09.02.2026, 07:30
Offenburg (Baden-Württemberg) – Ein Stück deutsche Luftfahrtgeschichte steht vor dem Aus. Wo seit Generationen Motoren dröhnen und Propeller kreisen, könnten schon bald Betonhallen und Asphalt dominieren. Einer der ältesten Flugplätze Deutschlands soll verschwinden.
Mehr als 115 Jahre lang starteten und landeten hier Flugzeuge. Jetzt steht die rund 25 Hektar große Fläche vor einer Schicksalsfrage. Wie das Fachportal aeroTELEGRAPH berichtet, plant die Stadt Offenburg, den traditionsreichen Flugplatz in ein Gewerbegebiet umzuwandeln.
Ein Flieger kurz vor der Landung auf dem Flugplatz Offenburg, 1989
Ein Flieger kurz vor der Landung auf dem Flugplatz Offenburg, 1989
Foto: Peter Nath/Wikipedia/Creative Commons 3.0 License
Wann die Entscheidung fällt
Der Bürgerentscheid ist zeitgleich mit der Wahl des baden-württembergischen Landtags am 8. März angesetzt. Dann fällt die Entscheidung über die Zukunft des Geländes. Die Stadtverwaltung will das Areal umwidmen, um neue Flächen für Unternehmen zu schaffen. Hintergrund sei der akute Platzmangel in Offenburg. Die vorhandenen Gewerbeflächen würden nicht ausreichen, wodurch Abwanderungen und verpasste Entwicklungschancen drohen, so die Begründung aus dem Rathaus.
Derzeit wird der Flugplatz von rund 180 aktiven Mitgliedern genutzt
Derzeit wird der Flugplatz von rund 180 aktiven Mitgliedern genutzt
Foto: Stadt Offenburg
Das sagen die Betreiber
Betrieben wird der Platz von der Fliegergruppe Offenburg, die ihn für Sport- und Hobbyflüge nutzt. Die Piloten sind entsetzt: Mit dem Wegfall des Standortes würde auch ihr Verein faktisch zerbrechen – die 180 aktiven Mitglieder müssten sich auf verschiedene Flugplätze verstreuen. Cynthia Huber (38), Sprecherin der Fliegergruppe Offenburg e.V. zu BILD: „Der Flugplatz ist mehr als Fliegen, da muss man mal näher hinschauen. Fliegen, Natur und Ehrenamt gehen hier Hand in Hand. Das ist auch ein Ort mit Historie. Er dient auch der Öffentlichkeit.“
Umweltschützer warnen
Gegen die Pläne der Stadt formiert sich Widerstand. Umweltschützer von BUND und NABU sowie die Bürgerinitiative „Pro Flugplatz Offenburg“ warnen vor Flächenversiegelung und sehen im Gelände rund um die Landepiste einen wichtigen Rückzugsraum für verschiedene Tier- und Pflanzenarten. Auf großen Teilen des Flugplatzes hätte sich durch ein spezielles Mähkonzept über Jahre ein artenreiches Biotop entwickelt.
Was passiert mit den Flugzeugen?
Der Flugplatz wurde Mitte der 90er-Jahre vom Verkehrslandeplatz zu einem Sonderlandeplatz zurückgestuft. Zugelassen sind Motorflugzeuge, Segelflugzeuge, Motorsegler, Ultraleichtflugzeuge und Trikes. Laut aeroTELEGRAPH zählt er zu den ältesten Flugplätzen Deutschlands. Auch zwei Hagelflieger haben hier ihre Basis – sie müssten sich einen neuen Standort suchen, berichtet der Stadtanzeiger Ortenau. Ein etwa 15 Kilometer entfernter Flugplatz komme dafür jedoch nicht infrage.
05.02.2026, 05:47
Rolf Leonhardt ist eine der Speerspitzen im Kampf für den Erhalt des Offenburger Flugplatzes. Sein Einsatz begann im Jahr 2000, als er in den "Bumerang" eingezogen ist. "Ich konnte von der dortigen Penthouse-Wohnung wunderbar auf das Flugplatz-Areal sehen, und es wollte mir nicht in den Kopf gehen, wieso die Stadt diese wunderbare Infrastruktur zunichtemachen will", erzählt er. Der 76-Jährige begann Gespräche mit Fliegern, Vertretern der Firmen am Flugplatz und Flugfreunden zu führen und gründete seine Bürgerinitiative Pro Flugplatz Offenburg (www.proflog.de). Er startete eine Unterschriftensammlung und bekam rund 7000 Unterschriften von Offenburgern für den Erhalt zusammen.
