Abschlussbericht (PDF)Über welche Entscheidung / welche Maßnahme / welchen Sachverhalt wollen Sie sich beschweren?Sehr geehrte Damen und Herren, Sie als politische Vertreter des Volkes wissen so gut wie niemand sonst, wie lebensnotwendig es für eine Demokratie ist, dass sich die in ihr lebenden Personen mit ihr identifizieren können und sie aktiv mitgestalten. Um dies zu gewährleisten, muss Aufklärungsarbeit vorangehen - welches pol. Organ ist wofür zuständig, wie wird es gewählt, welche Parteien gibt es und welche Aufgaben haben diese, wie kann ich meine Rechte und Pflichten als Bürger wahrnehmen? Vor diesem Hintergrund ist es schade zu sehen, dass der Sozialkundeunterricht in unserem schönen Bundesland eine Randerscheinung darstellt. In der neunten Klasse findet er einstündig statt, in der zehnten zweistündig und in allen anderen Klassenstufen der Sek. I ist er nicht existent. Je nachdem welche Fächerkombination gewählt wird, findet in der Oberstufe kein Sozialkundeunterricht mehr statt. Diese wenigen Stunden sollen dann kommunal-, landes-, bundes- und europapolitisch aufklären sowie zudem Grundlagen der Soziologie, Wirtschaft und sogar Medieneinflüsse vermitteln. Dass dies schier unmöglich ist, leuchtet sicher auf den ersten Blick ein. Schauen wir in unser Nachbarland Nordrhein-Westfalen: Dort beginnt der Politikunterricht in Klasse 5 verpflichtend und behält diesen Status auch in der Oberstufe, in Hessen sieht dies ähnlich aus. Warum ist nur uns Rheinland-Pfälzern als Heimat des Hambacher Festes unsere Demokratie so egal?Was möchten Sie mit Ihrer Bitte / Beschwerde erreichen?Es ist essentiell, den Sozialkundeunterricht auszuweiten. Die Stundentafel der Gymnasien beispielsweise sieht in der Sek. I 7 Stunden Geschichte, 6 Stunden Erdkunde, aber nur 3 Stunden Sozialkunde vor - eine Umverteilung zu 6 Stunden Geschichte, 5 Stunden Erdkunde und 5 Stunden Sozialkunde wäre hier eine sinnvolle Alternative. In der Oberstufe sollte Sozialkunde zudem für alle Schülerinnen und Schüler ungeachtet ihrer Fächerkombination als eigenständiges Fach verpflichtend sein. Der rheinland-pfälzische Versuch politische Bildung zum Teil über den Geschichtsunterricht abzudecken, ist nicht funktionsfähig. Als Geschichts- und Sozialkundelehrer kann ich Ihnen sagen, dass einige der Kolleginnen und Kollegen die fundierten politischen Kenntnisse nicht haben, um diesen Plan in die Tat umzusetzen. Zudem ist der Geschichtslehrplan so überfüllt, dass er kaum Freiräume für vertiefte politische Diskussionen bietet.Gegen wen, insbesondere welche Behörde / Institution richtet sich Ihre Beschwerde?Ministerium für Bildung, Wissenschaft, Jugend und KulturMuss nach Ihrer Vorstellung ein Gesetz / eine Vorschrift geändert / ergänzt werden? Wenn ja, welche(s?Die Stundentafel der Sek. I: 9321/R 94C - Tgb.-Nr. 2025/07 Sowie die Ordnung der Mainzer StudienstufeBitte geben Sie eine kurze Begründung für Ihre Bitte / BeschwerdeAls Demokratie ist der Politikunterricht unerlässlich! Wie sollen junge Menschen sonst um ihre Rechte und Pflichten wissen? Drei Stunden in der gesamten Sekundarstufe I ist zu wenig Politikunterricht, gerade wenn man bedenkt, dass zusätzlich Medien, Ökonomie und Soziologie in dieser kurzen Zeit unterrichtlich zu behandeln sind. Als Lehrer bin ich oft schockiert, wie wenig politisches Wissen selbst unsere Abiturienten haben, die nun unsere Demokratie am Leben erhalten sollen. Sieht so der Kampf des Landes gegen die Politikverdrossenheit der Bevölkerung aus?

Vielen Dank für Ihre Unterstützung, Tim Daniel Diehl aus

Neuigkeiten

  • Der Petent begehrte mit seiner Eingabe eine Ausweitung des Sozialkundeunterrichts.

