Region: Potsdam
Construction

Bauspekulanten am Nuthewäldchen auflaufen lassen

Petition is directed to
Stadtverwaltung
1.322 Supporters 1.116 in Potsdam
Collection finished
  1. Launched February 2021
  2. Collection finished
  3. Filed on 03 Jun 2021
  4. Dialog with recipient
  5. Decision

Potsdam hat 2019 den Klimanotstand ausgerufen. Im Hinblick auf die massive Bodenversiegelung und Grünflächenzerstörung in Potsdam, sollte die oberste Priorität bei der nachhaltigen Gestaltung von Gebäuden und Flächen liegen. Im Potsdamer Stadtteil Zentrum-Ost wird trotzdem das 1,8 Hektar große Waldstück „Nuthewäldchen“, Teil einer alten Auenlandschaft, gerodet, um Wohnhäuser zu errichten.

Wir lehnen das Vorgehen des Investors (BMP Immobilienentwicklung Berlin GmbH) ab.

Noch vor erteilter Baugenehmigung und noch Monate vor Abschluss der Eingabenprüfung, wird das Nuthewäldchen rücksichtslos gerodet. Die Investoren möchten kurz vor der anstehenden Brutzeit unumkehrbare Tatsachen schaffen und Ihre Renditeträume möglichst schnell erfüllen. Dabei verkennen sie, dass hinsichtlich des drohenden Klimakollaps mit dem jetzt schon ein unwiederbringliches Artensterben einhergeht, etablierte Waldgebiete dringend zu erhalten sind. Abgesehen vom ökologischen Aspekt ist das in dem inzwischen so hochgradig verdichteten Stadtteil Zentrum Ost auch eine Frage der Lebensqualität. Soziale Aspekte, Bürgerbeteiligung und Nachhaltigkeit fallen zugunsten höherer Renditen unter den Tisch.

Bisher hatten die Stadtverordneten zum Bebauungsplan noch Entscheidungsspielräume. Die entscheidenden Argumente gegen das Bauvorhaben - Stadtökologie und Bürgerbeteiligung - wurden durch die vorschnelle Rodung ad absurdum geführt. Denn es ist sehr unwahrscheinlich, dass eine gerodete Waldfläche nicht bebaut wird. Mit der gerodeten Fläche wird, aus Sicht des Investors, die Zustimmung der Abgeordneten zum Bauvorhaben zu einer Formalie degradiert und die Bebauung des Grundstücks damit gesichert.

Mit dieser Petition möchten wir eine Ausgangssituation herbeiführen, die es den Stadtverordneten ermöglicht, Ihre politischen Spielräume zu erweitern.

Wir fordern die Stadtverordneten daher auf:

Lehnen Sie das Baugenehmigungsverfahren „Am Humboldtring 145“ (BB 145) ab und bringen Sie die Stadt damit in eine bessere Verhandlungsposition zu Gunsten von Stadtökologie und Bürgerinteressen!

Durch diese Ablehnung stellen Sie als Stadtverordnete klar, dass sich demokratische Prozesse nicht durch skrupelloses Investorenhandeln kapern lassen.

Mit einem fast vollständig gerodeten Stadtwald, den bis dahin getätigten Investitionen inkl. den hinterlegten Bürgschaften, wird es für den Investor immer verlustreicher, sich aus dem begonnenen Bauvorhaben zurückzuziehen. Es ist deshalb strategisch klug, durch eine Ablehnung Zeit zu gewinnen und maximale Forderungen an die Bebauung zu knüpfen. Diese Forderungen sind vorrangig:

  • Umsetzung eines ambitionierten Baustandards (z.B. DGNB Platin, BNB) für die Gebäude und Außenanlagen (und damit geringstmögliche Flächenversiegelung, höchste Wasserrückhaltung, geringstmögliche negative Umweltauswirkungen).
  • Transparente Weiterentwicklung des Stadtentwicklungsprozesses für Zentrum-Ost unter Berücksichtigung der AnwohnerInneninteressen und der Expertise zivilgesellschaftlicher Verbände und Vereine (Schaffung alternativer Naherholungsgebiete, Berücksichtigung der Mobilitätsanforderungen durch integrierte Parkraumkonzepte und kleinräumier Radverkehrsplanung).
  • Transparente Abschätzung und Darstellung der Auswirkungen anhand geeigneter Kennzahlen (Lebenszyklusanalysen für Flächen und Gebäude, Mileuschutzanalyse für Zentrum-Ost, Offenlegung und Monitoring des Zustandes der Ersatzpflanzungen).
  • Schaffung geeigneter Lebensräume zur Wiederansiedlung der durch die Rodung verdrängten Tier- und Pflanzenarten.

Reason

Mit der Petition sprechen Sie sich gegen die üblichen Praktiken aus und unterstützen eine ökologische Stadtentwicklung mit hohen sozialen Standards und basisdemokratischer BürgerInnenbeteiligung. Mit dem Erfolg dieser Petition kann der weitere Umgang mit der Fläche des Nuthewäldchen noch im Sinne des Klimanotstands gestaltet werden. Es könnte sogar eine Wende in der bestehenden Stadtenwicklungspolitik einleiten.

