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  • Beschluss des Petitionsausschuss des Deutschen Bundestags

    29-08-17 14:51 Uhr

    Pet 3-17-30-2232-034010Bildungswesen
    Der Deutsche Bundestag hat die Petition am 03.09.2013 abschließend beraten und
    beschlossen:
    Das Petitionsverfahren abzuschließen, weil dem Anliegen nicht entsprochen werden
    konnte.
    Begründung
    Mit der Petition wird gefordert, dass der an Hochschulen absolvierte Bachelor-
    Abschluss innerhalb des Deutschen Qualifikationsrahmens auf eine höhere Stufe
    und damit ein höheres Bildungsniveau gesetzt wird als der Meister-Abschluss.
    Dies könnte dadurch erreicht werden, dass die innerhalb des Deutschen
    Qualifikationsrahmens (DQR) geschaffenen acht Stufen genauer differenziert und in
    zehn Stufen aufgeteilt würden. Der Bachelor könnte dann der Stufe sieben und der
    Abschluss als Handwerks-Meister der Stufe sechs zugeordnet werden. Des Weiteren
    wird argumentiert, dass für die Zulassung zum Bachelor-Studium der Abschluss als
    Meister Voraussetzung sei. Zudem sei fraglich, weshalb ein Meister ein Studium
    aufnehmen sollte, wenn er nach dessen Absolvierung das gleiche Bildungsniveau
    besäße wie vorher. Eine solche Einstufung trage nicht zur Behebung des
    Fachkräftemangels bei. Auch sei zu bedenken, dass ein Bachelor-Studium mit
    dreieinhalb Jahren Studienzeit viel länger dauere als der Abschluss zum Handwerks-
    Meister, der in der Regel nach eineinhalb Jahren erreicht werden könne.
    Zu diesem Anliegen haben den Petitionsausschuss weitere Eingaben gleichen
    Inhalts erreicht, die wegen des Sachzusammenhangs einer gemeinsamen
    parlamentarischen Prüfung unterzogen werden. Der Petitionsausschuss bittet um
    Verständnis, dass nicht auf alle der vorgetragenen Aspekte im Einzelnen
    eingegangen werden kann.
    Es handelt sich um eine auf den Internetseiten des Deutschen Bundestages
    veröffentlichte Petition, die innerhalb der vierwöchigen Mitzeichnungsfrist von

    223 Unterstützern mitgezeichnet wurde und die zu 73 Diskussionsbeiträgen geführt
    hat.
    Der Petitionsausschuss hat der Bundesregierung Gelegenheit gegeben, ihre Haltung
    zu der Eingabe darzulegen. Das Ergebnis der parlamentarischen Prüfung lässt sich
    unter Einbeziehung der seitens der Bundesregierung angeführten Aspekte wie folgt
    zusammenfassen:
    Im Oktober 2006 haben sich das Bundesministerium für Bildung und Forschung
    (BMBF) und die Kultusministerkonferenz der Länder (KMK) darauf verständigt,
    gemeinsam einen Deutschen Qualifikationsrahmen (DQR) zu entwickeln. Die
    Erarbeitung des DQR erfolgte in einem mehrjährigen Prozess im Arbeitskreis DQR,
    dem neben Akteuren aus der Allgemeinbildung, der Hochschulbildung, der
    beruflichen Aus- und Weiterbildung, Vertreter der Sozialpartner und
    Wirtschaftsorganisationen sowie weitere Experten aus Wissenschaft und Praxis
    angehören. Dieser Arbeitskreis hat im Jahr 2009 einen ersten Entwurf vorlegt, der
    nach einer umfangreichen Erprobungsphase und Evaluierung im März 2011 zur
    Verabschiedung des DQR geführt hat.
    Mit dem DQR wird erstmals ein umfassendes, bildungsbereichsübergreifendes Profil
    der in Deutschland erworbenen Kompetenzen vorgelegt. Dazu beschreibt der DQR
    auf acht Niveaus fachliche und personale Kompetenzen, an denen sich die
    Einordnung von Qualifikationen orientiert, die im deutschen Bildungssystem in den
    Bereichen Schule, Berufliche Bildung, Hochschulbildung und Weiterbildung erworben
    wurden. Der DQR setzt damit auf nationaler Ebene den Europäischen
    Qualifikationsrahmen (EQR) um. Dadurch wird die Vergleichbarkeit von
    Kompetenzen und Qualifikationen nicht nur im deutschen Bildungssystem
    verbessert, sondern auch zwischen den Bildungssystemen Europas und die Mobilität
    in Europa wird zudem gefördert.
    Die acht Niveaus des DQR beschreiben jeweils die Kompetenzen, die für die
    Erlangung einer Qualifikation erforderlich sind. Dies bilden jedoch nicht individuelle
    Lern- und Berufsbiografien ab. Der Kompetenzbegriff, der im Zentrum des DQR
    steht, bezeichnet die Fähigkeit und Bereitschaft des Einzelnen, Kenntnisse und
    Fertigkeiten sowie persönliche, soziale und methodische Fähigkeiten zu nutzen und
    sich durchdacht sowie individuell und sozial verantwortlich zu verhalten. Kompetenz
    wird in diesem Sinne als umfassende Handlungskompetenz verstanden.
    Dementsprechend unterscheidet der DQR zwei Kompetenzkategorien:
    „Fachkompetenz“, unterteilt in „Wissen“ und „Fertigkeiten“, und „Personale

