• Beschluss des Petitionsausschuss des Rheinland-Pfälzischen Landtages

    at 12 Nov 2018 10:10

    Der Petent begehrte mit seiner Eingabe eine Ersetzung des Pflichtfaches
    „Gesellschaftslehre“ an den Realschulen Plus und Integrierten Gesamtschulen durch die
    drei Fächer Geschichte, Erdkunde und Sozialkunde.

    Die Ermittlungen hatten ergeben, dass nach den vom Ministerium für Bildung getroffenen
    Feststellungen es ein wesentliches Profilelement der Schulart Integrierte Gesamtschule
    ist, dass neben dem Fachunterricht auch in starkem Maße fächerübergreifend,
    fächerverbindend und projektorientiert gearbeitet wird. Hierzu gehören zum Beispiel die
    regelmäßige Durchführung klassenübergreifender und fächerübergreifender Projekte
    oder die Durchführung eines fächerverbindenden Methodentrainings. So sei auch das
    integrative Fach Gesellschaftslehre seit Einführung der Integrierten Gesamtschulen
    Profilfach dieser Schulart. Für viele Eltern sei das Angebot des projektorientierten Lernens
    einer der Gründe, weshalb sie sich für die Schulart Integrierte Gesamtschule entscheiden.
    Aus diesem Grund bestehe auch kein Grund, das Fach Gesellschaftslehre durch die
    Fächer Erdkunde, Geschichte und Sozialkunde zu ersetzen.

    Dazu führte das Ministerium aus, dass im Fach Gesellschaftslehre die Schülerinnen und
    Schüler Perspektiven, Methoden und Inhalte der gesellschaftswissenschaftlichen Fächer
    Erdkunde, Geschichte und Sozialkunde erlernen. Diese würden allerdings nicht
    voneinander isoliert, sondern vergleichend, ergänzend und in wechselseitiger
    Betrachtung der gleichen Gegenstände angewandt. Ausgangspunkt für die Didaktik des
    Faches sei die Beobachtung, dass sich viele Problemlagen in modernen komplexen
    Gesellschaften dem Zugriff einzelner Fachdisziplinen entziehen, sie könnten
    multiperspektivisch besonders sinnvoll bearbeitet werden. Themenfelder wie zum Beispiel
    „Europa“, „Migration“ oder „Naturkatastrophen“ sollten dabei nicht unter unverbundenen
    fachlichen Einzelperspektiven unterrichtet werden, sondern in einer methodisch
    verbindenden Gesamtschau.

    Nach Auskunft des Ministeriums belegen Schülerinnen und Schüler in der gymnasialen
    Oberstufe entweder die Grundkurse Geschichte und Erdkunde/Sozialkunde oder wählen
    aus diesem Bereich ein Schwerpunktfach als Leistungskurs. Für die Vorbereitung einer
    bewussten Kurswahl in der gymnasialen Oberstufe biete das Fach Gesellschaftslehre
    besondere Möglichkeiten, da hier die Zugänge der Einzelfächer nicht unverbunden
    nebeneinanderstehen, sondern gezielt vergleichend vorgestellt und erprobt werden
    können. Nachteile gegenüber Schülerinnen und Schülern, die in der Sekundarstufe 1 in
    den Einzelfächern unterrichtet worden sind, hätte Schülerinnen und Schüler an der
    Integrierten Gesamtschule nicht. Es sei ein zentrales Prinzip für die Didaktik des Faches
    Gesellschaftslehre, dass die einzelfachlichen Perspektiven durchgängig in allen
    Klassenstufen vorhanden sind. Würden die Fächer Erdkunde, Geschichte und
    Sozialkunde getrennt unterrichtet, sei der Stundenansatz jeweils geringer und die drei
    Fächer könnten nicht in jeder Klassenstufe unterrichtet werden. So könnten durch die
    Vernetzung Inhalte und Methoden besser eingeführt, geübt, vielfach angewendet und
    dadurch vertieft und gefestigt werden.

    In Bezug auf die fachliche Qualifikation stellte das Ministerium fest, dass die Lehrkräfte in
    der Regel mindestens in einem der drei Bezugsfächer ausgebildet sind. Die Didaktiken
    der gesellschaftswissenschaftlichen Fächer seien zwar nicht deckungsgleich, hätten aber
    viele Gemeinsamkeiten. Das Pädagogische Landesinstitut biete darüber hinaus stets
    Fortbildungen zur Umsetzung des Lehrplans an.

    Der Petitionsausschuss des Landtags Rheinland-Pfalz hat in seiner nicht-öffentlichen
    Sitzung am 12.09.2017 festgestellt, dass dem in der Eingabe vorgebrachten Anliegen
    nicht abgeholfen werden kann.

    Begründung (PDF)

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