18.07.2026, 10:45
Bei aller berechtigten Kritik muss differenziert werden: Die Stadtverwaltung und der Bürgermeister setzen im Kern die Vorgaben um, die von der Politik beschlossen werden. In den Behörden arbeiten viele engagierte Mitarbeiter, die sich große Mühe geben.
Es ist die Aufgabe der Kommunalpolitik, als „Augen und Ohren“ der Bürger zu agieren und Entwicklungen vorausschauend zu steuern. Wenn sich der Fokus jedoch nur noch auf statistische Besucherzahlen verengt, wird übersehen, dass planerisches Nichtstun der regionalen Entwicklung massiv schadet.
Die aktuellen Großbaustellen führen uns das Versagen dieser Kontrollfunktion deutlich vor Augen:
-Mangelnde Weitsicht bei der Bahnsanierung: Die temporären Schließungen der Bahnübergänge und die damit verbundenen Barrieren – wie die unüberwindbare Treppe dort hinten an der Autofähre – waren lange im Vorfeld bekannt. Hier hätte die Politik frühzeitig und proaktiv einschreiten müssen, um bürger- und gastfreundliche Alternativen einzufordern.
-Verschleppung des Parkleitsystems: Seit mittlerweile vier Jahren wird über ein elektronisches Parkleitsystem diskutiert. Dass dieses weder im Zuge der Kreiselsanierung noch an der Geisenheimer Straße umgesetzt wurde, ist unverständlich. Während die Kommune den W.T.F. mit erheblichen Mitteln bezuschusst, werden essenzielle Infrastrukturprojekte verschoben. Gerade in der jetzigen akuten Baustellenphase bräuchten Autofahrer eine klare digitale Zielführung.
-Versäumnisse bei Entlastungsflächen: Es fehlt an pragmatischen Lösungen, wie der temporären Nutzung freier Gelände als zusätzliche Parkflächen und einer direkten Zuweisung für die Besucher. Der dadurch entstehende aggressive Park- und Suchverkehr stellt eine massive Belastung für die gesamte Stadt dar – ein Zustand, der uns ohne Gegensteuerung die nächsten drei Jahre erhalten bleibt.
-Falscher Fokus beim Tourismus: Aktuell sorgt man sich politisch vor allem um die ausbleibenden Hotelschiffe aufgrund des niedrigen Rheinwasserstands. Dabei wird die wirtschaftliche Realität ignoriert: Die tragende Säule unseres Tourismus, die das meiste Geld in der Stadt lässt, sind die Tagestouristen und Übernachtungsgäste.
-Missachtung der Bevölkerung: Durch das defensive Aussitzen dieser Probleme verprellt man nicht nur die existenziell wichtigen Besucher, sondern stößt vor allem die eigenen Bürgerinnen und Bürger direkt vor den Kopf, deren Alltagssicherheit, Nerven und Lebensqualität hierbei völlig hintenüberkippen.
Eine zukunftsfähige Infrastrukturpolitik sieht anders aus. Wir fordern eine Politik, die die Augen vor den realen Problemen der Menschen und dem drohenden Verkehrskollaps vor Ort nicht länger verschließt