Zu meiner letzten Meldung kann ich zwei weitere Namen ergänzen. Nach einer Meldung der AOK Siegkreis von 1949 waren auch die beiden Polen Eugenius Niziotek (geb. 24.12.1920) und Metscheslaus Pschekze (geb. 19.6.1923) „beschäftigt bei Lemmerzwerk in Koenigswinter“. Beide kamen am 22. April 1944 ums Leben; das Ordnungsamt vermerkte „verschüttet“.
Metscheslaus Pschekze war 20 Jahre alt und erst seit 19 Tagen bei Lemmerz. Am selben Tag starb auch Iwan Kuchan, ebenfalls bei Lemmerz beschäftigt – er war 17 Jahre alt. Niziotek und Pschekze wurden zunächst in einem Sammelgrab auf dem Friedhof Königswinter beigesetzt und 1949 nach Ittenbach umgebettet.
Damit sind sechs verstorbene Zwangsarbeiter der Lemmerzwerke namentlich bekannt:
Vier Bürger der Sowjetunion (in den Akten als „Russen“ geführt):
– Petro Beatkowski (geb. 1907, gest. 17.8.1943) – Iwan Kuchan (geb. 1926, gest. 22.4.1944) – Georg Kostiw (geb. 1922 in der Ukraine, gest. 21.5.1944) – Sawa Brel (geb. 1923, gest. 28.12.1944)
Zwei Polen: – Eugenius Niziotek (geb. 1920, gest. 22.4.1944) – Metscheslaus Pschekze (geb. 1923, gest. 22.4.1944)
Ergänzend zu den bereits genannten Zahlen (Landesarchiv NRW, NW 1049 Nr. 61701, Bl. 168): Die Körperschaftsteuer des Werks stieg von 24.934 Reichsmark (1933) auf 1.565.371 Reichsmark (1942), die Gewerbesteuer im selben Zeitraum von 8.000 auf 378.000 Reichsmark – rund um das 47-Fache. Auch 1944 lag die Gewerbesteuer noch bei 367.000 Reichsmark.
Die Stadt Königswinter schrieb selbst im Mai 1950, bei den beurkundeten ausländischen Toten in Ittenbach handle es sich um „solche, die hier als Zivilarbeiter beschäftigt waren und durch Kriegseinwirkung gefallen sind“. Sie ruhen auf der Kriegsgräberstätte Ittenbach, die im Volksmund bis heute „Soldatenfriedhof“ heißt.
Zum Download beigefügt: – Meldung der AOK Siegkreis von 1949 zu Eugenius Niziotek und Metscheslaus Pschekze (Arolsen Archives, ITS 077) – Britischer Ermittlungsbericht vom 30.9.1947 mit der Angabe „400–500 Mann Gefangene und Fremdarbeiter“ bei 900 Beschäftigten (Landesarchiv NRW, NW 1049 Nr. 61701, Bl. 59) – Steuertabelle der Lemmerz-Werk GmbH 1933–1945 (Landesarchiv NRW, NW 1049 Nr. 61701, Bl. 168) – Hinweis auf Gaudiplom der Deutschen Arbeitsfront unten links – Hinweis auf Verlagerungsanordnung des Oberkommandos des Heeres (OKH) 1943 (beide Dokumente aus dem Kreisarchiv Altenkirchen)
Nach 82 Jahren: Ein Blick in die öffentlich zugänglichen Archive in Königswinter, Siegburg und Altenkirchen – deren Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mich dabei engagiert unterstützt haben –, sowie in die Online-Archive des Landesarchivs NRW und der Arolsen Archives in Bad Arolsen genügte, um ohne örtliche Nähe und ohne Forschungsauftrag vier Zwangsarbeiter der Lemmerzwerke sowie den ersten namentlich bekannten Zwangsarbeiter mit Bezug zum Wintermühlenhof zu identifizieren. Hinzu kommen zwei weitere Namen, deren Bezug zu Lemmerz bislang nicht gesichert ist:
Petro Beatkowski, Iwan Kuchan, Sawa Brel und Georg Kostiw (Lemmerz), Max Landmann (Wintermühlenhof) sowie – ohne gesicherten Lemmerz-Bezug – Stefan Nemkowitsch und Ignatz Schetnowaty.
Sie wurden nach Königswinter verschleppt, ausgebeutet und sind hier gestorben. Man findet dabei nicht nur einen Namen – man gibt diesen Menschen etwas zurück, das ihnen 82 Jahre lang genommen war: ihr Gesicht, ihre Identität und ihre unantastbare Würde. Die beiden zugrundeliegenden Arolsen-Dokumente sind dieser Meldung beigefügt; weitere Dokumente, insbesondere die Sterbeurkunden, können bei der Stadt Königswinter eingesehen werden.
