Das Café Amélie blickt auf eine fast zehnjährige Geschichte zurück. Damals sollte nach dem Umbau des DGB-Hauses wieder ein DGB-Jugendcafé entstehen. Da dieGewerkschaftlerInnen nicht über die notwendigen Kapazitäten für den Betrieb verfügten, suchten diese einen Mieter, der ins Konzept passte: ein sozial ausgerichteter Kulturbetrieb. Die Konzessionierung wurde als Grundbedingung im Mietvertrag verankert.

Die Wahl der GewerkschaftlerInnen fiel schnell auf eine Initiative von mehrheitlich Studierenden, die ein entsprechendes Kulturcafé betreiben wollte – das Café Amélie. Die Unterstützung von Seiten der GewerkschaftlerInnen war in den ersten Jahren groß – das basisdemokratisch organisierte Kulturcafé also gewollt. Die Mitglieder der Initiative gründeten eine Genossenschaft und erlangten allein durch ihre ehrenamtliche Arbeit und ohne Fremdfinanzierung die geforderte Konzession.

Nach knapp 10 Jahren kam ohne schriftliche Begründung eine Kündigung ins Haus. Die im Juni 2016 erhaltene Kündigung kam umso überraschender, als im Februar 2016 eine per Handschlag rechtlich bindende Bestandsgarantie bis Juni 2018 vereinbart wurde. Diese Bestandsgarantie war die notwendige Voraussetzung für den jetzigen Vorstand, Geld für die Zwischenfinanzierung des Amélie bereitzustellen. Durch die Kündigung ist die Refinanzierung dieser privaten Mittel stark gefährdet.

Aus Gründen der Fairness gebot es sich für die MitarbeiterInnen des Cafés in den ersten Monaten nach Erhalt der Kündigung das sachliche Gespräch ohne Einschaltung der Öffentlichkeit zu suchen. Sie hatten die berechtigte Hoffnung, dass in einer Atmosphäre gegenseitiger Anerkennung offen verhandelt werden könne, dabei musste festgestellt werden, dass auf Seiten der GewerkschaftlerInnen ein Großteil der handelnden Personen das Café und seine Relevanz nicht aus eigener Anschauung kannte. Der Tenor der GewerkschaftlerInnen blieb bestehen: Das Kulturcafé passe nicht zum Image eines Bürogebäudes. Verglichen mit den ersten Jahren scheinen sich die Wünsche der Gewerkschaften also verändert zu haben. Das hat Auswirkungen: Mit dem Café Amélie wurde in Gießen ein für viele wichtiger Ort ohne Subventionen aufgebaut - und der ist nun bedroht.

Da also die Anschauung fehlt, wollen wir sie demonstrieren - mit Ihrer Unterschrift.

Begründung

Neben dem regulären Betrieb mit Bio- und Fair-Trade-Produkten bietet das Café ein vielfältiges Kulturangebot, kostenlos und offen für alle. Abgesehen von Silvester und Fasching wird kein Eintritt genommen und jeder ist eingeladen, auch wenn nichts bestellt wird. Das Café Amélie hat sich in den vergangenen Jahren überregional – um nicht zu sagen international - als Ort für hochwertige Musikveranstaltungen fest etabliert. Hier gastierten namhafte Künstlerinnen und Künstler aus unter anderem Frankreich, Italien, Neuseeland, Island, Israel, den USA, den Niederlanden, aus Ungarn, Schweden, Argentinien, Japan, Bulgarien, Polen, Dänemark, Großbritannien, Norwegen, Griechenland, Spanien, den Färöer-Inseln, aus Russland, Chile, Finnland, Österreich, Rumänien, Syrien, Türkei, Brasilien, Belgien,Südafrika, Moldawien, Schweiz und aus Kanada.

