst bzw. nicht veröffentlicht [3]. Erfahrungsgemäß geht vor allem der Förderunterricht verloren, da Lehrer des Förderunterrichts häufig als Vertretung in anderen Klassen eingesetzt werden müssen.

Andere Bundesländer machen vor, wie es gehen kann: Hamburg hat eine Vertretungsreserve von 4,2 % mit einem zusätzlichen Vertretungsbudget von 5,5 %, so dass zusammengerechnet eine Vertretungsreserve von 9,7 % erreicht wird. Das Vertretungsbudget wird oft nicht ausgeschöpft, da ein Einsatz dieser Lehrer erst nach 6 Wochen möglich ist und auch dann Ersatzkräfte oftmals nicht verfügbar sind.

In den Schulämtern in Brandenburg muss nach ihrer Zusammenlegung deutlich mehr Personal eingestellt werden, um die gewachsenen Anforderungen erfüllen zu können. Die Einstellung von geeigneten Bewerbern muss in angemessener Zeit erfolgen.
Als Flächenstaat fordern wir wettbewerbsfähige und attraktive Vertragsangebote für Lehrer, die sich vorstellen können, auf dem Land zu leben. Die bisherigen Bemühungen seitens des Landes reichen nicht aus und müssen daher verstärkt werden [4].

Für eine Lösung der derzeitigen Notsituation ist nur die Besetzung der offenen Planstellen durch ausgebildete Fachlehrerinnen und –lehrer sinnvoll. Das wäre die Grundlage einer soliden personellen Strategie, welche auch eine verlässliche Integration von Quereinsteigern und insbesondere die Ausbildung von Lehramtsanwärtern (Referendarinnen und Referendaren) gewährleistet. Die Hürden für Quereinsteigende müssen gesenkt werden. Die Betreuung von Referendaren soll angemessen vergütet werden [5].

Als Bürger eines Flächenlandes müssen wir die wohnortnahen Schulen auf dem Land stärken. Kleinere Grundschulen sind die Voraussetzung für lebendige Dörfer mit Zukunft.

Ernsthafte Folgen der lückenhaften Schulbildung sind in der Wirtschaft heute schon spürbar. Es wird immer schwieriger, geeignete Bewerber für die vorhandenen Ausbildungsplätze zu finden.

Nur mit Ihrer Unterstützung kann diese Petition Steine, für bessere Zustände in der Bildungspolitik und damit der Zukunft der Kinder ins Rollen bringen!

Erstunterzeichner:

Uwe Hoppe, Hauptgeschäftsführer Handwerkskammer Frankfurt (Oder)
André Stahl, Bürgermeister Stadt Bernau bei Berlin
Uwe Schoknecht, Bürgermeister Gemeinde Schorfheide
André Nedlin, Amtsdirektor Amt Biesenthal-Barnim
Friedhelm Boginski, Bürgermeister Stadt Eberswalde
Burkhard Horn, Bürgermeister Stadt Werneuchen
Jörg Matthes, Amtsdirektor Amt Britz-Chorin-Oderberg
Matthias Gabriel, Ortsvorsteher Lichterfelde
Jörn Klitzing, Vorsitzender Förderverein Grundschule Gerswalde e. V.
Ronny Richter, Vorsitzender Förderverein Grundschule Lichterfelde
Stefan Flade, Pfarrer Evangelisches Pfarramt in Groß Schönebeck
Günther Fuchs, Landesvorsitzender der GEW Brandenburg

Quellen:
[1] Hinweis: Die MOZ berichtet in Ihrem Artikel vom 25.04.16 www.moz.de/artikel-ansicht/dg/0/1/1477438/

[2] Hinweis: Die Verwaltungsvorschrift zur Unterrichtsorganisation befindet sich unter folgender Internetadress: bravors.brandenburg.de/verwaltungsvorschriften/unterrichtsorg_2012

[3] Hinweis: Schulportraits befinden sich unter dieser Adresse im Internet - Ausfallstatistiken befinden sich am Ende dieser Seiten: www.bildung-brandenburg.de/schulportraets/index.php?id=3&schuljahr=2015&kreis=1&plz=&schulform=8&jahrgangsstufe=0&traeger=0&submit=Suchen

[4] Hinweis: Die MOZ berichtet in Ihrem Artikel “Buschzulage” für Landlehrer kam bisher nicht zum Einsatz www.moz.de/nachrichten/brandenburg/artikel-ansicht/dg/0/1/1468212/

[5] Hinweis: Forderungen der GEW Brandenburg: gew-brandenburg.de/Aktuelles.html?artikel_id=1277

Im Namen aller Unterzeichner/innen.

Eberswalde, 27.05.2016 (aktiv bis 30.09.2016)


Neuigkeiten

Liebe Unterstützer*innen, hier die Eingangsbestätigung unserer Petition. Mit besten Grüßen L. Clauder

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Debatte zur Petition

PRO: Nachdem ich den Petitionstext gelesen habe, scheint es wirklich so als würden erheblich mehr finanzielle Mittel benötigt. Nun weiß ja jeder dass die Länder und Kommunen leere Kassen haben. Trotzdem unterstütze ich die Forderungen der Eltern und schlage ...

PRO: Totschlagargument gegen den Einsatz von mehr Lehrern sind fehlende Finanzen. Man sollte mal überschlagen, wieviel Geld jährlich in Anschaffung, Wartung und Reparatur von tausenden elektronischen White-Boards in Brandenburgs Schulen fließt. Dafür ließen ...

CONTRA: ... immerhin sparen sich die Eltern Zeit und Aufwand um die Kinder zu betreuen und zu unterrichten ... wer das Geld hat sollte durchaus dafür zahlen - und dadurch motiviert sein, dass die eigenen Kinder als Schüler gute Ergebnisse in der Schule erzielen. ...

CONTRA: Das wird sich die Landesregierung bei klammen Kassen auch fragen. Wie nur bezahlen wenn nicht die Zwangsarbeit einführen? 100 neue Lehrerstellen kosten mindestens 10 Millionen Euro jedes Jahr. (Pensionen, Zuschuss zur Krankenversicherung usw. eingerechnet)Wieso ...

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