Zum Ausmaß: Bei Lemmerz lag der Zwangsarbeiteranteil zeitweise bei bis zu 56 Prozent der Belegschaft (400–500 von 900 Beschäftigten, laut britischem Militärregierungsbericht vom 30.9.1947). Der Firma wurde von der Deutschen Arbeitsfront (DAF) das Gaudiplom für hervorragende Leistungen verliehen. Zur Produktionserweiterung erging 1943 eine Verlagerungsanordnung des Oberkommandos des Heeres (OKH) nach Ingelbach und Wunsiedel. Von den Opfern dieser Produktion sind bislang gerade einmal vier namentlich gesichert; die übrigen sind bis heute nicht identifiziert.
Die Körperschaftssteuer des Werks stieg von 1933 bis 1942 um das 63-Fache, das persönliche Einkommen Paul Lemmerz' aus Patent- und Lizenzgebühren zwischen 1933 und 1943 um das 34-Fache. Paul Lemmerz trat entgegen seiner eigenen Angabe in der Entnazifizierungsakte nicht 1933, sondern bereits am 1. Januar 1932 – also vor der Machtübernahme – in die NSDAP ein. Es gab keine Vermögenssperre, und noch 1947 wurden den Zwangsarbeitern Lohn geschuldet.
1953 spendete er der Stadt ein Schwimmbad. 1999 wurde per Treuhandvertrag eine Stiftung mit einem Kapital von 1 Million Euro gegründet – zur ausschließlichen Förderung von Kunst, Kultur und Denkmalpflege in Königswinter.
Eine Herkunftsprüfung dieses Kapitals hat es nach derzeitigem Kenntnisstand nicht gegeben. Haushaltsrechtlich ist dies unbedenklich – doch stellt sich die Frage, ob es das auch ethisch und moralisch ist. Die Stiftung fördert bis heute Kunst, Kultur und Denkmalpflege. Gehört dazu nicht auch die Aufarbeitung der NS-Zwangsarbeit in der Firma ihres Namensgebers und Gründers?
Mindestens drei Primärquellen, die zu dieser Recherche geführt haben, lagen im Stadtarchiv Königswinter vor und waren seit 2008 in der einschlägigen Forschungsliteratur dokumentiert. Wären sie rechtzeitig ausgewertet worden, hätten diese Namen dann nicht auch in der NS-Sonderausstellung 2025 im Siebengebirgsmuseum, "Ausgegrenzt. Verfolgt. Ermordet – Die Opfer des Nationalsozialismus im Siebengebirge", genannt werden können?
Stadt Königswinter, Landschaftsverband Rheinland, NRW-Stiftung und der Landrat des Rhein-Sieg-Kreises wurden über diese Funde informiert. Eine Reaktion ist bis heute nicht erfolgt.
Für diese Menschen – die vermutlich anonym auf dem Ehrenfriedhof Ittenbach ruhen – und die vielen anderen, noch namenlosen Opfer, gibt es nicht einmal eine Gedenktafel am Ort des Geschehens, während für die Familie Lemmerz ein aufwendiges Ehrengrab existiert.
Ist Aufarbeitung und ein würdiges Gedenken nicht unsere Verantwortung, auch als zweite oder dritte Generation nach den Tätern – gerade jetzt, wo einige dieser Menschen aus der Ukraine stammten, einem Land im heutigen Krieg?
Wir bitten Sie weiterhin herzlich um Ihre Unterstützung – jede Unterschrift zählt, damit diese Menschen den Platz in der Erinnerungskultur Königswinters erhalten, der ihnen zusteht: nach Aufarbeitung eine Erinnerungskultur an den Orten des Geschehens selbst.
Ein neues Petitionsbild mit KI erstellt und eingefügt.
Neue Begründung:
Ich bin gebürtiger Königswinterer und habe leider durch persönliche Recherche Anfang des Jahres 2026, bis zu diesem Zeitpunkt war nichts über den nachfolgenden Sachverhalt öffentlich zugänglich, in Erfahrung bringen müssen, dass der Stifter und Ehrenbürger der Stadt Königswinter, Herr Paul Lemmerz von 1932 bis 1945 MItglied der NSDAP und als Geschäftsführer der Firma Lemmerz-Werk GmbH, Profiteur des menschenverachtenden Systems der NS-Zwangsarbeit, in einer kriegswichtigen Produktion, war.
Letzteres dokumentiert sich auch in der Tatsache, dass diese, nach dem Bombenangriff 1944 in Königswinter, nach Ingelbach und Wunsiedel verlagert wurde. Betroffen davon waren auch Zwangsarbeiter und auch dort gibt des keinen Ort des Gedenkens.
Der Aktualisierung des Wikipedia-Eintrag zu Paul-Lemmerz haben sich auch weitere Autoren angeschlossen.