Aktuell läuft eine weitere "Open Petition", an der sich rund 4200 Menschen, auch über Offenburg hinaus, beteiligt hätten. Insgesamt habe er somit mehr als 11.000 Unterschriften für den Erhalt des Flugplatzes zusammenbekommen.
"Ich bin gebürtiger Offenburger und sehe in den letzten 20, 30 Jahren die ganzen Fehlentscheidungen in Offenburg", begründet Leonhardt seinen Einsatz für den Flugplatz, dessen Wegfall er für einen Fehler hält. Er sei übrigens nicht gegen ein Gewerbegebiet, merkt er an. Nur müsse man dieses eben mit dem Erhalt des Flugplatzes verbinden: "Machbar ist alles, wenn man etwas Wille zeigt."
Es ärgert ihn, dass der OB "das letzte Tafelsilber der Stadt Offenburg verkaufen will". So manches Argument, das dafür vorgebracht wird, gefällt ihm nicht: "Ein umweltfreundliches Gewerbegebiet gibt es in 100 Jahren nicht." Von einem Flugplatz mit grünem Erlebnispark hätten hingegen alle etwas.
Dass am 8. März ein Bürgerentscheid stattfindet, wertet der 76-Jährige als "Etappensieg". Er selbst habe diesen Vorschlag über die Freien Bürger Offenburg (FBO) eingebracht und freue sich, dass OB Steffens dies aufgegriffen habe. "Es ist wichtig, dass der Bürger die Entscheidung trifft", betont er. Und wie geht es aus? "Die Chancen stehen 50:50", rechnet er mit einem knappen Ausgang. ⇒cw
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02.02.2026, 06:32
Mehr als 7000 Menschen aus der Region haben mit ihrer Unterschrift bekundet, dass sie gegen den Bau des Autobahnzubringers und für den Erhalt des Flugplatzes und der ökologisch wertvollen und wunderschönen Landschaft sind.
Eine positive, wirtschaftliche Entwicklung des Raumes Offenburg sollte das Anliegen aller Bewohner einschließlich der Verwaltung sein. Hierzu zählt logischerweise auch das Areal des Offenburger Flugplatzes, über dessen Bedeutung und Notwendigkeit man natürlich unterschiedlicher Meinung sein kann. Das ist legitim.
Dabei kam ein ehemaliger Mitarbeiter der Forst wissenschaftlichen Versuchsanstalt (Ökologie) in Freiburg zur Ansicht, dass der Flugplatz ein Reservat für Tiere und Pflanzen aller Art ist. Nun, die Stadt möchte ihr Tafelsilber veräußern, obwohl um den Flugplatz herum und neben dem Gefängnis Grund und Boden mäßig zur Verfügung stehen würde, aber der Kauf wäre natürlich mit Unkosten verbunden, vorausgesetzt die Eigentümer wollen verkaufen. Auf der anderen Seite stehen für einen unnötigen Sportpark und einer LGS fast 100 Millionen zur Verfügung.
Nun war einer Mitteilung der Bürgerinitiative (BI) Pro Flugplatz Offenburg zu entnehmen, dass in den letzten Jahren an die rd. 76 Arbeitsplätze auf dem Gelände des Flugplatzes durch Schließung bzw. Wegzug der Firmen verloren gegangen waren, eine positive Weiterentwicklung der Firmen wurde berücksichtigt.
Es gibt zunächst keinen Anlass, am Wahrheitsgehalt dieser Meldung zu zweifeln, da gewissenhaft und sorgfältig recherchiert wurde.
