Aufruf zu einem bundesweiten Memorandum für die Wiederherstellung einer sozialpädagogisch und ethisch orientierten Kinder- und Jugendhilfe

Wir sind in großer Sorge um die aktuelle bzw. künftige Entwicklung der Kinder- und Jugendhilfe in allen Fachbereichen. Deshalb rufen wir auf zu einem bundesweiten Memorandum Jugendhilfe. Die einstige Idee des Kinder- und Jugendhilfegesetzes, den Kindern, Jugendlichen und ihren Eltern sowie den jungen Erwachsenen auf der Basis eines Rechtsanspruches eine nachhaltige Unterstützung unter fachlich angemessenen und von Kontinuität getragenen Bedingungen zu gewährleisten, wird seit Jahren unter ökonomisierten Bedingungen mit betriebswirtschaftlichen Methoden unterminiert. Die Fortsetzung dieser Entwicklung ist für uns nicht zu verantworten. Wir sind nicht bereit, uns den Marktgesetzen willig und ohnmächtig zu beugen und dabei die Fachlichkeit, Ethik und die Verantwortung für Kinder, Jugendliche, junge Erwachsene und Familien sowie unser eigenes Wohlergehen über Bord zu werfen. Wir fordern eine Kinder- und Jugendhilfe, die der Parteilichkeit für die betroffenen und benachteiligten Kinder, Jugendlichen und ihre Familien und die jungen Volljährigen sowie der Ethik und Fachlichkeit der Soziale Arbeit verpflichtet ist. Das beinhaltet auch und unmissverständlich die uneingeschränkte Anwendung des SGB VIII für alle jungen Menschen in Deutschland – auch für geflüchtete Kinder und Jugendliche. Wir fordern mit diesem Memorandum dazu auf, die derzeitigen politischen Pläne und Entscheidungen infrage zu stellen. Welche Kinder- und Jugendhilfe wird hier eigentlich angestrebt? Geht es noch um die Unterstützung und Gewährung der rechtlichen Vorgaben die im KJHG verankert sind oder nur noch darum, den Haushalt möglichst nicht zu belasten? Geht es um die Entwicklung und Entfaltung der Persönlichkeiten oder nur noch darum, dass die Jugend als nützliches und leistungsorientiertes Humankapital zur Sicherung des Wirtschaftsstandortes Deutschland eingesetzt werden kann?

Das Memorandum kann als Gesamttext hier eingesehen und auch heruntergeladen werden: memorandumjugendhilfe.files.wordpress.com/2015/09/2015_memorandum.pdf

Darin setzen wir uns ein für • die ethischen Grundlagen der Kinder- und Jugendhilfe gemäß SGB VIII, • die Wahrung der Rechte von Kindern, Jugendlichen, ihrer Eltern und jungen Erwachsenen bezüglich ihrer individuellen Ansprüche auf geeignete und notwendige Hilfe zur Erziehung, • die Schaffung von Bedingungen in der Arbeit, die eine nachhaltige Hilfe und eine verlässliche sozialpädagogische Beziehungsarbeit möglich machen, • eine fachlich angemessene Entlohnung und solide arbeitsvertragliche Grundlagen, • die Entlarvung der Legende von der sogenannten Schuldenbremse.

Wir verwahren uns gegen • fachliche Fremdbestimmung der Profession durch Betriebswirtschaft und Verwaltung, • Verhinderung Sozialer Arbeit durch Controlling, Management und Kostenregime, • Vermarktlichung und Deprofessionalisierung in der Kinder- und Jugendhilfe.

Deshalb: Wenn ihr dem Memorandum zustimmt, unterstützt den bundesweiten Aufruf und leitet ihn in eure Netzwerke weiter! Wir brauchen jede Stimme! Wir können nur gemeinsam etwas erreichen und wirksamen Gegendruck ausüben.

