Region: Trier

Offener Brief zur Versorgungslage ungewollt Schwangerer in der Großregion Trier 2026

Petition richtet sich an:
Oberbürgermeister der Stadt Trier, Landräte der Landkreise Bernkastel-Wittlich, Trier-Saarburg und Bitburg-Prüm

41 Unterschriften

41 %
100 für Sammelziel

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100 für Sammelziel
  1. Gestartet 18.09.2026
  2. Sammlung noch > 9 Wochen
  3. Einreichung
  4. Dialog mit Empfänger
  5. Entscheidung
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Neuigkeiten

24.09.2026, 02:19

Link zur ELSA-Studie nach Aufforderung ergänzt.


Neuer Petitionstext:

Wir brauchen dringend:

  • Ärzt*innen in der Stadt Trier und der Großregion, die Schwangerschaftsabbrüche durchführen
  • Räumlichkeiten, in denen Abbrüche durchgeführt werden können!
  • Kliniken, die im Komplikationsfall die Nachsorge übernehmen!
  • den politischen Willen, Schwangerschaftsabbrüche zu entkriminalisieren und die bedarfsgerechte Versorgung umzusetzen!

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister Wolfram Leibe, sehr geehrter Herr Landrat Stefan Metzdorf, sehr geehrter Herr Landrat Andreas Hackethal, sehr geehrter Herr Landrat Nico Steinbach,

wir schreiben Ihnen als Arbeitsgruppe der Feministischen Vernetzung Trier, einer partei- und konfessionsunabhängigen, selbstorganisierten Gruppe, die im Raum Trier zu den Themen Geschlechtergerechtigkeit, geschlechtsspezifische Gewalt sowie reproduktive und sexuelle Selbstbestimmung arbeitet.

Unsere Arbeitsgruppe befasst sich hauptsächlich mit der Situation ungewollt Schwangerer in der Großregion Trier. Wir organisieren seit fünf Jahren regelmäßige Informationsveranstaltungen und Aktionen zur Aufklärung über die rechtliche Lage in Deutschland, die Umstände, welche zu einer ungewollten Schwangerschaft beitragen und die Herausforderungen bei Schwangerschaftsabbrüchen. Dazu befinden wir uns in einem engen Austausch mit den Beratungsstellen, die die Pflichtberatung nach §219 StGB umsetzen sowie mit den einzigen beiden gynäkologischen Praxen, die in der Großregion Trier medikamentöse Schwangerschaftsabbrüche durchführen. Zu diesem Zweck haben wir über einige Jahre den Runden Tisch Schwangerschaftsabbruch eingerichtet, aus dem auch einige Veranstaltungen hervorgingen: Zum Beispiel haben wir am 11.3.2026 einen Workshop angeboten, der anhand von verschiedenen Fallbeispielen den Teilnehmer*innen einen realistischen Eindruck der unterschiedlichen Stationen und Hürden vermittelt hat, die auf ungewollt Schwangere in Trier zukommen. Wir machen jedes Jahr zum Safe Abortion Day am 28. September öffentliche Informationsstände oder Demonstrationen. Im letzten Jahr waren wir außerdem an der Lesung "Das"Das Patriarchat im Uterus"Uterus" von Alicia Baier - Mitgründerin der medical students for choice und doctors for choice - beteiligt.

Schwangerschaftsabbrüche sind ein elementarer Teil medizinischer Grundversorgung, da die Gründe für ungewollte Schwangerschaften vielseitig und alltäglich sind: Familienplanung bereits abgeschlossen, Verhütungsfehler (es gibt kein 100% sicherer Verhütungsmittel), fehlende finanzielle oder soziale Ressourcen für (noch) ein Kind, sexualisierte Gewalt, noch nicht abgeschlossene Ausbildung u.v.m. Die Entscheidung für die Fortsetzung oder den Abbruch einer Schwangerschaft wird von den Betroffenen nicht leichtfertig sondern immer unter Abwägung ihrer Belastungen und Ressourcen in Bezug auf Lebensumstände, Lebensziele, Partner- und Elternschaft, Grenzen der Belastbarkeit oder verhinderte Optionen getroffen. Das zeigt auch die ELSA-Studie (Erfahrungen und Lebenslagen ungewollt Schwangerer, Angebote der Beratung und Versorgung) von 2024 und macht deutlich, dass mehr als die Hälfte der Personen, die eine ungewollte Schwangerschaft abbrechen Schwierigkeiten haben, den Abbruch zu organisieren oder mit Stigmatisierung konfrontiert sind.

Ein wohnortnaher und kostengünstiger Zugang, genau so wie eine Recht auf Information und Beratung gehören allerdings zu den sexuellen und reproduktiven Menschenrechten.

In diesem Zusammenhang schneidet Rheinland-Pfalz in der ELSA-Studie schlecht ab, da der Zugang zu Schwangerschaftsabbrüchen sehr eingeschränkt ist. Insbesondere die gynäkologische Versorgungslage für Menschen in und um Trier ist katastrophal!