Die Ursache dieses Trends findet sich nach Angabe der Betroffenen darin, dass die Stadt Offenburg – sei es aus bösem Willen oder vielleicht auch nur aus Unfähigkeit – eine Vertragssituation für das Gelände geschaffen hat, die kaufmännischen Langzeitplanungen keine Chance einräumt. Und so dümpelt nun der Flugplatz mit einem Pacht- Knebelvertrag… nicht Fisch und nicht Fleisch, in einer sehr unbefriedigenden Form für alle Beteiligten seit Jahren dahin.
Nun will ich ja nicht gleich unterstellen, dies läge nur daran, dass die Verantwortlichen der Stadtverwaltung zu sehr mit ihrer eigenen, langfristigen Karriereplanung und weniger mit jener der Stadtentwicklung befasst sind. Richtiger wird wohl sein, dass sie noch nie in die Versuchung kamen oder genötigt waren, nach betriebswirtschaftlichen Zwängen und erfolgsorientiert zu arbeiten, weil sie ja immer nur das Geld anderer Leute ausgeben durften.
So mag es auch zu verstehen sein, dass in dieser Hinsicht Offenburg eine Besonderheit offenbart, nämlich dass hier die Uhren anders herum gehen müssen. Und so wird es auch dem staunenden Leser erklärlich, dass man – wie es scheint – hierorts das Bundesverdienstkreuz erst dann bekommt, wenn man unter anderem mindestens 76 Arbeitsplätze vernichtet hat.
Pro Flugplatz Offenburg hat nachgefragt und aufgedeckt!
Das Umfrageergebnis vom 03.11.2003:
Fa. Aerotechnik Avionikwerft 25 Arbeitsplätze
Fa. Offenburger Flugdienst Luftbildunternehmen 12 Arbeitsplätze
Fa. Burda Werksverkehr-Flugbereitschaft 6 Arbeitsplätze
Fa. Konprecht Flugzeuglackierwerft 8 Arbeitsplätze
Fa. FFH Flugschule Harter 15 Arbeitsplätze
Fa. Flugschule Hezel 5 Arbeitsplätze
Fa. Fischer-Flug Luftfahrtunternehmen 2 Arbeitsplätze
Fa. Flugwerft Offenburg GmbH 3 Arbeitsplätze
insgesamt: 76 Arbeitsplätze ( 3 Offenburger Flugleiterstellen unberücksichtigt! )
29.01.2026, 10:12
Es wurden das Luftbild und den Zweckverband GRO " Hoch3 " übereinander gelegt, Ralph Fröhlich hat sich diese Mühe gemacht und nun kann amn erkennen das die rot gezeichneten Flächen im Privatbesitz sind. Da daß Flugplatzgelände der Stadt gehört, kann am den kleinsten Weg des Widerstand gehen. Daß Hauptproblem bleibt unser Stadtrat voran die CDU/FWO die abnicken was ihnen serviert wird. Naturschutz vor Dollarzeichen in den Augen!!!
25.01.2026, 09:34
Gemeinsam hingehen. Gemeinsam Haltung zeigen. Am 5. Februar lädt die Stadt Offenburg zu einer weiteren Informationsveranstaltung zum Bürgerentscheid über die Zukunft des Flugplatzes ein. Dieses Mal im Stadtteil Hildboltsweier.
Diese Abende werden offiziell als „neutral“ bezeichnet. Faktisch erleben wir aber immer wieder:Die Perspektiven von Bürgerinitiativen, Umweltverbänden und engagierten Stadtgesellschaften kommen zu kurz oder werden an den Rand gedrängt.
Genau deshalb ist es wichtig, dass wir dort sind.
Nicht laut, nicht störend – sondern sichtbar, informiert und solidarisch.Als Menschen, die sich eine Stadt wünschen, die nicht weiter Flächen frisst, sondern Verantwortung für Klima, Biodiversität und Lebensqualität übernimmt.
Warum gemeinsam?
Weil einzelne Stimmen leicht überhört werden.Weil Präsenz wirkt.Und weil es einen Unterschied macht, ob kritische Fragen vereinzelt oder getragen von vielen gestellt werden.
#Gesellschaft #Klima #Menschen #Offenburg #Umwelt
25.01.2026, 08:37
Unser Ziel: Flugplatz erhalten nach dem Motto „Grün statt Grau“ Gewerbegebiete im Wandel.
Foto D.M.