Nicolaus Fest, stellvertretender Chefredakteur der BamS, hat unter der Überschift 'Islam als Integrationshindernis' in beinahe beeindruckender Art und Weise eine Salve an islamfeindlichen und antimuslimischen Thesen in gerade einmal zwölf kurzen Sätzen abgefeuert. Die Verweigerung von Asyl- und Zuwanderungsrecht für Muslime steht am Ende einer Aneinanderreihung der Schlagwörter 'Zwangsheirat', 'Friedensrichter', 'Ehrenmorde' – und 'antisemitisches Pogrom'. Für Fest ist der gesamte Islam und alle Muslime judenfeindlich. Das ist Rassismus. Wir wollen eine Entschuldigung. Und die Frage bleibt: Soll deutscher Antisemitismus bekämpft werden – oder soll er zu einer leeren Worthülse im islamfeindlichen Diskurs verkommen? Bislang lehnt Fest jede Art von Entschuldigung ab und will nicht einsehen, warum er mit seinen Aussagen Millionen deutscher Muslime gekränkt hat.

Begründung

Fest ist nicht der erste, der in der aktuellen Debatte um Antisemitismus in Deutschland rassistisch gegen Muslime und Muslima argumentiert. Aber seine Äußerungen sind die bislang schärfsten.

In seinem am 22.07.2014 auf FAZ.net erschienenen Artikel sieht Jasper von Altenbockum dem neu ausgerufenen 'Deutschen Jahrhundert' mit einiger Vorfreude entgegen. „Wenn alles gut läuft“, so schreibt er, wird das nächste Jahrhundert aus Deutschland „ein besseres Deutschland machen”. Nach wenigen Sätzen wartet der als Kommentar überschriebene Text noch mit einem Vorschlag auf, der eine gute Grundlage für diese Entwicklung sein könne: Den Islam müssten die Deutschen vorher noch loswerden. Zwischen dem Ausblick auf eine aus deutscher Sicht glorreiche Zukunft und der Erkenntnis, dass der „frische Wind“ der „Willkommenskultur“ nicht über alle Einwanderer wehen dürfe, steht die Schlussfolgerung, dass es einen neuen, von muslimischen Einwanderern verursachten Antisemitismus in Deutschland gebe. Abgesehen von der Frage, ob es in Deutschland tatsächlich eine 'Willkommenskultur' oder ein funktionierendes Integrationsverständnis gibt, scheint von Altenbockums Lösung doch sehr kurzgegriffen. Lamya Kaddor schreibt in einer kurzen Analyse des Kommentars auf ihrer Facebook-Seite: „Aus meiner Sicht ist der Palästinakonflikt nur das Ventil, die Ursachen liegen unter anderem an dem Versagen unserer bundesdeutschen Gesellschaft, Menschen, die in der vierten Generation Deutsch sind, zu integrieren; an nicht gleichen Bildungschancen […]; an übler gruppenbezogner Menschenfeindlichkeit […] [und] an biographischen Hintergründen.“ Von Altenbockum schiebt die Verantwortung für den sich im Moment besonders deutlich zeigenden Antisemitismus in Deutschland an muslimische Zuwanderer und ihre Kindeskinder ab. Nicht er alleine folgt diesem Reflex. So berichtet der Tagespiegel zum Beispiel nicht von Pro-Palästinensichen Demonstrationen, sondern von „arabischen Demos“. Was nützen also jahrelange Integrations- und Reflexionsarbeit, wenn für die Mehrheitsgesellschaft in schwierigen Zeiten aus Deutschen wieder muslimische Einwanderer und „wütende“, „aufgehetzte Araber“ werden? Der Islamwissenschaftler Götz Nordbruch sagt zu diesem Verhalten, es gehe nicht um eine Parallelwelt von arabischen oder muslimischen Subkulturen, sondern um deutsche Jugendliche, die hier aufwachsen und in der deutschen Gesellschaft groß werden. Antisemitismus, der unter diesen Jugendlichen verbreitet sei, müsse also auch als deutsches Problem angegangen und gelöst werden. Tatsächlich aber erweckt der Reflex, die Verantwortung für Antisemitismus nicht in der Mehrheitsgesellschaft sondern bei den Muslimen zu suchen, den Eindruck, dass man um eine Lösung des Problems kaum bemüht ist. Auch sprechen Gedanken wie die im Tagesspiegel geäußerte Befürchtung, dass das „Ansehen Deutschlands“ durch die antisemitischen Rufe beschädigt sei, eher dafür, dass es der Mehrheitsgesellschaft nicht um den Akt der geäußerten gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit an sich, sondern nur um den schönen Schein geht. Deutscher Antisemitismus, nach Wolfgang Benz der „konstante Bodensatz“ in der deutschen Gesellschaft, wird so mittels einer typisch rassistischen Projektion auf 'das Andere' zu einem Problem des angeblich judenfeindlichen Islams. In radikaleren Kreisen stößt diese hierarchisierende, essentialisierte Polarisierung von aufgeklärten, nicht-antisemitischen Deutschen auf der einen und rückständigen, antisemitischen Muslimen auf der anderen Seite auf große Begeisterung. Schließlich ist beispielsweise PI-News dafür bekannt, seit Jahren mit ähnlichen Stereotypisierungen zu arbeiten. So kopieren dann die PI-ler unter der Überschrift 'Der neue Antisemitismus kommt einzig und allein von Einwanderern aus islamischen Ländern' einen FAZ-Artikel von Geyer-Hindemith vom 25.07. in dem von „religiösen Wurzeln der neuen Judenhetze“ die Rede ist. Eine ganze Gruppe von Zuwanderern wird als judenfeindlich bezeichnet, die Verantwortung erneut von der Mehrheitsgesellschaft verdrängt. Am Ende der islamfeindlichen Verwertungskette steht vorerst Nicolaus Fest, stellvertretender Chefredakteur der BILD-Zeitung, der unter der Überschift 'Islam als Integrationshindernis' in beinahe beeindruckender Art und Weise eine Salve an islamfeindlichen und antimuslimischen Thesen in gerade einmal zwölf kurzen Sätzen abfeuert. Die Verweigerung von Asyl- und Zuwanderungsrecht für Muslime steht am Ende einer Aneinanderreihung der Schlagwörter 'Zwangsheirat', 'Friedensrichter', 'Ehrenmorde' – und 'antisemitisches Pogrom'. Die Frage bleibt: Soll deutscher Antisemitismus bekämpft werden – oder soll er zu einer leeren Worthülse im islamfeindlichen Diskurs verkommen? Am Ende steht Fests Aussage, dass er „keinen importierten Rassismus“ brauche – und das ist natürlich richtig, denn rassistisch ist Fest auch so schon genug.

