openPetition wird europäisch. Wenn Sie uns bei der Übersetzung der Plattform von Deutsch nach Deutsch helfen wollen, schreiben Sie uns.
close

Kurzlink

  • Beschluss des Petitionsausschuss des Deutschen Bundestags

    05-03-16 02:26 Uhr

    Pet 1-17-18-754-040450

    Alternative Energiequellen
    Der Deutsche Bundestag hat die Petition am 18.02.2016 abschließend beraten und
    beschlossen:

    Das Petitionsverfahren abzuschließen, weil dem Anliegen teilweisen entsprochen
    worden ist. Begründung

    Mit der Petition wird gefordert, auf den Netzausbau zur Übertragung von regenerativ
    erzeugtem Strom zu verzichten und stattdessen zur Speicherung erneuerbaren
    Stroms sogenannte Power to Gas-Anlagen zu fördern.
    Zu dieser Petition, die auf der Internetseite des Deutschen Bundestages
    veröffentlicht wurde, liegen dem Petitionsausschuss 302 Mitzeichnungen und
    38 Diskussionsbeiträge vor. Es wird um Verständnis gebeten, dass nicht auf jeden
    Gesichtspunkt gesondert eingegangen werden kann.
    Zur Begründung des Anliegens wird im Wesentlichen ausgeführt, dass mit Hilfe des
    sogenannten Power to Gas-Verfahrens, Strom aus erneuerbaren Energien in
    Wasserstoff oder synthetisches Erdgas umgewandelt und im Erdgasnetz gespeichert
    werden könne. Vor diesem Hintergrund solle die Umwandlung von Strom in Gas und
    dessen Einspeisung in die bestehenden Erdgasleitungen staatlich gefördert und von
    dem aufwendigen Netzausbau zur Übertragung von regenerativ erzeugtem Strom
    abgesehen werden.
    Wegen weiterer Einzelheiten zu dem Vorbringen wird auf die mit der Eingabe
    eingereichten Unterlagen verwiesen.
    Der Petitionsausschuss hat der Bundesregierung Gelegenheit gegeben, ihre Haltung
    zu der Eingabe darzulegen. Das Ergebnis der parlamentarischen Prüfung lässt sich
    unter Einbeziehung der seitens der Bundesregierung angeführten Gesichtspunkte
    wie folgt zusammenfassen:

    Der Petitionsausschuss stellt fest, dass der deutliche Ausbau der erneuerbaren
    Energien und der Ausstieg aus der Kernenergie in Deutschland eine tiefgreifende
    Umgestaltung des Energiesystems eingeleitet haben. Die Stromversorgung wird sich
    in den nächsten Jahren und Jahrzehnten grundlegend wandeln. Das Stromsystem in
    Deutschland muss erheblich angepasst werden, um den Herausforderungen der
    Integration erneuerbarer Energien gerecht zu werden und gleichzeitig eine sichere,
    soziale, wirtschaftliche und klimaschonende Stromversorgung zu gewährleisten. Vor
    diesem Hintergrund basiert der Prozess der Energiewende auf einem umfassenden
    wissenschaftlichen Monitoring und einem breit angelegten (fach-) öffentlichen
    Diskurs. Der Deutsche Bundestag und die Bundesregierung stützen sich dabei in der
    Bewertung der verschiedenen Technologieoptionen auf zahlreiche wissenschaftliche
    Studien und Gutachten.
    Um die Integration erneuerbarer Energien auch künftig sicherzustellen, bedarf es
    neuer Lösungsansätze. Zentrale Herausforderungen sind insbesondere der Ausbau
    der Stromnetze sowie die Schaffung neuer Flexibilisierungsoptionen im
    Stromsystem, die den speziellen Anforderungen der schwankenden Stromproduktion
    aus erneuerbaren Energien entsprechen. Die Speicherung von Strom gilt als eine der
    zentralen technischen und wirtschaftlichen Herausforderungen bei der Integration
    erneuerbarer Energien ins Stromsystem. Insbesondere die Langzeitspeicherung
    stellt unter technischen und wirtschaftlichen Gesichtspunkten hohe Anforderungen.
    Daher wird auch ein erheblicher Forschungs- und Entwicklungsaufwand notwendig
    sein, um in Zukunft über ausreichend wirtschaftlich tragfähige
    Stromspeicherkapazitäten zu verfügen.
    Der Petitionsausschuss stellt fest, dass Konzepte zur Erzeugung, Speicherung oder
    Einspeisung von Wasserstoff oder synthetischem Methangas in das Erdgasnetz zum
    Zweck der Speicherung erneuerbaren Stroms oder als Option zum Ausbau der
    Übertragungsnetze in der Langfristperspektive eine von mehreren grundsätzlich
    vielversprechenden Technologieoptionen darstellen, um einen Ausgleich zwischen
    zukünftig stärker fluktuierender erneuerbarer Stromerzeugung einerseits und
    variabler Last andererseits zu erreichen.
    Bei der Umwandlung in Methan ist der Speicherort bereits vorhanden, denn als
    Hauptbestandteil von Erdgas lässt sich Methan unbegrenzt in das Erdgasnetz
    einspeisen. Dieses vielversprechende Verfahren heißt Power to Gas. Um es für den
    industriellen Einsatz weiterzuentwickeln und die Verwendung des eingespeicherten
    Methans im Mobilitätssektor zu untersuchen, wird das Projekt WOMBAT gefördert.

