22.07.2026, 05:53
Knapp 3 Monate nach Beginn der Petition der RE3-Direktverbindung zwischen Berlin und Schwedt ist es Zeit für eine Zwischenbilanz. Außerdem jährt es sich am 28. Juli, dass der damalige brandenburgische Verkehrsminister Tabbert der Bürgermeisterin Hoppe u.a. schriftlich folgendes zugesichert hat: „Insofern kann ich Sie beruhigen, dass eine Direktverbindung aus Schwedt (Oder) in Richtung Berlin weiterhin vorgesehen ist“.
Die Petition hat inzwischen über 5.400 Unterstützer – ein eindrucksvolles Zwischenergebnis. Die Kommentare der Unterstützer zeigen, dass die Argumente der Petition von sehr vielen Menschen geteilt werden.
Die Reaktion der Potsdamer Politik, der Landesregierung und des Verkehrsverbund BerlinBrandenburg (VBB) ist insgesamt enttäuschend. Die Argumente der Petition und die Bedürfnisse der Bahnkunden werden einfach ignoriert. Das ist jedenfalls der Eindruck, der aus Begegnungen mit dem Minister und dem Cheffahrtenplaner des VBB entstanden ist.
Vor Ort ist die Unterstützung dagegen groß: neben der Stadtverordnetenversammlung Schwedt hat sich der Kreistag Uckermark in seiner Sitzung am 24. Juni einstimmig für den Erhalt einer direkten, umstiegsfreien Schienenverbindung zwischen Berlin, Pinnow und Schwedt ausgesprochen. Die Leiterin der Bundesagentur für Arbeit Eberswalde, Constanze Hildebrandt und Vertreter der Wirtschaft haben nachdrücklich vor den Folgen der geplanten Kappung der Direktverbindung nach Berlin gewarnt. Der erschwerte Zugang zum überregionalen Arbeitsmarkt wird angesichts der Herausforderungen für den Standort Schwedt und der niedrigen Geburtenrate als sehr hohes Risiko gesehen.
Wegen den von der Landesregierung behaupteten Budgetproblemen hat sich der Petent Dietrich Klein mit Zahlen des Verkehrsministeriums beschäftigt, die teilweise nur für 2024/2025 zur Verfügung standen. Die Kosten des Schienenpersonenverkehrs in Brandenburg betrugen 2025 insgesamt 747 Mio. Euro, davon finanzierte der Bund über das Regionalisierungsgesetz (RegG) rund 570 Mio. Euro. Von Mitteln des Bundes waren Ende 2024 zudem 418 Mio. Euro „Reste aus Vorjahren“ vorhanden. Mit anderen Worten: es wurden Finanzreserven im Bereich Schienenpersonennahverkehr in Höhe von 56 % eines Jahresbudgets gebildet. Diese Reserven sollen Angabe gemäß nicht näher bezifferte Zukunftsrisiken abdecken.
Aktuell ist man aber eher in Ausgabelaune: In einer Pressemitteilung der Deutschen Bahn vom 10. Juli über eine Veranstaltung, an der auch Verkehrsminister Crumbach teilnahm, heißt es: „Ein besonderes Highlight ist die Regional-Express-Linie RE3, die künftig ohne Umstieg zwischen Stralsund, Angermünde, Berlin, Luckenwalde und Wittenberg verkehrt“. Und weiter: „Für die Linie RE3 hat DB Regio zudem zwölf neue doppelstöckige Triebfahrzeug bestellt“ (die selbstverständlich durch die Auftragsvergabe des Landes/VBB an DB-Regio refinanziert werden). Link: https://mil.brandenburg.de/mil/de/presse/detail/~10-07-2026-netz-nord-sued-2
Der Eindruck verstärkt sich: die Kappung der Direktverbindung ist (auch) aus finanziellen Gesichtspunkten nicht gerechtfertigt. Denn das Verkehrsministerium möchte sich lieber mit „Vorzeigelinien“ wie dem künftigen RE3 rühmen, anstatt seinen Kernauftrag, Daseinsvorsorge zu gewährleisten, zu erfüllen.
Kontakte zur Politik pflegen, Transparenz über das Tun und Lassen des Verkehrsministeriums schaffen und noch mehr Unterstützer gewinnen – so kann die Petition trotz Skepsis zum Ziel führen. Denn wenn die durchgehende Verbindung beendet wird, kommt sie mit höchster Wahrscheinlichkeit in unabsehbarer Zeit nicht wieder.