Neuigkeiten
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Petition wurde nicht eingereicht
am 10.09.2020Liebe Unterstützende,
der Petent oder die Petentin hat innerhalb der letzten 12 Monate nach Ende der Unterschriftensammlung keine Neuigkeiten erstellt und den Status nicht geändert. openPetition geht davon aus, dass die Petition nicht eingereicht oder übergeben wurde.
Wir bedanken uns herzlich für Ihr Engagement und die Unterstützung,
Ihr openPetition-Team -
Bildungsgerechtigkeit durch Elternarbeit
am 05.04.2019Anders als den Horten räumt das Grundgesetz Schulen über Art. 7 GG kein „nachrangiges“, sondern ein „eigenes“ Erziehungsrecht ein [1]. Das hat Auswirkungen auf die Partizipation von Eltern am Bildungsprozess ihrer Schulkinder. Elternbeteiligung ist in der Schule zwar durchaus über die Gremien (Klassenelternrat, Schulelternrat, Schulvorstand, Konferenzen) in niedersächsischem Schulgesetz [2] und Ganztagsschulerlass [3] rechtlich vorgesehen (in den Gremien sind sehr oft Väter, Migranten und bildungsferne Eltern unterrepräsentiert und auch der Kontakt der ElternvertreterInnen mit allen ihren Klasseneltern ist alles andere als gewährleistet). Rein rechtlich muss sich eine Grundschule aber über diese Gremien hinaus nicht weiter bemühen, die Eltern jedes einzelnen Kindes „mitzunehmen“, dabei ist die Bedeutung individueller Elternarbeit für wirksame Bildung längst belegt [4, 5, 6]. Idealerweise treten Eltern und Schule regelmäßig und anlassunabhängig miteinander in Kontakt und Kommunikation geschieht nicht problembezogen, sondern ist konstanter Bestandteil des Schullebens [7].
Das können Lehrkräfte nicht auch noch leisten? Deshalb braucht es zusätzliche Kräfte auch im Unterricht, die sowohl die Kinder als auch ihren familiären Alltag kennen. Nur mit diesem Wissen kann der Unterricht für jedes Kind so passgenau wie möglich gestaltet werden.
- [1] Erziehungspartnerschaft aus rechtlicher und ethischer Sicht: www.nifbe.de/component/themensammlung?view=item&id=832:erziehungspartnerschaft-aus-rechtlicher-und-ethischer-sicht&catid=58
- [2] schure.de / Schulgesetz §96
- [3] www.mk.niedersachsen.de/startseite/schule/unsere_schulen/ganztagsschulen/aktuelle_informationen_zur_ganztagsschule/erlassentwurf-die-arbeit-in-der-ganztagsschule-121517.html
- [4] Prof. Dr. Werner Sacher: „Erziehungspartnerschaft mit Eltern: Grundlagen erfolgreicher Elternarbeit“, Vortrag am 03. 06. 2013 bei der Behörde für Schule und Berufsbildung der Hansestadt Hamburg li.hamburg.de/contentblob/3998828/a31d59f575f785dd235608c52b889c8f/data/download-pdf-vortrag-prof-sacher-2013-06-03.pdf
- [5] www.zwd.info/deutsche-jugendliche-glauben-nicht-an-aufstieg-durch-bildung-1.html
- [6] von wegen belegt! Professorin Tanja Betz mahnt mehr Forschung und Fakten über Elternpartnerschaft an: www.bertelsmann-stiftung.de/fileadmin/files/BSt/Publikationen/GrauePublikationen/Studie_WB__Bildungs-_und_Erziehungspartnerschaft_2015.pdf
Professor Sacher bekräftigt als Antwort auf Betz‘ Kritik die Bedeutung von Elternarbeit und antwortet unter anderem, es sei „vollkommen legitim und sogar unverzichtbar, dass kreative Praktiker den Umkreis des Beforschten überschreiten und auch mit ihren eigenen Erfahrungen und plausiblen Vermutungen arbeiten“:
www.bartscher.info/app/download/9931148/Sacher+-+Bartscher+-+BEP-Diskussion+Beitrag+2018.pdf
- [7] www.eltern-und-schulen.de/sites/eltern-und-schulen/files/inline-attachments/Eltern%20als%20Bildungsbegleiter_WEB.pdf
li.hamburg.de/contentblob/3998828/a31d59f575f785dd235608c52b889c8f/data/download-pdf-vortrag-prof-sacher-2013-06-03.pdf -
Bildungsgerechtigkeit heißt, dass alle Kinder auch in ihren Stärken erkannt werden. Dazu braucht es Beziehung. Ganztagsgrundschulen arbeiten überwiegend mit Lehrkräften und pädagogischen MitarbeiterInnen, die in Teilzeit oder stundenweise arbeiten, und noch dazu kaum Verfügungs- oder Vorbereitungszeit haben.
Würden die pädagogischen MitarbeiterInnen auch am Vormittag eingesetzt, könnten Lehrkräfte sich auf ihre Kernaufgaben konzentrieren und es könnten vollwertige, fest integrierte Anstellungen für die pädagogischen MitarbeiterInnen entstehen, die den Übergang von Vormittag zu Nachmittag sicherstellten.
Die Stadt Göttingen redet von Doppelstruktur und meint den zeitlichen Umfang der Betreuung. An die Qualität der Betreuung denkt sie dabei nicht. Dass die Horte in den letzten Jahrzehnten Bildungsgerechtigkeit vorgelebt haben, ließe sich jetzt nutzen. Stattdessen vernichtet die Stadt Göttingen Know-How und Best-Practice indem sie die Horte schließt. Statt Bildungsgerechtigkeit voranzutreiben, wird sie in Göttingen so ein Stück weit vernichtet.
In Berlin und Hamburg machen sich die Wohlfahrtsverbände und Jugendhilfeträger dafür stark, dass die Kinder in den Ganztagsgrundschulen, eine Betreuung bekommen, die denen in den Horten wenigstens nahe kommt [1]. In Göttingen haben die Kinder diese Lobby nicht. Die Eltern selbst müssen für Änderungen aufstehen. Zum Beispiel mit der Unterstützung dieser Petition.
[1] „Wir gehen auf Ganze“: wir-gehen-aufs-ganze.de/; Berliner Bündnis Qualität im Ganztag: www.qualitaet-im-ganztag.de/