Der Umgang mit dem Bauvorhaben Nuthewäldchen zeigt die aktuelle Situation in der Stadt auf. In der Stadt Potsdam wird Stadtentwicklung aktuell vorrangig im Sinne der Investoren gestaltet. Zivilgesellschaftliches Engagement und der Klimanotstand werden nicht ernst genommen. Mit öffentlichen Mitteln geförderte Sozialwohnungen werden nach wenigen Jahren wieder dem Markt übergeben. Es ist eine etablierte Geschäftsmethode, dass städtische Flächen gekauft, umgewandelt, schnell bebaut und ggf. auch weiterverkauft werden. Dadurch entstehen unumkehrbare Sachlagen, die ökologisch und gesellschaftlich nicht tragbar sind.

Beispielhaft für solche unumkehrbaren Entscheidungen sind die geplanten Rodungsarbeiten des Waldes Horstweg/Schlatzweg (BB 2), des Waldes in Waldstadt Süd (BB 142), des Nuthewäldchens in Zentrum Ost (BB 145), der Abriss der Fachhochschule am Alten Markt, der geplante Abriss des Terrassenhauses in der Nutheschlange und des Wohnblocks Staudenhof am Alten Markt, der Bau des überdimensionalen ILB-Gebäudes am Hauptbahnhof, die gigantischen Neubauten am Leipziger Dreieck, der geplante Bau des High-Tech-Zentrums (RAW) am Potsdamer Hauptbahnhof, die neu errichteten Verwaltungs- und Büroeinheiten in der Babelsberger Straße am Hauptbahnhof, der Abriss der Sportvereinsunterkunft und der geplante Abriss des Strandbades Babelsberg für die Verlegung eines Weges.

Thank you for your support, Initiative Nutheschlange from Potsdam
Question to the initiator

News

  • Liebe Unterstützer:innen,

    gestern wurde der Bauantrag zum Nuthewäldchen (Bauvorhaben 145 "Am Humboldtring") in der Stadtverordnetenversammlung behandelt. Wir erhielten sehr spontan die Möglichkeit, die Unterschriften der Petition zu übergeben und haben diese Option wahrgenommen.
    Leider wurde dem Antrag trotz der offensichtlichen Bedenken und der großen öffentlichen Ablehnung zugestimmt. Wieder einmal wurde damit ein Stück Grünfläche in Potsdam für Investoren freigegeben. Die Investoren können das Land nun ohne weitere Risiken bebauen und die Rendite einstreichen. Die indirekten Kosten tragen die AnwohnerInnen, z.B. durch den steigender Mietspiegel, fehlende Wohnungen mit Sozialbindung, weniger Naherholungsfläche, fehlenden Lärmschutz, geringere... further

  • Liebe Unterstützer:innen,

    morgen findet der Housing Action Day in vielen europäischen Städten statt und wir von der BI Nutheschlange, haben eine kurze Kundgebung zur Rodung des Nuthewäldchens und zum geplanten Abriss des Terrassenhauses für morgen (27.03.21) um 10 Uhr angemeldet. Wir freuen uns über kurzfristige Unterstützung. Wir solidarisieren uns damit auch mit allen anderen Initiativen und Gruppen, die sich in Potsdam an anderen Stellen für eine bessere Stadtpolitik engagieren.

    Unter dem Motto: "Potsdam für Menschen statt für Profite!" ist morgen um 15 Uhr zusätzlich eine Demonstration vom Freiland (Problempunkt RAW Gelände) zum ebenfalls abrissgefährdeten Staudenhof geplant. Weitere Informationen dazu gibt es auf der Seite: potsdam-stadtfueralle.de/.... further

  • Liebe Unterstützer*innen unserer Petition,

    vielen Dank für die Zeichnung der Petition. Leider wurde das Nuthewäldchen mittlerweile komplett gerodet. Das Holz wurde geschreddert und wird als Bioenergie in einem Berliner Kraftwerk verbrannt. Die Auswirkungen der Rodung sind in Zentrum-Ost direkt zu spüren: es sind weniger Vögel zu sehen und die Schnellstraße ist lauter und auch weiter zu hören.

    Es hat sich das grundsätzliche Problem in Potsdam gezeigt: Die letzten Grünflächen werden an Investoren verkauft und dann mit Zweckbauten in Renditeobjekte umgewandelt. Bürgerinteressen werden nicht berücksichtigt. Als Konsequenz schwinden nicht nur ökologisch wichtige Lebensräume sondern auch das Vertrauen in die politischen Prozesse.

    Vor diesem Hintergrund... further

Wenn dort ohne Genehmigung gefällt wird, gibt es doch sicher eine Möglichkeit, das durch ein Bußgeld oder ähnliches zu ahnden?

No CONTRA argument yet.

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