Die dargebotenen Musikrichtungen sind so vielseitig wie die Länder, aus denen die Künstlerinnen und Künstler kommen, etwa Singer/Song-Writer, Jazz, Reggea, Rock, Folk, Salsa, Liedermaching, Tribal, Klassik, Progressiv, Pagan, Latin, Psychedelic, Punk, Metal, Blues, Pop, Elektro und Blasmusik. Neben dem vielfältigen Musikangebot wurden auch zahlreiche Lesungen, Diskussionsrunden, Lesekreise, Filmvorführungen, Theateraufführungen und Ausstellungen organisiert.

Außerdem stellte das Café seine Räumlichkeiten und Ressourcen kostenlos Gruppen wie ProWo, der Agenda 21, dem Veganer-Stammtisch, Vitamin-I3, der Globalen, dem Foodsharing, dem Mietshäusersyndikat, der Inklusionsdisko, dem DomizilRettungsplenum, dem „Bündnis gegen Rechts“, dem Plantsharing und anderen zur Verfügung, ebenso für Tanzkurse und für Veranstaltungen des Ausländerbeirates, für den Frauentag, für verschiedene Institute und Fachschaften der Gießener Hochschulen und das GCSC. Mit dieser Strategie des „Empowerment“ konnte einiges erreicht werden.

Das Café Amélie ist ein Ort, an dem der interkulturelle Dialog tagtäglich gelebt wird. Hier treffen Menschen aus unterschiedlichsten Herkunftsländern zusammen, tauschen sich aus und gestalten gemeinsam und gleichberechtigt Kultur. Auch die beliebten Jamsessions spiegeln dieses Konzept wider: sie sind unmoderiert und offen, also darf jeder spontan und ohne vorherige Absprache partizipieren, ein Alleinstellungsmerkmal in Gießen. Menschen verschiedenster Kulturen kommen dort zusammen, um gemeinsam zu musizieren. Generell konnten im Café Amélie zahlreiche Talente aus Gießen – seien sie alteingesessen oder nur auf der Durchreise - einen Ort finden, um ihre Ausstellungen, Konzerte und politischen Veranstaltungen Interessierten zugänglich zu machen.

Besonders am Café Amélie ist, dass es weder eine religiöse noch parteipolitische Basis hat und die Arbeitsorganisation vom gleichberechtigten Austausch lebt. Hier haben die Mitarbeitenden Einblick in die Buchhaltung und die Organisation und können selbständig Projekte einbringen und realisieren, sofern diese auf dem Plenum per Abstimmung legitimiert werden. Auch Gäste können sich mit Anliegen und Vorschlägen an dieses basisdemokratisch organisierte Arbeitsplenum wenden.

Diese gewollte Vielfalt hat auch zur Folge, dass das Café sich niemals einer spezifischen Partei oder Gruppierung zugeordnet hat und immer diskursorientiert und kritisch nach allen Seiten hin geblieben ist. Die Herstellung eines Raums für den Diskurs ist Agenda des Café Amélie. Angesichts der zunehmenden Verdrängung alternativer und sozial sensibler Kultur aus dem Stadtraum fordern die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter den Erhalt des Café Amélie an seinem jetzigen Ort. Die MitarbeiterInnen sind offen für organisatorische und den Produktionsablauf betreffende Änderungswünsche der MitmieterInnen und würden sich über einen neuen Start der Zusammenarbeit freuen. Wichtig ist ihnen aber der Erhalt des Charakters des Cafés wie beschrieben und sie hoffen, dafür die breite Unterstützung der Gießener Bevölkerung zu erhalten.

Vielen Dank für Ihre Unterstützung, Café Amélie aus Giessen
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Pro

Das Amelie ist der beste Ort zum Feiern in Gießen! Ohne hochmoderne Nebelmaschinen oder Lichteffekte, aber dafür mit um so besserer Musik, tollen Leuten und jedes Mal ein wunderbaren Atmosphäre! Egal wer, alle sind wilkommen und genau das braucht Gießen! Es mangelt schon jetzt an Freiräume als Treffpunkt in Gießen!

Contra

Die Veranstaltungen bringen Müll und Vandalismus mit sich, welcher teilweise nicht bis zum nächsten Benutzen der Büroräume beseitigt werden konnte.