    Dabei soll erstmals eine Power to Gas-Anlage mit einer Leistung von 6,3 Megawatt
    entstehen, die unter realen Bedingungen betrieben und optimiert werden soll.
    Darüber hinaus kann Power to Gas als Stromspeicher dazu beitragen, die durch
    Wind- und Sonnenenergie zunehmenden Schwankungen in der Stromerzeugung
    auszugleichen bzw. in Zeiten besonders hoher erneuerbarer Erzeugung nicht direkt
    in das Stromnetz integrierbaren Strom langfristig nutzbar zu machen.
    Um die Umsetzung und Weiterentwicklung der Systemlösung Power to Gas zu
    unterstützen, hat die Deutsche Energie-Agentur GmbH (dena) im Jahr 2011 in einem
    branchenübergreifenden Ansatz die Strategieplattform „Power to Gas“ initiiert.
    Zusammen mit Partnern aus Wirtschaft, Verbänden und Wissenschaft untersucht die
    dena im Rahmen dieser Strategieplattform, welchen Beitrag die Speicherung von
    Strom im Erdgasnetz zur Integration erneuerbarer Energien in das Energiesystem
    leisten kann und welche Rahmenbedingungen dafür nötig sind. Am 16. Juni 2015
    fand die vierte Jahreskonferenz der Strategieplattform Power to Gas in Berlin, mit
    über 160 Teilnehmerinnen und Teilnehmern aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik,
    aus Bundes- und Landesministerien und von der Europäischen Union, statt.
    Darüber hinaus informiert die Plattform die Öffentlichkeit über die innovative
    Systemlösung Power to Gas.
    Hinsichtlich der Forderung, auf den Netzausbau zur Übertragung von regenerativ
    erzeugtem Strom zu verzichten, stellt der Ausschuss zunächst fest, dass
    Deutschland über ein gut ausgebautes und verzweigtes Stromnetz verfügt. Jedoch
    sind die Anforderungen an die Stromnetze stetig gestiegen. Mit der Zunahme des
    Stromhandels, dem Ausbau der erneuerbaren Energien und der damit verbundenen
    zunehmenden Trennung von Stromerzeugungs- und -verbrauchsschwerpunkten sind
    die Stromübertragungsmengen gestiegen und sind zunehmende Schwankungen in
    der Stromerzeugung einschließlich der damit verbundenen Netzbelastungen zu
    beobachten.
    Um diesen Anforderungen auch zukünftig gerecht zu werden, sind erhebliche
    Investitionen in den Ausbau und die Modernisierung der Stromnetze erforderlich.
    Vor diesem Hintergrund vermag der Petitionsausschuss nicht in Aussicht zu stellen,
    der Forderung nach einer Einstellung des Netzausbaus zu entsprechen. Soweit mit
    der Petition eine staatliche Förderung von Power to Gas-Anlagen gefordert wird,
    weist der Petitionsausschuss darauf hin, dass die Erforschung und Erprobung einer

    derartigen Systemlösung von der Bundesregierung aufgrund ihrer langfristig
    interessanten Perspektiven bereits finanziell unterstützt wird.
    Der Petitionsausschuss empfiehlt, das Petitionsverfahren abzuschließen, weil dem
    Anliegen teilweise entsprochen worden ist.Begründung (pdf)