Neue Begründung:

Aktuell haben alle gynäkologischen Praxen in der Stadt Trier einen Aufnahmestopp für neue Patient*innen, die Wartezeiten für einen Ersttermin erstrecken sich auf ein Jahr, 6 Kassensitze in Ihrem Regierungsbezirk sind unbesetzt. Viele Mädchen finden deshalb keine Ärzt*innen, die sie zu Verhütung beraten. Viele Frauen müssen für ihre Vorsorgeuntersuchungen über eine Stunde zu ihrer Gynäkologin fahren. Das ist grundsätzlich schon ein enormer Aufwand für die Inanspruchnahme medizinischer Grundversorgung, zum Beispiel die regelmäßigen Untersuchungen während einer Schwangerschaft und nach einer Geburt. Im Fall einer ungewollten Schwangerschaft kommt Zeitdruck dazu: Die Schwangerschaft muss ärztlich festgestellt werden, bevor ein Termin für einen Schwangerschaftsabbruch ausgemacht werden kann.

Außerdem gibt es in der ganzen Stadt Trier keine einzige Praxis, die Schwangerschaftsabbrüche durchführt. Die einzige gynäkologische Abteilung befindet sich im Klinikum Mutterhaus der Borromäerinnen. Dort werden aus religiösen Gründen, aufgrund der katholischen Trägerschaft, ebenfalls keine Schwangerschaftsabbrüche durchführt. Auch ist man aus den gleichen Gründen nicht bereit, eine Kooperationsvereinbarung mit einer niedergelassenen Praxis abzuschließen, die Schwangerschaftsabbrüche anbieten würde. Eine solche schriftliche Kooperationsvereinbarung ist aber für eine Praxis erforderlich, um eine Zulassung für die Durchführung von ambulanten Schwangerschaftsabbrüchen zu erhalten.

Mit dieser Kooperationsvereinbarung würden sie bestätigen, dass sie im Komplikationsfall die Nachbehandlung nach einem Schwangerschaftsabbruch übernehmen würden: eine rechtliche Verpflichtung, die die Klinik ohnehin bei gynäkologischen Komplikationen hat und wahrnimmt.

Auch die aktuelle Leitung des Gesundheitsamts Trier ist nicht bereit, sich für eine bessere Versorgungslage in der Stadt Trier einzusetzen, in dem beispielsweise Räume im Gesundheitsamt für Abbrüche zur Verfügung gestellt werden, was die Schwelle für einige Ärzt*innen senken würde, da sie die Eingriffe außerhalb ihrer eigenen Praxen durchführen könnten, sodass sie sicherer vor Anfeindungen wären.

In den Landkreisen Trier-Saarburg und Bernkastel-Wittlich gibt es jeweils eine gynäkologische Praxis, welche medikamentöse Abbrüche (bis zur 8. Schwangerschaftswoche straffrei) durchführen. Für operative Abbrüche (bis zur 12. Schwangerschaftswoche straffrei) müssen die Patient*innen bis nach Saarbrücken, Koblenz oder nach Luxemburg fahren. Das ist mit Zeitaufwand, Kosten, Organisation von z.B. Kinderbetreuung, Begleitpersonen und zum Teil Geheimhaltung verbunden und stellt dadurch eine große Hürde für viele ungewollt Schwangere dar.

Dazu kommt, dass viele der Ärzt*innen, die bisher operative Abbrüche angeboten haben, bereits das Rentenalter erreicht haben und teilweise die Praxen Ärzt*innen aus den Niederlanden hinzuziehen müssen, um den Bedarf ansatzweise abdecken zu können. Perspektivisch werden aus diesen Gründen die Angebote eher eingestellt als ausgebaut.

Ein weiteres Hindernis bei der Errichtung einer flächendeckenden medizinischen Versorgung ungewollt Schwangerer ist das Erstarken rechtskonservativer und fundamentalistischer Kräfte. Sie nutzen einerseits ihre mediale Reichweite und politische Ämter, um traditionelle Rollenbilder und Frauen als Mütter zu idealisieren und erschweren dadurch eine Gesetzesänderung auf Bundesebene, um Schwangerschaftsabbrüche zu entkriminalisieren. Andererseits greifen sie auch sowohl niedergelassene Praxen, die Schwangerschaftsabbrüche anbieten, als auch Patient*innen dieser Praxen an und verhindern dadurch teilweise ein offenes Auftreten, wodurch ungewollt Schwangere erneut Informationen fehlen.

Die ELSA-Studie macht deutlich: 75% der Ärzt*innen, die Schwangerschaftsabbrüche durchführen, befürworten eine Regelung außerhalb des Strafgesetzbuches. Diese Entscheidung muss auf Bundesebene vorangebracht werden, bedarf aber jeder Unterstützung in Form von Aufklärung und Entstigmatisierung auch auf kommunaler Ebene.

Die Gesetzesänderung abzuwarten erfordert einen langen Atem und viel Zeit, die die ungewollt Schwangeren nicht haben. Es sind Mädchen und Frauen aus Ihren Regierungsbezirken und Wahlkreisen, die durch die aktuelle Situation gefährdet sind, bei einer ungewollten Schwangerschaft auf unsichere Methoden zum Abbruch zurückgreifen zu müssen oder ein ungewolltes Kind nicht versorgen zu können. Daher fordern wir Sie auf, sich an Überlegungen zu beteiligen, wie die Versorgungslage in der Großregion Trier zeitnah verbessert werden kann.

Dafür laden wir Sie zu einem Austauschgespräch ein, um einen Beitrag der Kommunen für eine Entwicklung im Sinne der Bürgerinnen zu besprechen.

Mit feministischen Grüßen,
Ihre AG Abtreibung

Quelle ELSA-Studie: elsa-studie.de/


Unterschriften zum Zeitpunkt der Änderung: 6


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