20.09.2026, 08:40
Am 17.9. endete die öffentliche Auslegung des Bebauungsplans „Niederkasseler Straße / Kanalstraße“. Der Stadtverwaltung liegen diverse ausführliche, mit Quellenangaben belegte Stellungnahmen von Anwohnern vor. Die folgende Übersicht fasst nur einige der darin dokumentierten Kritikpunkte zusammen.
1. Datengrundlage bis zu neun Jahre alt
Zentrale Fachgutachten stammen aus dem Jahr 2017 (Baumkontrolle, Bodenuntersuchung), die Beteiligungsschritte aus den Jahren 2019 und 2021 – bis zu neun Jahre vor der jetzigen Auslegung. Der Entwurf hat sich seither in wesentlichen Punkten verändert.
Frage: Sind die verwendeten Datengrundlagen noch aktuell, und hat zur jetzt ausgelegten Entwurfsfassung eine erneute Beteiligung der Behörden und sonstigen Träger öffentlicher Belange stattgefunden?
2. Wohnungszahl um bis zu 38 Prozent erhöht – ohne neue Folgenabschätzung
Die Wohnungszahl ist gegenüber dem Stand der Bürgerbeteiligung 2019 (ca. 80 bis 86 Wohneinheiten) auf rund 110 Wohnungen gestiegen – ein Plus von 28 bis 38 Prozent.
Frage: Wurden die Folgewirkungen der nachträglich erhöhten Wohnungszahl (Tiefgarage, Baumbestand, Stellplatzbedarf, soziale Infrastruktur) erneut ermittelt und wurde eine Planungsalternative geprüft?
3. Baumbestand von 42 auf 2 reduziert
Von 42 im Plangebiet erfassten Bestandsbäumen sollen nach aktuellem Planungsstand zwei erhalten bleiben. Der vorgesehene Erhaltungsumfang wurde im Verfahren mehrfach reduziert – von ursprünglich elf über sechs auf zuletzt zwei Bäume. Als Ursache benennt die Planbegründung den Flächenbedarf der Tiefgarage.
Frage: Welcher mindestens gleichwertiger Ersatz an Bäumen ist konkret festgelegt?
4. Verkehrsgutachten auf Basis von Pandemie-Daten – Lärmgutachten rechnet Anstieg ebenfalls klein
Die Leistungsfähigkeitsnachweise an den betrachteten Knotenpunkten beruhen im Wesentlichen auf Verkehrszählungen aus dem Jahr 2020, einem Zeitraum mit pandemiebedingt reduziertem Schul- und Berufsverkehr. Eine Nachzählung 2024 erfasste nur die Kanalstraße selbst; der dort festgestellte Anstieg von rund 29 Prozent in der Spitzenstunde wird als „geringfügig“ bewertet.
Die schalltechnische Untersuchung legt für die Kanalstraße ein Verkehrsaufkommen von 1.165 Fahrzeugen pro Tag zugrunde. Die Verkehrsuntersuchung selbst weist für dieselbe Straße bereits im Ist-Zustand 1.337 Fahrzeuge aus, zuzüglich 329 prognostizierter Neuverkehre – in Summe 1.666 Fahrzeuge und damit 43 Prozent mehr als der Lärmberechnung zugrunde liegt.
Frage:Werden die Verkehrszählungen an allen betrachteten Knotenpunkten unter aktuellen, unbeeinflussten Bedingungen wiederholt, kumulative Effekte einbezogen und die tatsächliche Leistungsfähigkeit der Kanalstraße nachvollziehbar nachgewiesen? Wird die schalltechnische Untersuchung auf Grundlage der tatsächlichen Verkehrsprognose der stadteigenen Verkehrsuntersuchung neu berechnet?
5. Artenschutz – geschützte Arten nicht vollständig erfasst
Der artenschutzrechtliche Fachbeitrag führt nach Auswertung der Unterlagen mehrere im Plangebiet fotografisch dokumentierte, besonders geschützte Arten nicht auf. Die Erfassung von Fledermausvorkommen erfolgte im Februar, außerhalb der üblichen Aktivitätszeit dieser Tiere.
Frage: Wird eine ergänzende, saisonal angemessene Erfassung der im Plangebiet vorkommenden geschützten Arten durchgeführt?
Des Weiteren wurden auch ergänzend viele technische Fragen zu den umfangreichen Baukörpern und der Rechtmäßigkeit des Bauvolumens eingereicht.
Nun ist die Stadtverwaltung gefordert die eingereichten Stellungnahmen transparent zu beantworten.
Eure BI L(i)ebenswertes Niederkassel