In Königswinter wird, was ich sehr begrüße und auch unterstütze, eine Erinnerungs- und Gedenkkultur für die jüdischen Opfer des Nationalsozialismuses und der NS-Zwangsarbeit in den Ofenkaulen gelebt. Fürgelebt. Für die Opfer der Lemmerz-Werk GmbH und dem Wintermühlenhof gilt dies allerdings nicht.
Nach Hinweis an den Stadtrat auf diese Schieflage, verbunden mit der Bitte eine Veränderung anzustoßen, habe ich keine Antwort erhalten. Umerhalten. Um diese jahrzehntelange Lücke der Erinnerung an die NS-Zwangsarbeit bei der Lemmerz-Werk GmbH und dem Wintermühlenhof, die dazu beiträgt, dass das Leid der Betroffenen marginalisiert wird, endlich zu schließen, habe ich, nach meinem Gespräch mit der Leitung des Dokumentationszentrums NS-Zwangsarbeit in Berlin, diese Petition erstellt.
Unterschriften zum Zeitpunkt der Änderung: 21 (0 in Königswinter)
Habe noch Korrekturen durchgeführt, den Text verschlankt und Formate eingefügt.
Neuer Petitionstext:
Petition zur Anerkennung und Etablierung einer Erinnerungs- und Gedenkkultur für die NS-Zwangsarbeit bei der Lemmerz-Werk GmbH und am Wintermühlenhof in Königswinter.
Ich fordere:
Die wissenschaftliche Aufarbeitung der Geschichte der NS-Zwangsarbeit bei der Lemmerz-Werk GmbH und am Wintermühlenhof,
Die Errichtung eines würdigen Gedenkortes vor Ort,
Die Integration des Themas in lokale Bildungsprogramme und Schulen,
Die Einbindung von externen Historiker, Initiativen und – soweit möglich – Angehörigen der Opfer,
Eine öffentliche Anerkennung und Stellungnahme durch verantwortliche Institutionen.
Es gibt, was sehr zu begrüßen ist, eine Erinnerungs- und Gedenkkultur für die jüdischen Opfer des Nationalsoziaiimus und den Zwangsarbeiter in den Ofenkaulen, Firma Aero-Stahl aus Köln, aber für die Opfer der NS-Zwangsarbeit bei den ortansässigen Lemmerz-Werken nicht.
Neue Begründung:
Ich bin gebürtiger Königswinterer und habe leider durch persönliche Recherche Anfang des Jahres 2026, bis zu diesem Zeitpunkt war nichts über den nachfolgenden Sachverhalt öffentlich zugänglich, in Erfahrung bringen müssen, dass der Stifter und Ehrenbürger der Stadt Königswinter, Herr Paul Lemmerz von 1932 bis 1945 MItglied der NSDAP und als Geschäftsführer der Firma Lemmerz-Werk GmbH, Profiteur des menschenverachtenden Systems der NS-Zwangsarbeit, in einer kriegswichtigen Produktion, war.
SeineLetzteres persönlichendokumentiert Angabensich auch in der EntnazifizierungsakteTatsache, zurdass NSDAP-Parteimitgliedschaft waren falsch, es gabe keine Vermögenssperre, er wurde als Mitläufer eingestuft, konnte als Geschäftsführer nach Kriegsende weitermachen, hatdiese, nach dem KriegBombenangriff den1944 Zwangsarbeiternin nochKönigswinter, Lohnnach geschuldetIngelbach und esWunsiedel fandverlagert biswurde. heuteBetroffen keinedavon öffentlichewaren auch Zwangsarbeiter und transparenteauch Aufarbeitungdort durchgibt einendes externenOrt Historikerdes in Köngswinter stattGedenkens.
DiesesDer ThemaAktualisierung wird in Königswinter seit Jahrzehnten totgeschwiegen. Dies gilt analog für den Wintermühlenhof.Nachdem ich Ende Februar 2026 begonnen habe dendes Wikipedia-Eintrag zu Paul-Lemmerz mit meinen Erkenntnissen zu aktualisieren
haben sich auch weitere Autoren sichangeschlossen.
In Königswinter wird , was ich sehr begrüße und auch unterstütze, eine Erinnerungs- und Gedenkkultur für die jüdischen Opfer des Nationalsozialismuses und der NS-Zwangsarbeit in den Ofenkaulen gelebt. Für die Opfer der Lemmerz-Werk GmbH und dem angeschlossen.Wintermühlenhof gilt dies allerdings nicht.
Nach Hinweis an den Stadtrat auf diese Schieflage, verbunden mit der Bitte eine Veränderung anzustoßen, habe ich keine Antwort erhalten. Um diese jahrzehntelange Lücke der Erinnerung an die NS-Zwangsarbeit bei der Lemmerz-Werk GmbH und dem Wintermühlenhof, die dazu beiträgt, dass das Leid der Betroffenen marginalisiert wird, endlich zu schließen, habe ich, nach meinem Gespräch mit der Leitung des Dokumentationszentrums NS-Zwangsarbeit in Berlin, diese Petition erstellt.