30.06.2026, 04:54
Liebe Unterstützerinnen und Unterstützer unserer Petition,
gestern Abend hat der Rat der Stadt Gifhorn über die Zukunft des Ratsweinkellers beraten. Nach einer knapp einstündigen Debatte fand der Antrag der SPD auf ein Moratorium leider keine Mehrheit. Mit 14 Stimmen dafür und 25 Stimmen dagegen wurde unser Vorschlag abgelehnt, die Entscheidung aufzuschieben und die Chance für ein neues, umfassendes Konzept ernsthaft zu prüfen.
Das ist enttäuschend. Denn wir haben gemeinsam mit Ihnen und Euch für eine Idee geworben, die aus unserer Sicht weit über die Frage hinausgeht, ob im Ratsweinkeller künftig ein Steakhouse einziehen soll. Es ging und geht um die Frage, was für einen Ort Gifhorn an dieser wichtigen Stelle in der Innenstadt braucht.
Gunther Wachholz hat als Fraktionsvorsitzender der SPD gestern eine starke Rede gehalten. Er hat noch einmal deutlich gemacht, warum eine neue Stadtbibliothek als Dritter Ort – verbunden mit dem Ratsweinkeller und dem Archiv – ein echter Gewinn für unsere Stadt wäre: ein Ort für alle. Ein Demokratieort. Ein Lernort. Ein Treffpunkt. Ein Ort, an dem junge und ältere Menschen zusammenkommen können, ohne etwas konsumieren zu müssen. Ein Ort, der Bildung, Begegnung, Kultur und Innenstadtbelebung miteinander verbindet.
Ein solcher Ort wäre aus unserer Sicht ein Geschenk für Gifhorn.
Umso bedauerlicher ist, dass anschließend auch der Verwaltungsvorlage zugestimmt wurde – ebenfalls mit 25 zu 14 Stimmen. Damit kann die Verwaltung nun konkrete Gespräche mit dem potenziellen Betreiber eines Steakhouse-Konzepts für den Ratsweinkeller aufnehmen.
Zur Wahrheit gehört aber auch: Gestern wurde noch nicht endgültig beschlossen, dass dieses Vorhaben am Ende tatsächlich umgesetzt wird. Auch der Bürgermeister hat in der Debatte deutlich gemacht, dass es jetzt zunächst um weitere Gespräche geht. Natürlich werden diese Gespräche mit dem Ziel geführt, zu einem Abschluss zu kommen. Aber über die konkrete Freigabe der erforderlichen Mittel wird am Ende der nächste Rat entscheiden müssen.
Und genau deshalb ist diese Debatte nicht beendet.
Denn es geht um viel Geld: Rund 3,5 Millionen Euro würden den künftigen Rat über Jahre binden. Allein die Abschreibungen würden den Ergebnishaushalt erheblich belasten. In einer Stadt, deren freiwillige Leistungen ohnehin knapp bemessen sind, setzt das Vereine, Verbände, Kultur, Jugend, Ehrenamt und soziale Angebote weiter unter Druck. Gerade sie werden in den kommenden Jahren aber eher mehr Unterstützung brauchen – nicht weniger.
Hinzu kommt die schwierige wirtschaftliche Lage. Die Krise bei Volkswagen und die allgemeine Unsicherheit stellen viele Familien und Betriebe auch in unserer Region vor große Fragen. Da muss man sehr genau abwägen, ob eine Millioneninvestition in ein privatwirtschaftliches Gastronomiekonzept der richtige Schwerpunkt ist – oder ob Gifhorn dieses Geld nicht besser in ein öffentliches Angebot investiert: in Bildung, Begegnung, Kultur, Demokratie und Zusammenhalt.
Wir bleiben überzeugt: Gifhorn braucht einen kulturellen Leuchtturm. Einen Ort, der nicht nur einzelnen Interessen dient, sondern der ganzen Stadt. Für Kinder und Jugendliche. Für Familien. Für Seniorinnen und Senioren. Für Vereine und Initiativen. Für Menschen aus Gifhorn und für alle, die unsere Innenstadt besuchen.
Gestern wurde in der Debatte auch kritisiert, dass „nur“ rund ein Prozent der Gifhornerinnen und Gifhorner unsere Petition unterschrieben hätten. Daraus wurde der Schluss gezogen, dies sei ein klares Zeichen gegen unsere Idee. Diese Logik erschließt sich uns nicht. Im Gegenteil: Innerhalb kurzer Zeit haben viele Menschen deutlich gemacht, dass sie eine andere Vorstellung von der Zukunft des Ratsweinkellers haben. Dafür sind wir sehr dankbar.
Und es zeigt uns zugleich: Wir müssen diese Idee weiter erklären, weitertragen und noch mehr Menschen dafür gewinnen.
Genau das werden wir tun. Auch im Kommunalwahlkampf werden wir weiter dafür werben, dass die Stadtbibliothek gemeinsam mit dem Ratsweinkeller und dem Archiv zu einem neuen Dritten Ort für Gifhorn entwickelt wird. Es geht darum, dieser Idee überhaupt eine faire Chance zu geben – sie fachlich zu prüfen, weiterzuplanen und mit der Stadtgesellschaft zu diskutieren.
Was wir uns darunter vorstellen, zeigen wir hier:
https://ratsweinkeller.netlify.app/
Danke für Ihre und Eure Unterstützung, für jede Unterschrift, für jedes Gespräch, für jede Rückmeldung und für jedes Weitertragen dieser Idee.
Der gestrige Abend war ein Rückschlag. Aber er ist nicht das Ende dieser Debatte.
Wir kämpfen weiter für einen Ort, der Gifhorn zusammenbringt.
Mit herzlichen Grüßen
Christopher Finck und die SPD Gifhorn