13.10.2026, 05:17
Statement vom Weinböhlaer Bürgermeister Siegfried Zenker:
Wir haben die Prädikatisierung als Erholungsort aufgrund des Konzeptes " Wein-Rad- Aussicht" 2025 wiedererlangt. Allein der Aspekt der "Aussicht" ist mit der Trassenführung der Variante 8 bzw. E schlicht unvereinbar.
Sowohl der König-Albert-Turm als auch der Friedensturm in Weinböhla haben eine Bauwerkshöhe von jeweils etwa 20 Metern. Die geplanten Masten für die neue 380-kV-Elbe-Oberlausitz-Leitung nach Dresden werden eine Standardhöhe von etwa 60 bis 70 Metern haben. Die Regelhöhe im flachen Gelände oder Standard-Trassenverlauf bewegen sich die Gittermasten meist um die 50 bis 60 Meter.
Die Türme in Weinböhla bieten den imposanten Panoramablick über das Elbtal Richtung Meißen, Radebeul und Dresden sowie nach Norden ins Hügelland. Wenn der Trassenkorridor nun nah an Weinböhla oder durch die direkt angrenzenden Gemeinden verläuft, rücken die bis zu 70 Meter hohen Gittermasten in das direkte Sichtfeld des Panoramablicks. Es kommt zur Zerstörung des Landschaftsbildes - aus der erhöhten Perspektive der Aussichtsplattformen schaut man direkt auf die Leitungen oder blickt vor der Kulisse des Elblands auf eine Reihe massiver Strommasten, was den touristischen und landschaftlichen Wert Weinböhlas massiv beeinträchtigt.
Es ist klares Begehren Weinböhlas, die Trasse dort zu finden, wo es das raumordnerische Bündelungsgebot gebietet – nämlich in Autobahnnähe, wo bereits entsprechende Strukturen vorhanden sind. Das Schutzgut „Mensch“ darf sich nicht auf das reine Überspanungsverbot von Wohnbebauung beschränken. Auch Erholung ist ein zutiefst menschliches Bedürfnis. Wir hoffen, dass bei der Abwägung der betroffenen Belange der einzelnen Trassenvarianten nicht nur der Natura 2000 -Schutz als alles andere überragende Interesse gewertet wird, sondern der Freistaat Sachsen konsistent handelt und dem erst im letzten Jahr wiedererlangten Status Weinböhlas als „ staatlich anerkannter Erholungsort“ nicht mittelfristig wieder den Garaus macht. Wir denken, dass auch hier die notwendige Portion „gesunder Menschenverstand“ gefragt ist – auch um dem großen Unverständnis in der Bevölkerung sowie der sich daraus speisenden verstärkten Politikverdrossenheit und Zuwendung zu politischen Extremen nicht noch weiter Vorschub zu leisten. Gegen die Trassenvariante 8 bzw. E werden wir uns deutlich ablehnend positionieren. Wir sind zugleich sehr überzeugt, dass es Kompromisse bzw. Maßnahmen gibt, die die Stromtrasse in Autobahnnähe ermöglichen und gleichzeitig dem dortigen Schutzstatus gerecht werden.
Mit den besten Grüßen
Siegfried Zenker