Petition richtet sich an:
Deutscher Bundestag Petitionsausschuss
Einleitung und Problemstellung
Patientinnen und Patienten sowie deren Angehörige erleben im Rahmen einer antipsychotischen Medikation häufig ein eklatantes Ungleichgewicht in der Entscheidungsfindung. Bedenken hinsichtlich schwerwiegender Nebenwirkungen finden in der Behandlungspraxis oft zu wenig Gehör, was von Betroffenen als eine Form der Stigmatisierung und Ausgrenzung wahrgenommen wird. Um die Lebensqualität, Selbstbestimmung und körperliche Gesundheit der Betroffenen zu schützen, richten wir folgende zentralen Forderungen an die Bundesregierung und die zuständigen Akteure im Gesundheitswesen.
Forderungen der Petition
1. Neubewertung und Einschränkung von Antipsychotika der ersten Generation („Alte Neuroleptika“)
Problematik: Erfahrungsberichte von Betroffenen zeigen, dass Neuroleptika der ersten Generation häufig ein ungünstiges Nutzen-Risiko-Verhältnis aufweisen.
Endokrine Nebenwirkungen: Insbesondere die ausgeprägte Hyperprolaktinämie (krankhafte Erhöhung des Prolaktinspiegels) führt zu erheblichen gesundheitlichen Beeinträchtigungen wie hormonellen Disbalanzen, Libidoverlust, Knochendichteverlust und psychischer Belastung.
Forderung: Verordnungsstandards sind kritisch zu überprüfen und veraltete Wirkstoffe mit hohem Nebenwirkungsprofil zugunsten verträglicherer Alternativen schrittweise aus der Regelversorgung zurückzudrängen.
2. Kritische Überprüfung und Reduktion von Depot-Formulierungen (Spritzen)
Pharmakokinetische Bedenken: Bei der parenteralen Verabreichung entfällt der First-Pass-Effekt der Leber. Die direkte Aufnahme in den Blutkreislauf kann zu veränderten Wirk- und Nebenwirkungsprofilen führen im Vergleich zur oralen Einnahme.
Absetzproblematik und Gewöhnung: Die kontinuierliche Wirkstoffabgabe erschwert Dosisanpassungen und schrittweise Absetzprozesse (Tapering) erheblich.
Forderung: Depot-Spritzen dürfen nicht als Standardlösung durchgesetzt werden. Der Fokus muss auf der freiwilligen, oralen Einnahme liegen, bei der Patientinnen und Patienten die volle Kontrolle über ihre Therapie behalten.
3. Erforschung und Förderung moderner Antipsychotika
Forderung: Gezielte staatliche Förderung und bevorzugter Einsatz neuartiger Antipsychotika (z. B. atypische Neuroleptika der jüngeren Generation), die ein verbessertes Nebenwirkungsprofil aufweisen und das Risiko für motorische sowie metabolische Folgeschäden minimieren.
4. Integration und Validierung pflanzlicher Alternativen
Forderung: Intensivierung der Forschung an phytotherapeutischen und beruhigenden Wirkstoffen. Pflanzliche Alternativen und begleitende Therapien müssen als ergänzende Option anerkannt und gefördert werden, um die medikamentöse Belastung wo möglich zu reduzieren.
5. Erstattung von Medikamenten zur Gewichtskontrolle bei antipsychotika-bedingter Gewichtszunahme
Metabolische Belastung: Eine der belastendsten Nebenwirkungen moderner wie klassischer Antipsychotika ist eine massive, oft unverschuldete Gewichtszunahme. Dies führt zu psychischem Unwohlsein, sozialem Rückzug sowie Folgeerkrankungen wie Diabetes mellitus und Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
Forderung: Sofern neuartige Medikamente zur Gewichtsreduktion (z. B. GLP-1-Rezeptor-Agonisten) als sicher und wirksam eingestuft sind, muss deren Kostenübernahme für Menschen unter Neuroleptikatherapie uneingeschränkt und unbürokratisch ermöglicht werden.
Quellen und Evidenzgrundlage
- Subjektive Evidenz: Befragungen und Erfahrungsberichte von Patientinnen, Patienten und Angehörigen.
- Endokrinologische Grundlagen: DocCheck Flexikon – Prolaktin (Auswirkungen von Dopaminantagonisten auf die Hypophyse und den Prolaktinspiegel).
- Pharmakologische Grundlagen: Geisslinger et al.: Mutschler Arzneimittelwirkungen – Lehrbuch der Pharmakologie und Toxikologie (Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft Stuttgart): Kapitel 1.1: Pharmakokinetik – Resorption und Applikationsformen; Kapitel 1.3: Biotransformation und Presystemischer Metabolismus (First-Pass-Effekt).
Da im KH tätig.