    Die Ermittlungen haben ergeben, dass nach Auskunft des Ministeriums für Bildung,
    Wissenschaft, Weiterbildung und Kultur Schule die A ufgabe hat, Schülerinnen und
    Schüler zu mündigen Bürgerinnen und Bürgern zu erzi ehen. Allerdings könne dieser
    Anspruch an Schule nicht von einem Fach alleine gel eistet werden. Demokratie und ihre
    Instrumente ließen sich auch nicht alleine kognitiv vermitteln. Sie müssten vielmehr
    fächerübergreifend erfahrbar gemacht werden. Es geh e bei dieser Aufgabe um die
    Vermittlung einer politischen Bildung, die sowohl d as Wissen um Demokratie als auch
    das Erleben von Demokratie einschließt. Neben Betei ligungsformen wie Klassenrat,
    Stufen- oder Schulparlament, die Mitbestimmung konk ret erlebbar machen, gebe es
    daher auch eine Reihe von Aktivitäten der politisch en Bildung, die die Erziehung zur
    Mündigkeit unterstützen. Solche vom Bildungsministe rium unterstützten Projekte seien
    beispielsweise der Tag des politischen Gesprächs, d ie Juniorwahl, die
    Schülerkongresse gegen Rechtsextremismus, die Proje kttage des Netzwerks für
    Demokratie und Courage oder Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage. Diese
    Projekte würden die Schülerinnen und Schüler für po litische Themen sensibilisieren und
    ihre Urteilskompetenz fördern.
    Nach den vom Ministerium getroffenen Feststellungen werden zurzeit sowohl der
    Lehrplan Sozialkunde für die Sekundarstufe I als au ch die Lehrpläne der anderen
    gesellschaftswissenschaftlichen Fächer, Geschichte und Erdkunde, überarbeitet. Da die
    Wirklichkeit der menschlichen Lebensverhältnisse ge meinsamer Gegenstand der drei
    Fächer ist, sollen diese stärker vernetzt werden un d fächerübergreifende Angebote
    machen. Die gemeinsame Zielsetzung lasse sich mit d em Begriff Demokratiefähigkeit
    kennzeichnen. Die Schülerinnen und Schüler sollen v or dem Einstieg in den Beruf oder
    in die Sekundarstufe II über grundlegende historisc he, geographische und politische
    Sachkompetenz verfügen, um sich mit Strukturen poli tischer Ordnungssysteme und
    verschiedener Bezugsräume auseinandersetzen zu könn en. Dabei werde in allen drei
    Einzelfächern ein Fokus auf die Demokratieerziehung gelegt. Insofern sollte nicht alleine
    das Fach Sozialkunde in den Blick genommen werden, sondern die
    gesellschaftswissenschaftlichen Fächer insgesamt. F ür diese Fächer seien in der
    Sekundarstufe I in der Realschule plus, der Integri erten Gesamtschule und im
    Gymnasium jeweils 19 Stunden vorgesehen. Lehrkräfte aller drei
    gesellschaftswissenschaftlichen Fächer würden einen Beitrag zur politischen Bildung
    leisten. Hinsichtlich der Oberstufe stellt das Mini sterium fest, dass seit der neuen KMK-
    Regelung zur Gestaltung der gymnasialen Oberstufe i n der Sekundarstufe II, die im
    Schuljahr 2011/2012 umgesetzt worden ist, sich in R heinland-Pfalz mehrere
    Möglichkeiten der Belegung im gesellschaftswissensc haftlichen Aufgabenfeld (bisher
    Gemeinschaftskunde) ergeben: zwei Grundfächer (Gesc hichte und
    Sozialkunde/Erdkunde), jeweils zweistündig bzw. ein Leistungsfach (Geschichte oder
    Erdkunde oder Sozialkunde) vierstündig und ein Grun dfach zweistündig. Damit sei das
    gesellschaftswissenschaftliche Aufgabenfeld gestärk t, weil künftig zwei Fächer aus
    diesem Aufgabenfeld belegt werden müssen.
    Hinsichtlich der MSS stellt das Ministerium fest, d ass sich die Stundenzahl im Vergleich
    zu den Jahren vor der Reform von 2011 nicht verände rt hat. Im Leistungsfach würden
    sechs Stunden beibehalten, im Grundfach vier. Eine Erhöhung der Stundenansätze
    würde zwangsläufig auch zu einer Erhöhung der Gesam tstundenzahl von 32 Stunden
    pro Woche führen. Dies hält das Ministerium für nic ht vertretbar. Der Umstand, dass
    Geschichte nun in jedem Halbjahr verbindlich ist, s ei Folge der KMK-Regelung zur

    Gestaltung der gymnasialen Oberstufe. Wenn das Fach Erdkunde als Leistungsfach
    belegt wird, seien darin auch zentrale sozialkundli che Anteile enthalten. Dass keine zwei
    gesellschaftswissenschaftlichen Fächer als Leistung skurs gewählt werden dürfen, ist
    nach Auskunft des Ministeriums eine Fortführung des alten Systems, in dem dies
    ebenfalls nicht möglich gewesen sei. Nach Kenntniss tand des Ministeriums ist dies auch
    in keinem anderen Bundesland möglich.
    Eine Verschiebung von Stunden zwischen den drei ges ellschaftswissenschaftlichen
    Fächern ist nach Auskunft des Ministeriums zum jetz igen Zeitpunkt nicht vorgesehen, da
    - wie oben dargestellt - alle drei Fächer ihren je spezifischen Beitrag zu einer
    umfassenden politischen Bildung und der Hinführung zur Demokratiefähigkeit leisten.
    Dennoch werde bei einer künftigen Überarbeitung der Stundentafel die Möglichkeit einer
    Umverteilung zugunsten des Fachs Sozialkunde unter Berücksichtigung der
    bundesweiten Regelungen geprüft.
    Der Petitionsausschuss des Landtags Rheinland-Pfalz hat in seiner nicht-öffentlichen
    Sitzung am 30.09.2014 festgestellt, dass dem in der Eingabe vorgebrachten
    Anliegen insoweit entsprochen werden konnte, als da ss bei einer künftigen
    Überarbeitung der Stundentafel die Möglichkeit eine r Umverteilung zugunsten des
    Fachs Sozialkunde unter Berücksichtigung der bundes weiten Regelungen geprüft
    werden soll. Wegen des darüber hinausgehenden Anlie gens hat der
    Petitionsausschuss festgestellt, dass diesem nicht entsprochen werden kann.
    Insoweit wurde die Eingabe teilweise einvernehmlich abgeschlossen.Begründung (pdf)

Pro

Noch kein PRO Argument.

Contra

Noch kein CONTRA Argument.