Unterzeichnen könnt ihr die Petition im Netz unter: www.memorandumjugendhilfe.de (Menüpunkt „Unterschreiben“ ) oder www.openpetition.de/petition/online/bundesweites-memorandum-jugendhilfe.de

Begründung

Das Bündnis Kinder- und Jugendhilfe – für Professionalität und Parteilichkeit kann und will die jetzige Situation nicht länger akzeptieren, nicht für die Menschen, die auf unsere Unterstützung und Begleitung setzen, und auch nicht für uns als Fachkräfte, die sich unter oft prekären Arbeitsbedingungen verausgaben. Wir haben seit Jahren aktiv die politischen Prozesse zur Kinder- und Jugendhilfe kritisch verfolgt und begleitet. Wenn wir uns zu Wort gemeldet haben, führten die verantwortlichen Politikerinnen zuweilen Gespräche mit uns, zeigten Verständnis - aber die Neoliberalisierung der Jugendhilfe treiben sie dennoch ohne Wenn und Aber voran. Nun steht eine umfassende Gesetzesnovellierung des SGB VIII/KJHG an, der wir mit erheblicher Sorge entgegensehen. Wir sind uns darüber im Klaren, dass die Jugendhilfe derzeit durch die aktuellen zusätzlichen Aufgaben und Belastungen, die die massenhafte Einreise vieler Menschen mit sich bringt, massiv unter Druck steht. Die Lage der unbegleiteten, häufig traumatisierten Minderjährigen erfordert eine angemessene und wie im Gesetz vorgeschriebene Versorgung und Betreuung. Um diese Aufgabe bewältigen zu können, muss die gleiche Rechtsanwendung für alle Kinder und Jugendlichen in Deutschland erfolgen. Dafür ist zusätzliches Geld in erforderlichem Maße zur Verfügung zu stellen. Aktuell ist zu befürchten, dass die erforderlichen Mittel für die verpflichtende Versorgung unbegleiteter minderjähriger Flüchtlinge aus den bereits jetzt sehr knappen Ressourcen der Kinder- und Jugendhilfe abgezweigt werden. Wir halten es gerade jetzt für wichtig, deutlich zu machen, dass die Kinder- und Jugendhilfe seit Jahren defizitär ausgestattet ist. Wir fordern deshalb: eine qualitativ und quantitativ besser ausgestattete Kinder- und Jugendhilfe und eine hinreichende Ausfinanzierung der erforderlichen sozialpädagogischen Arbeit mit den unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen.

Ziele der Petition: Die Unterschriften unter diese Petition sollen zum einen dazu dienen, der Bundesregierung deutlich zu machen, dass diese Politik von der Profession nicht akzeptiert wird. Darüber hinaus und in allererster Linie soll dieser Aufruf allen, die mit der heutigen Entwicklung in der Kinder- und Jugendhilfe nicht einverstanden sind, eine Möglichkeit geben, gemeinsam ihren Protest deutlich zu machen.Es stärkt jede(n) Einzelne(n) von uns, zu wissen, dass sie oder er mit der Kritik nicht alleine steht. Auf der Basis des Memorandums soll eine breitere Diskussion über Lage und Veränderungsstrategien angestoßen werden. Mit Ablauf der Petitionsfrist werden wir eine neue, offene Diskussionsrunde zur Lage der Kinder- und Jugendhilfe einleiten. Ziel ist es, auf diese Weise möglichst viele KollegInnen aus Wissenschaft und Praxis für eine Auseinandersetzung zu gewinnen und gemeinsam Wege und Ziele für eine Kinder- und Jugendhilfe zu entwickeln. Auf dieser Grundlage haben wir vor, Ende 2016 eine Tagung zur aktuellen Kinder- und Jugendhilfe auszurichten und laden alle Interessenten ein, daran ab März 2016 mitzuwirken. Email Adresse: info@memorandumjugendhilfe.de –Stichwort: Tagung unterstützen

Vielen Dank für Ihre Unterstützung, Florian Bode Bündnis Jugendhilfe aus Wentorf
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Neuigkeiten

  • Liebe Unterstützende,
    der Petent oder die Petentin hat innerhalb der letzten 24 Monate nach dem Einreichen der Petition keine Neuigkeiten erstellt und den Status nicht geändert. openPetition davon aus, dass die Bearbeitungsfrist des zuständigen Ausschusses bzw. des Empfängers abgelaufen ist.

