Die Unterzeichner dieser Petition ersuchen den FWF im Sinne der Qualitätssicherung der österreichischen Forschung und der Aufwertung des Forschungsstandortes, auch Deutsch wieder als Antragssprache zuzulassen.

Begründung

Der „Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung“ ist die wichtigste österreichische Einrichtung für Wissenschaftsförderung, ohne den wissenschaftliche Forschung in Österreich nur in wesentlich geringerem Umfang möglich wäre. Vor allem für die Geisteswissenschaften ist der FWF unverzichtbar, weil es kaum private Stiftungen gibt, die diesem Wissenschaftszweig finanzielle Unterstützung leisten. Durch seine Politik und die ausgeklügelten Auswahlverfahren ist es ihm bisher in hervorragender Weise gelungen, die hohe Qualität der österreichischen Forschung zu sichern. Nun ist jedoch vor einigen Jahren Englisch als die verpflichtende Sprache der Antragstellung festgesetzt worden, was den Kreis der möglichen Gutachter vergrößert, gleichzeitig aber das Niveau der Begutachtung gefährden kann.

Die Bevorzugung der englischen Sprache ist in den Naturwissenschaften sicherlich sinnvoll, weil der Austausch in ihnen (fast) ausschließlich in englischer Sprache stattfindet. Das gilt jedoch keineswegs für die Geisteswissenschaften. Für Fächer wie die Altertumswissenschaften, die Geschichte, die Philosophie, die Kunstgeschichte, die modernen Philologien und viele mehr findet der wissenschaftliche Austausch mindestens in englischer, deutscher, französischer und italienischer Sprache statt, weshalb die (zumindest passive) Kenntnis mehrerer Sprachen erforderlich ist.

Darüber hinaus ist in diesen Disziplinen keine Spitzenforschung möglich, ohne die teils mehr als 100 Jahre alte und in großen Teilen immer noch gültige Forschungsliteratur in diesen Sprachen verstehen zu können. Die großen amerikanischen Universitäten verlangen daher nicht umsonst von ihren Studenten der entsprechenden Fächer das Erlernen zumindest einer der genannten Sprachen. Ein wichtiges amerikanisches Rezensionsorgan („Bryn Mawr Classical Review“: bmcr.brynmawr.edu/) ist vor einigen Jahren aus diesem Grund sogar dazu übergegangen, auch deutsche, französische und italienische Rezensionen zu erlauben, und hat zu diesem Zweck ein internationales „editorial board“ geschaffen. Denn im Gegensatz zu der oft auf spezifisches Fachvokabular aufbauenden Ausdrucksweise der Naturwissenschaftler weisen die in den Geisteswissenschaften benutzten Sprachen nicht nur unterschiedliche Nuancierungen in Ausdruck und Semantik auf, sondern die Denk- und Argumentationsweise wird durch die unterschiedlichen Sprachen und Kulturen ganz wesentlich beeinflußt.

Das Hauptargument für die verpflichtende Einführung des Englischen als Antragssprache – daß man keine ausreichend große Anzahl an Gutachtern fände, wenn die Anträge in Deutsch verfasst würden – greift daher nicht. Denn wer die unabdingbare deutsche Fachliteratur lesen kann, ist auch in der Lage, einen deutschen Antrag, dem u.a. diese Fachliteratur zugrunde liegt, zu lesen, zu verstehen und zu beurteilen. Umgekehrt wird niemand in der Lage sein, einen Antrag kompetent zu beurteilen, ohne die deutsche, französische und italienische Fachliteratur zu kennen, auch wenn der Antrag auf Englisch geschrieben ist. Wie aber soll ein Gutachter, der selbst nicht über die notwendige Qualifikation verfügt, die Qualität eines Projektantrags begutachten und damit die Qualität der österreichischen Wissenschaft sichern können?

Aus diesem Grund ersuchen die Unterzeichner dieser Petition den FWF, die angesprochene Regelung dahingehend zu ändern, daß auch Deutsch wieder als Antragssprache zugelassen wird – im Sinne der Qualitätssicherung der österreichischen Forschung und der Aufwertung des Forschungsstandortes!

Vielen Dank für Ihre Unterstützung, Thomas Corsten aus Wien
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Neuigkeiten

  • Liebe Unterstützende,
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    Wir bedanken uns herzlich für Ihr Engagement und die Unterstützung,
    Ihr openPetition-Team

  • Inzwischen haben wir ermutigende Unterstützung aus den USA erhalten. Weil aber z. Zt. allerorten die gewohnte Sommerlähmung ausbricht, werden wir erst im Herbst weitere Schritte unternehmen können.

  • Da der FWF sich zur Zeit in der Phase eines Interregnum befindet, können leider keine direkten Aktionen in Zusammenhang mit unserer Petition erfolgen. Im Frühjahr soll ein neues Präsidium gewählt werden, und bis dahin sind weitere Maßnahmen in Vorbereitung.

    Übrigens konnte ich mich neulich auf einem Kongress in Berkeley davon überzeugen, das die anglomanischen Vorstellungen des FWF bei den dortigen (amerikanischen!!) Kollegen Gefühle hervorrufen, die zwischen Erstaunen und Entsetzen angesiedelt sind. Denn jeder, der Ahnung hat, weiss, dass deutschsprachige Forschung überall in hohem Kurs steht - nur der FWF meint, die "Sichtbarkeit" der österreichischen Forschung erhöhen zu müssen. Wenn man einen Vergleich heranziehen will: Jeder weiß, dass Wasser nass ist; dennoch meint der FWF, dem Wasser vorschreiben zu müssen, nass zu sein ...

    In demselben Sinne hat der FWF im letzten Frühjahr etwaigen Antragstellern vorgeschrieben, dass "in den Geisteswissenschaften ... die Mehrzahl der Publikationen über den deutschsprachigen Raum hinausgehen und ausserhalb von Österreich publiziert sein" sollen; "Ausnahmen davon müssen begründet werden"!! Da erübrigt sich jeder Kommentar.

Pro

Requiring English submissions for state-funded research in a German-writing country is more than strange but the argumentation of the text accompanying the petition appears to justify the use of a single language in the humanities when it claims that our mentality and even our argumentation is fundamentally influenced by language. The validity of the Sapir-Whorf (and Humboldt) hypothesis is not universally recognized and is not self-evident (especially for children of immigrants).

Contra

The FWF has implemented an international peer-review system, which is good. A proposal in German will inhibit a international peer-review system as French, Italian, British, Japanese, American reviewers will not be able to judge the German proposals. Do you really want back the German-speaking "Old-Boys" networks, where the "peer"-review by your German and Swiss colleagues (friend or enemy) will always support the same people and block others? If you are against international peer-review, only then you may support this initiative that will push back Austria into a provincial state.