01.04.2026, 11:19
Sehr geehrte Damen und Herren des Gemeinderats Groß Twülpstedt, sehr geehrte Damen und Herren der Samtgemeinde Velpke,
wir wenden uns erneut an Sie – diesmal mit einer Dringlichkeit, die über unsere Gemeinde hinausweist.
Zunächst zur Faktenlage.
Am 16. Juni 2025 haben wir Ihnen 577 Unterschriften übergeben – 544 davon aus der Gemeinde Groß Twülpstedt, 87 allein aus Klein Sisbeck. Das entspricht über 35 % der dort abgegebenen Stimmzettel bei der Kommunalwahl 2021. Seit diesem Tag haben Sie, der Gemeinderat, kein einziges konkretes Signal gegeben, dass Sie dieses Bürgervotum ernst nehmen. Kein Termin. Keine Stellungnahme. Kein Schritt auf den Investor zu.
Das ist keine Kleinigkeit. Das ist eine demokratische Verweigerung.
Wir erinnern Sie an die Faktenlage, die Ihre eigene Gemeindeverwaltung in der Beschlussvorlage GT/XI/101 vom 17. März 2025 schwarz auf weiß festgehalten hat:
- Die beantragten Flächen liegen „in großen Teilen" innerhalb der durch das Samtgemeinde-Konzept definierten Gunstflächen.
- Die Gemeindeverwaltung hat ausdrücklich empfohlen, die bauplanungsrechtlichen Voraussetzungen zu schaffen.
- Die gesetzlich gesicherten Einnahmen belaufen sich auf 192.400 € jährlich für die Gemeinde und 96.200 € jährlich für die Anlieger – für 30 Jahre. Ohne EEG-Subventionen.
- Die Samtgemeinde Velpke hat das Projekt befürwortet.
Trotzdem haben Sie den Antrag am 17. März 2025 abgelehnt – mit 9 zu 2 Stimmen, ohne eine einzige inhaltliche Begründung zu Protokoll zu geben. Kein Argument, das einer fachlichen Überprüfung standhielte. Nur ein Verweis auf sogenannte „Gunstflächen", die laut Vorlage Ihrer eigenen Verwaltung praxisfern, zu klein und ohne Rücksicht auf Grundstücksgrenzen geschnitten sind – und auf denen faktisch kein wirtschaftliches Projekt realisiert werden kann.
Das ist keine verantwortungsvolle Kommunalpolitik. Das ist Blockade. Sie werden Ihrer Verantwortung für die Energiesicherheit diese Landes nicht gerecht.
Und jetzt zur Lage, die uns alle betrifft.
Seit Ende Februar 2026 blockiert der Iran die Straße von Hormuz – die wichtigste Energietransportroute der Welt. Rund 20 % des global verschifften Öls und Flüssiggases laufen dort durch. Der Brent-Rohölpreis ist seitdem von etwa 72 Dollar auf über 116 Dollar je Barrel gestiegen – ein Anstieg von mehr als 50 % in wenigen Wochen. Kraftstoffpreise über zwei Euro je Liter belasten Haushalte und Betriebe in unserer Region täglich. Der IEA-Chef warnt vor der schwersten Energiekrise seit Jahrzehnten.
Besonders schmerzhaft wirkt sich das über den sogenannten Merit-Order-Effekt auf den Strompreis aus: An der Strombörse bestimmt stets das teuerste gerade laufende Kraftwerk den Preis für den gesamten Strom – und das sind in sonnenarmen Stunden, nachts und im Winter, Gaskraftwerke. Je teurer das Gas durch die Hormuz-Blockade wird, desto höher schießt der Börsenstrompreis in genau diesen Stunden – für alle, ohne Ausnahme. Heimische Solarenergie verdrängt in den Tagesstunden die teuren Gaskraftwerke aus dem Markt und drückt damit den Preis. Wer wie Sie den großflächigen den Ausbau der Photovoltaik blockiert, verlängert unsere Abhängigkeit von diesem Mechanismus.
Ökonomen des IMK haben die Wachstumsprognose für Deutschland bereits auf 0,9 % gesenkt – und das unter der Annahme, dass der Konflikt nicht über den Sommer andauert. Deutschland leidet unter struktureller Abhängigkeit von fossilen Energieimporten. Das ist kein Naturgesetz – es ist das Ergebnis von zu vielen, zu langen Verzögerungen beim Ausbau heimischer erneuerbarer Energien. Auf jeder Ebene. Auch auf kommunaler.
76 Megawatt Freiflächenphotovoltaik in Klein Sisbeck hätten, wären sie bereits genehmigt und im Bau, einen direkten Beitrag zur Versorgungssicherheit unserer Region geleistet. Strom, der lokal erzeugt wird, ist nicht erpressbar. Er kennt keine Blockaden, keine Kriegsrisiken, keine Frachtaufschläge.
Stattdessen: ein ungenutztes Feld und ein Investor, der bereit war, mindestens 50 Millionen Euro in unsere Gemeinde zu investieren – und den Sie ohne Begründung weggeschickt haben.
Unsere Forderung an Sie ist klar:
Beenden Sie Ihre Blockadehaltung. Nehmen Sie Kontakt zu ENGIE auf und signalisieren Sie die Bereitschaft, das Planungsverfahren zu starten. Nutzen Sie das Ihnen angebotene Gespräch mit der Gemeinde Sande, die mit einer vergleichbaren Anlage (83 MW) bewiesen hat, was möglich ist.
Und liefern Sie endlich – gegenüber Ihren Bürgerinnen und Bürgern, gegenüber der Öffentlichkeit – eine nachvollziehbare, sachliche Begründung für Ihre bisherige Haltung.
Sie tragen Verantwortung. Für die Finanzen dieser Gemeinde. Für die Energieversorgung unserer Region. Und für das Vertrauen der Menschen, die Sie gewählt haben.
Mit freundlichen Grüßen
Die Initiatoren der Petition „8,6 Mio € für die Gde. Groß Twülpst