    Wir bedanken uns herzlich für Ihr Engagement und die Unterstützung,
    Ihr openPetition-Team

  • Liebe Freunde einer professionellen und menschenwürdigen Kinder- und Jugendhilfe,
    Hiermit geben wir Ihnen unsere Stellungnahme zum aktuellen Entwurf (23.8.2016) für eine Novellierung des SGB VIII zur Kenntnis.
    Wir freuen uns, dass es zu diesen hochproblematischen Plänen eine Reihe kritischer Stellungnahmen gibt. (Auf unserer Bündnisseite sind die Entwurfstexte und sämtliche Stellungnahmen aufgeführt: buendnis-jugendhilfe.de/)
    Die Stellungnahmen sind allerdings nicht etwa alle grundsätzlich ablehnend. Es geht zum Teil bei der kritischen Auseinandersetzung den Autoren nur um Einzelaspekte und um konkreten Interessen der Stellungnehmenden -aber kaum um die Inhalte der Kinder- und Jugendhilfe. Außerdem gibt es Stimmen, die aus Angst vor erhöhten Kosten, die Vorlage noch immer als zu großzügig bewerten und weitere Einschränkungen fordern.
    Einen Aufschrei der Praxis – unseres Erachtens mehr als angebracht – ist bisher nicht zu vernehmen.
    Die politisch Verantwortlichen haben ihre Strategie der mangelnden Transparenz inzwischen zum Teil aufgegeben und scheinen nun mehr eine offenere Diskussion anzustreben. Ob kritische Stimmen dabei zu Worte kommen, ist noch nicht abzusehen.
    Deshalb halten wir es für wichtig, dass weiterhin möglichst viele Stellungnahmen erfolgen.
    Uns ist nicht bekannt, ob es irgendeine Initiative gibt, die die kritischen Kräfte bündeln und eine zentrale Protestaktion organisieren könnte. Wer davon weiß: bitte informieren Sie uns alle!
    Bitte geben Sie die vorliegende Stellungnahme des Bündnisses Kinder- und Jugendhilfe – für Professionalität und Parteilichkeit in ihren Netzen weiter!
    Mit solidarischen Grüßen!
    Bündnis Kinder- und Jugendhilfe – für Professionalität und Parteilichkeit
    i.A. Prof. Dr. Mechthild Seithe

  • Liebe PetentInnen,
    wir, das Bündnis Kinder- und Jugendhilfe - für Professionalität und Parteilichkeit haben die Unterschriftenliste mit euren/Ihren Unterschriften an die Adressatin, Frau Ministerin Schwesig weitergeleitet.
    Am 2.6. findet in Dresden die nächste Jugendministerkonferenz statt.
    Wie jedes Mal haben wir auch in diesem Jahr der Konferenz unsere Position übergeben. Das war uns ganz besonders wichtig, weil im Anschluss an diese Konferenz der lang erwartete und bisher mehr oder weniger geheim gehaltene Referentenentwurf für eine Novellierung des SGB VIII vorgestellt werden wird.
    In unserem Offenen Brief an die Jugend- und Familienministerkonferenz in Dresden am 2.6.2016.
    haben wir deshalb zu folgenden Punkten Stellung genommen:
    • Kinder- und Jugendhilfe in neoliberaler Zeiten
    • Stellungnahme zu den bisher bekannt gewordenen Plänen der Bundesregierung für eine Novellierung des SGB VIII
    • Unsere Vorstellungen von einer wieder ausschließlich den Menschen zugewandten Kinder und Jugendhilfe
    Den Offenen Brief könnt Ihr/können Sie nachlesen unter www. buendnis-jugendhilfe.de/

Pro

Für eine starke und nachhaltige Kinder- und Jugendhilfe! Schluss mit Scheinangeboten und Schönfärbereien! Wir müssen eine Bestandsaufnahme darüber, wo es in der Jugendhilfe klemmt, zusammentragen und offen diskutieren. Der sich daraus ergebende tatsächliche und aktuelle Bedarf, für eine sinnvolle und nachhaltige Unterstützung für Eltern, Kinder und Jugendliche (Flüchtlinge eingeschlossen!), muss unverzüglich umgesetzt werden. Wir haben Antworten und sind nicht mehr bereit uns durch die im Sozialen herbeigeführte Finanznot spalten, hinhalten und unsere Arbeit konterkarieren zu lassen.

Contra

Petitionen landen bei der Politik, wenn sie nicht erwünscht sind, wie wir alle wissen im Papierkorb, . Ist das nicht einfach nur Beschäftigungstherapie und Selbstbetrug? Und ist es nicht ziemlich naiv, zu erwarten, dass die PolitikerInnen ihre gezielten Absichten und ihren Kurs - was z.B. das KJHG betrifft - ändern, wenn sie sich darauf einlassen würden, mal inne zu halten und nachzudenken? Wenn wir sie schön bitten, werden sie sich alles noch mal überlegen? Wie naiv darf man eigentlich sein? Mit solchen Aktionen werden die wenigen Widerstandskräfte in unserer Profession abgelenkt.