01.04.2026, 10:45
Liebe Nachbarin, lieber Nachbar,
zuerst noch einmal ein herzliches Dankeschön: 583 Bürgerinnen und Bürger haben unsere Petition unterschrieben – darunter allein 87 aus Klein Sisbeck selbst, also aus dem Dorf, in dem die Anlage entstehen soll. Gemessen an den Stimmzetteln der Kommunalwahl 2021 sprachen sich damit über 35 % der Klein Sisbecker ausdrücklich für das Projekt aus. Das ist ein überwältigendes Signal aus der Mitte der Gemeinschaft – nicht von außen, nicht von einem Investor, sondern von den Menschen, die dort wohnen und leben. Wir haben diese Stimmen am 16. Juni 2025 persönlich an den Gemeinderat übergeben. Die Braunschweiger Zeitung hat darüber berichtet. Und was war die Reaktion des Gemeinderats? Schweigen. Keine Rückmeldung, kein Termin, kein Entgegenkommen. Stattdessen die unverbindliche Aussage, man wolle sich „die Zeit nehmen, alle Unterschriften zu sichten." Wir warten noch immer.
Und jetzt schauen wir auf das, was gerade in der Welt passiert.
Seit Ende Februar 2026 führen die USA und Israel Krieg gegen den Iran. Die Folge: Die Straße von Hormuz – das Nadelöhr des globalen Energiehandels, durch das täglich rund 20 Prozent des weltweit verschifften Öls und Flüssiggases fließen – ist faktisch blockiert. Der Brent-Rohölpreis ist seitdem von rund 72 Dollar auf über 116 Dollar je Barrel gestiegen: ein Anstieg von mehr als 50 Prozent in wenigen Wochen. Der IEA-Chef warnte vor der möglicherweise schwersten Energiekrise seit Jahrzehnten. Kraftstoffpreise über zwei Euro je Liter belasten Haushalte und Betriebe. Ökonomen haben ihre Wachstumsprognosen für Deutschland bereits deutlich gesenkt. Und eine Entwarnung? Die ist nicht in Sicht. Das ist kein abstraktes Weltgeschehen. Das spüren wir alle – an der Tankstelle, beim Heizen, auf der Stromrechnung.
Und jetzt fragen wir ganz direkt: Was hat das mit unserem Gemeinderat zu tun?
Sehr viel. Denn genau jetzt, in diesem Moment, liegt ein genehmigungsreifes Projekt für eine 76-Megawatt-Freiflächenphotovoltaik-Anlage in Klein Sisbeck auf dem Tisch – blockiert durch eine Gemeinderatsmehrheit, die bis heute keine einzige stichhaltige Begründung für ihre Ablehnung geliefert hat. Kein Beschlussprotokoll, das erklärt, warum die Flächen nicht geeignet sein sollen. Kein fachliches Argument. Nur ein knappes „Nein" – gegen die ausdrückliche Empfehlung der eigenen Gemeindeverwaltung, gegen die Beschlusslage der Samtgemeinde Velpke, gegen den erklärten Willen von mehr als einem Drittel der Klein Sisbecker.
76 Megawatt sauberer, heimischer Strom. Kein Öl aus dem Persischen Golf. Keine Abhängigkeit von Schifffahrtsrouten, die durch Kriege geschlossen werden können. Stattdessen: 192.400 Euro jährlich direkt in die Gemeindekasse, 96.200 Euro für die Anlieger im Umkreis – für 30 Jahre. Gesetzlich gesichert, ohne EEG-Subventionen. Strom, den wir selbst erzeugen, macht uns unabhängig von genau den Preiskapriolen, die uns gerade so schmerzhaft treffen.
Jeder Gemeinderat, der dieses Projekt weiterhin ohne Begründung blockiert, trägt – im Kleinen – zur fossilen Abhängigkeit bei, die uns im Großen so verletzlich macht. Das ist keine Übertreibung. Das ist die nüchterne Konsequenz aus einer Entscheidung, die zu einem denkbar schlechten Zeitpunkt aufrechterhalten wird.
Wir fordern den Gemeinderat Groß Twülpstedt daher erneut und mit Nachdruck auf: Beendet die Blockade. Jetzt.
Gebt dem Investor ENGIE die Chance, das Planungsverfahren zu beginnen. Nehmt das Gesprächsangebot der niedersächsischen Vorzeigekommune Sande an. Und erklärt endlich öffentlich und nachvollziehbar, warum ihr das bisher nicht tut.
Die Bürgerinnen und Bürger dieser Gemeinde – und nicht nur die aus Klein Sisbeck – haben ein Recht auf diese Antwort.
Wir halten Euch weiter auf dem Laufenden.
Mit freundlichen Grüßen
Die Initiatoren der Petition „8,6 Mio € für die Gde. Groß Twülpstedt und uns Bürger"