openPetition wird europäisch. Wenn Sie uns bei der Übersetzung der Plattform von Deutsch nach Deutsch helfen wollen, schreiben Sie uns.
close
Bild zur Petition mit dem Thema: Gegen die Ungleichbehandlung von behinderten Kindern in Einrichtungen Gegen die Ungleichbehandlung von behinderten Kindern in Einrichtungen
Erfolg
  • Von: Nicht öffentlich
  • An: Landtag von Baden-Württemberg
  • Region: Baden-Württemberg mehr
    Kategorie: Soziales mehr
  • Status: Der Petition wurde entsprochen
    Sprache: Deutsch
  • Erfolg
  • 1.405 Unterstützende
    Sammlung abgeschlossen

Gegen die Ungleichbehandlung von behinderten Kindern in Einrichtungen

-

Wir wenden uns als Angehörige von Kindern mit Behinderungen an Sie, weil unsere Kinder in Einrichtungen der Eingliederungshilfe von Ungleichbehandlung und Benachteiligung betroffen sind.

Dies äußert sich in • der Not der Betreuer, ihrer Aufsichtspflicht fachlich und menschlich nachzukommen; • der Vernachlässigung von Seele und Geist bei der Förderung unserer Kinder, da die kommunizierten Personalschlüssel nur eine Interpretation „sicher, sauber, satt“ zulässt; • einem unerträglichen Rechtfertigungszwang der Leistungserbringer bei den Finanzverhandlungen mit den Leistungsträgern.

Die Behörden, die die bedarfsgerechte Hilfe für unsere Kinder sicherstellen sollen, sind verantwortlich für eine signifikant geringere Personalausstattung bei der stationären Unterbringung behinderter Kinder im Vergleich zur stationären Unterbringung nicht behinderter Kinder. Behinderte Kinder und Jugendliche erhalten folglich eine messbar schlechtere Versorgung und Förderung als Kinder ohne Behinderung. Und dies obwohl sie aufgrund ihrer Behinderung einen besonderen Anspruch auf Förderung und Teilhabe haben.

Wir bitten Sie, darauf hinzuwirken, • dass es den Einrichtungen ermöglicht wird, zusätzliches Personal zur Deckung des individuellen Hilfebedarfs der untergebrachten Kinder und Jugendliche mit Behinderungen einzusetzen, • dass die Gruppengrößen und damit die Mindest-Personalmengen in der Eingliederungshilfe auf Wohngruppen für Kinder und Jugendliche in der Erziehungshilfe angeglichen wird, • dass der Hilfebedarf bei Kindern und Jugendlichen mit Behinderungen anhand eines Verfahrens ermittelt wird, in dem die spezifischen Bedürfnisse von Kindern und Jugendlichen mit Behinderungen Berücksichtigung finden.

Begründung:

Die staatliche Pflicht Kindern und Jugendliche mit Behinderungen diese Chance auf gleichberechtigte Teilhabe zu gewährleisten, sehen wir durch folgende Verfahren und Sachverhalte als verletzt an:

  1. Die KVJS-Regelungen zum Betriebserlaubnisverfahren: Der KVJS übt in Baden-Württemberg die Aufgabe der Heimaufsicht für Einrichtungen aus, in denen Kinder und Jugendlichen stationär untergebracht sind – egal ob mit oder ohne Behinderungen. Der KVJS muss mit seinen Vorgaben sicherstellen, dass das Wohl der Kinder und Jugendlichen in den Einrichtungen gleichermaßen gewährleistet wird. Der KVJS nimmt bei Wohngruppen der Eingliederungshilfe eine Standardgruppengröße von 12 Kindern an. In Wohngruppen der Erziehungshilfe wird dagegen von einer Standardgruppengröße von 8 Kindern ausgegangen. In der Eingliederungshilfe ist die Mindestpersonalausstattung der 12er-Gruppe mit 3,6 Fachkräften festgelegt, in der Erziehungshilfe werden als Mindestausstattung der 8er-Gruppen 3,6 bis 4,1 Fachkräfte eingesetzt. Im Ergebnis führt das zu einer deutlich schlechteren Betreuung und Förderung von Kindern und Jugendlichen mit Behinderungen, obwohl diese aufgrund ihrer Behinderungen erhebliche Förderbedarfe haben.

