Petition richtet sich an:
Stadtrat der Stadt Bonn, Oberbürgermeister Guido Déus
Der Bonner Stadtrat hat angesichts des Verkehrschaos nach Sperrung der Nordbrücke am 11. Juni 2026 mit den Stimmen von CDU, SPD, FDP, BBB und AFD beschlossen, die Radspuren auf der Oxfordstraße und der Adenauerallee zu entfernen und den Autoverkehr dort wieder vierspurig zu führen. Wo kein Schutzstreifen möglich ist, soll der Radverkehr schlicht verboten werden (Quelle: Ratsbeschluss).
Wir fordern: Die Radspuren auf Oxfordstraße und Adenauerallee müssen erhalten bleiben, der Wechsel aufs Rad unterstützt und gefördert werden.
Jetzt, in dieser akuten Mobilitätskrise, braucht Bonn das Fahrrad mehr denn je. Sogar der ADAC-Mobilitätsexperte Prof. Roman Suthold empfiehlt im Kölner Stadt-Anzeiger, in der Krisensituation keine Fahrrad- und Umweltspuren für den Autoverkehr zu opfern.
Oxfordstraße: Alternativlos und unsicher ohne Radspur
Die Oxfordstraße ist die wichtigste Ost-West-Verbindung für den Radverkehr in der Bonner Innenstadt. Eine gleichwertige Alternative gibt es nicht, da parallele Führungsmöglichkeiten im Straßennetz schlicht nicht vorhanden sind.
Dort soll der Radfahrstreifen nun einem Schutzstreifen weichen oder ganz entfallen. Was das bedeutet: Radfahrende teilen sich die Fahrbahn mit Lkw und Autos im Stau, mit einem gestrichelten Strich als einzigem Schutz. Untersuchungen belegen, dass der vorgeschriebene Überholabstand auf solchen Streifen regelmäßig unterschritten wird, außerdem ist fraglich, ob die Menschen dort mit dem Rad überhaupt noch durchkommen. Bestehende Schutzstreifen sind im Stau regelmäßig komplett mit Autos vollgestellt, wie etwa in der Römerstraße zu beobachten ist.
Und was bringt das Ganze? Voraussichtlich wenig bis gar nichts. In der Verkehrsplanung gilt das Flaschenhalsprinzip: Die Leistungsfähigkeit eines Straßenzuges wird maßgeblich durch seine Engpässe bestimmt. Solange die Engpässe auf der Kennedybrücke selbst und auf anderen zwangsweise einspurigen Abschnitten wie der Thomastraße oder am Combahnfriedhof bestehen bleiben, wird sich der Stau durch die Beseitigung einiger einspuriger Abschnitte nur verlagern, aber nicht verschwinden.
Adenauerallee: Kein Stauhelfer, aber ein Politikum
Die Adenauerallee hat keine direkte Entlastungsfunktion für die gesperrte Nordbrücke und darüber hinaus auch zwei einspurige Passagen auf knapp zwei Kilometer Länge. Der Beschluss, auch hier den Radverkehr zu verdrängen, lässt sich verkehrlich kaum begründen, wohl aber politisch: Die CDU bekämpft die Radspur auf der Adenauerallee seit Jahren als ideologische Unvernunft. Nun scheint sie in der Ausnahmesituation die Gelegenheit zu sehen, Fakten schaffen zu können.
Die vorgeschlagenen Ausweichrouten über Kaiserstraße und Rheinufer sind kein gleichwertiger Ersatz für alle, die entlang der Adenauerallee zur Schule gehen, studieren oder arbeiten.
Das Fahrrad entlastet alle, auch den Autoverkehr
Wer jetzt auf das Rad umsteigt, nimmt ein Auto von der Straße und erleichtert die Situation damit nicht zuletzt für all diejenigen, die nicht wechseln können, etwa Handwerker, mobilitätseingeschränkte Personen oder diejenigen, die einen sehr weiten Weg haben. Die Menschen, die seit dem 3. Juni täglich auf das Fahrrad umgestiegen sind, sorgen dafür, dass der Kollaps nicht noch schlimmer ist. Wer sie jetzt derartig verdrängt, sorgt dafür, dass sie ins Auto zurückkehren, mit dem Ergebnis von mehr Stau, nicht weniger.
Bonn hat mit dem Radentscheid 2021 versprochen, zur Fahrradstadt zu werden. Dieses Versprechen ausgerechnet dann zu brechen, wenn das Fahrrad beweist, dass es unverzichtbar ist und ungemeine Potentiale bietet, wäre eine Entscheidung gegen die Sicherheit aller, die täglich Rad fahren und jene, die es in der neuen Situation erstmals ernsthaft in Betracht ziehen.
Wir fordern den Rat der Bundesstadt Bonn auf, die Beschlusspunkte 1.6, 1.7 und 1.8 zurückzunehmen und stattdessen das zu tun, was diese Krise wirklich braucht: Radverkehr fördern, nicht verbieten.
Bonn wird über die kommenden Jahre ein Verkehrchaos bleiben. Deswegen Busse&Bahnen kostenfrei gestalten und den ganzen Verkehr raus aus unserer Stadt, nur noch Busse&Bahnen, Rettungsdienste, Handwerker&Lieferanten und Anwohner mit dem PKW noch in die Stadt fahren lassen, Parkplötze außerhalb der Stadt zur Verfügung stellen und ÖPNV nutzen