    Kompetenz“, unterteilt in „Sozialkompetenz und Selbständigkeit“ („Vier-Säulen-
    Struktur“). Dementsprechend werden die Qualifikationen jede für sich analysiert und
    den einzelnen Niveaus zugeordnet. Dabei stehen die Lernergebnisse im
    Vordergrund und nicht – wie der Begründung Petition zu entnehmen ist – die Dauer
    des Bildungsgangs. Es ist daher durchaus möglich, über mehrere Qualifikationen zu
    verfügen, die auf demselben DQR-Niveau verortet sind, ohne dass sie aufeinander
    aufbauen.
    Die Zuordnungen zum DQR erfolgen darüber hinaus mit der Maßgabe, dass jedes
    Qualifikationsniveau grundsätzlich auf verschiedenen Wegen, zum Beispiel im
    Rahmen von akademischen oder beruflichen Bildungsgängen erreichbar sein kann.
    Obwohl Bachelor und Meister unterschiedliche Kompetenzprofile aufweisen und sich
    auch hinsichtlich der Aufgabenprofile unterscheiden, ist die Werthaltigkeit der beiden
    Qualifikationen vergleichbar und daher auf demselben Niveau anzusiedeln. Im
    Rahmen der umfangreichen Zuordnungen wurde im Konsens festgestellt, dass die
    Meister-Qualifikationen gleichwertig mit dem Bachelor auf Niveau sechs des DQR zu
    verorten sei. In diesem Zusammenhang ist hervorzuheben, dass es beim DQR um
    Vergleichbarkeit und nicht um Gleichstellung der Qualifikationen geht. Die Zuordnung
    einer Qualifikation zu einem DQR-Niveau berechtigt nicht automatisch zum Zugang
    zur nächsthöheren Stufe, denn der DQR lässt das nationale System der
    Zugangsberechtigten unberührt.
    Der Petitionsausschuss teilt nach den vorangegangenen Ausführungen die in der
    Petition vertretene Auffassung nicht, wonach der Bachelor-Abschluss im DQR höher
    zuzuordnen sei als der Meister-Abschluss. Er sieht deshalb keine Notwendigkeit, das
    Anliegen der Petition zu unterstützen und empfiehlt deshalb, das Petitionsverfahren
    abzuschließen, weil dem Anliegen nicht entsprochen werden konnte.

    Begründung (PDF)