Trotz vieler Nachfragen haben wir auf die Frage nach der Berechtigung dieser Festlegung bis heute keine Auskunft erhalten.

  1. Einsatz des Personals: Das Personal muss in der Eingliederungshilfe für den allgemeinen Gruppenbetrieb zur Verfügung stehen, die Aufsicht sicherstellen und gemeinschaftliche Aktivitäten durchführen. Angesichts der Personalschlüssel kann das Personal auch nicht mehr leisten als diese Grundversorgung sicherzustellen. Der individuelle Hilfebedarf des einzelnen Kindes, wie er vom Hilfebedarfs-Erhebungsbogen erfasst wird, kann folglich gar nicht gedeckt werden, denn in den Entgelten für die Mindest-Personalausstattung ist kein zusätzlicher Betrag für die individuelle Förderung vorgesehen. In der Erziehungshilfe wird dagegen zwischen Regelleistungen der Gruppe und individuellen Zusatzleistungen unterschieden und für beides werden Entgeltbestandteile zur Verfügung gestellt.

Bis heute konnte uns keine befriedigende Erklärung dafür geliefert werden, wie festgestellte Hilfebedarfe mit den unzureichenden Personalschlüsseln gedeckt werden sollen.

  1. Hilfebedarfsfeststellung: Für die Hilfebedarfsermittlung bei Kindern mit Behinderungen wird dasselbe Verfahren angewendet, wie für erwachsene Menschen mit Behinderungen. Eine Berücksichtigung der spezifischen Rechte von Kindern und Jugendlichen auf Erziehung, Förderung, Beteiligung usw. erfolgt nicht, ein Zeitbudget für Elternarbeit ist nicht vorgesehen. Im Gegensatz hierzu wird in der Erziehungshilfe der Förderbedarf individuell am Bedarf des Kindes ausgerichtet. Für die dort ermittelten Hilfebedarfe werden bedarfsdeckende Leistungen in Form von zusätzlichem Personal vorgehalten.

Bis heute haben wir keine befriedigende Antwort auf die Frage erhalten, warum Kinder und Jugendliche mit Behinderungen eine weniger individualisierte Hilfe erhalten.

Aus diesen behördlich festgelegten Verfahrensweisen und Sachverhalten leiten wir die Schlussfolgerung ab, dass unsere Kinder nicht zuerst als Kinder, sondern zuerst als behindert angesehen werden. Dies widerspricht den Menschenrechten, dem Grundgesetz, der Kinderrechtskonvention und der Behindertenrechtskonvention.

Im Namen aller Unterzeichner/innen.

Kandern, 11.05.2014 (aktiv bis 10.11.2014)


Neuigkeiten

2. Petition 15/4274 betr. Einrichtungen der Eingliederungshilfe Zur Eingabe der Petenten im Einzelnen: Die Petenten, Angehörige von Kindern mit Behinderungen beanstanden die voneinander differierenden „Mindestpersonalmengen“ bei Angebotsformen der ...

>>> Zu den Neuigkeiten


Debatte zur Petition

PRO: Die UN-Behindertenrechtskonvention ist am 26. März 2009 in Deutschland in Kraft getreten. Sie zeigt, was die bestehenden Menschenrechte für Menschen mit Behinderung bedeuten und wie sie in den unterschiedlichen Bereichen unserer Gesellschaft umzusetzen ...

PRO: Pro ist hier meiner Meinung nach ein blödsinn

CONTRA: Ich stimme zu, aber dann soll der Staat doch die selben finalnzellen Mittel pro Kopf aufwenden! Für ein Behindertes Kind gibt das Land NRW 782% mehr Geld aus als für ein gesundes. ( Private und halbstaatliche Programme nicht mal einbezogen ). Das bedeutet, ...

CONTRA: Sie werden ungleich behandelt, weil sie nicht gleich sind. Und das ist fakt.

>>> Zur Debatte



Petitionsverlauf


aktuelle Petitionen