www.nir-leipzig.net

Vielen Dank für Ihre Unterstützung, Sindyan Qasem aus Riesa
Frage an den Initiator

Übersetzen Sie jetzt diese Petition

Neue Sprachversion

Neuigkeiten

  • Liebe Unterstützende,
    der Petent oder die Petentin hat innerhalb der letzten 12 Monate nach Ende der Unterschriftensammlung keine Neuigkeiten erstellt und den Status nicht geändert. openPetition geht davon aus, dass die Petition nicht eingereicht oder übergeben wurde.

    Wir bedanken uns herzlich für Ihr Engagement und die Unterstützung,
    Ihr openPetition-Team

  • Zwischenstand III

    am 07.08.2014

    Liebe Unterzeichnenden,

    obwohl Sachsen-Anhalt uns sowas von hängen lassen hat, gebe ich heute einen Brief an Nicolaus Fest in die Post. Darin enthalten sind eine Unterschriftenliste, die Petition im Wortlaut und dieses Anschreiben:

    ---

    Unterschriftensammlung zur Einforderung einer Entschuldigung


    Sehr geehrter Herr Fest,

    anbei finden Sie eine Unterschriftenliste der Petition "Nicolaus Fest, wir wollen eine Entschuldigung" sowie die begründenden Texte im Wortlaut.

    Da sich bisher zwar sowohl BILD-Chefredakteur Diekmann als auch BamS-Chefin Horn in aller Öffentlichkeit für Ihren am 27.07.2014 erschienenen Text gerechtfertigt haben, fehlt von Ihnen, abgesehen von einigen provozierenden Tweets, jegliche Stellungnahme. Eine Entschuldigung wäre aber angebracht. Während Politiker und Politikerinnen Muslimen Grußworte zum alljährlichen Fastenbrechen übersendeten, sendeten Sie eine Botschaft der Ablehnung und des Hasses.

    Deshalb möchte ich Sie hiermit auffordern, ihr Verhalten zu reflektieren und anschließend eine Entschuldigung zu formulieren.

    Mit freundlichen Grüßen



    Sindyan Qasem


    ---

    Ich werde alle Unterzeichnenden in den kommenden Tagen über eine eventuelle Antwort auf dem Laufenden halten und bei ausbleibender Entschuldigung auch Alternativen zum weiteren Umgang mit Fest recherchieren.

    Viele Grüße

    Sindyan

  • Zwischenstand II

    am 29.07.2014

    Liebe Unterzeichnenden,

    zugegeben, so richtig gut kenne ich mich mit dem Schneeball-Effekt nicht aus. Schon damals im Kindergarten sind mir, während in der Schneeballschlacht die Bälle der anderen an meinen Ohren vorbeipfiffen, meine eigenen Geschosse in der Hand zerbröselt.

    Als Etappenziel sollten wir uns deshalb vielleicht erstmal vornehmen, aus jedem Bundesland Unterschriften gesammelt zu haben. Bis jetzt hapert es da noch an Sachsen-Anhalt und Rheinland-Pfalz. Kennt da jemand wen?

    Ich freue mich auch ganz besonders über die tollen Pro- und Contra-Argumente, die unter dem Menüpunkt 'Debatte' zu finden sind. Wer schon immer mal wissen sollte, was für tolle Ergebnisse eine google-Recherche hervorbringen kann, sollte einen Blick auf die Contra-Argumente werfen.

    Viele Grüße nach NRW, Bayern, Sachsen, Berlin, Bremen, Hamburg, Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Thüringen, Baden-Würtemmberg, Niedersachsen, Hessen und ins Saarland

    Sindyan

Pro

Petitionen wie diese sind eine Beleidigung für jeden normalen Bürger dieses Landes und sollten unterbunden werden.Es geht um die Möglichkeit für ernsthafte und wichtige Themen Unterstützer zu gewinnen. Durch solche schwachsinnigen und infantilen Petitionen wird die Seriosität diese Seite in Frage gestellt. Wer soll diesen Kindergarten noch ernst nehmen?

Contra

Typisch! Schon wieder wird etwas "gefordert", wenn auch diesmal "nur" eine Entschuldigung. Bildungsferne, gewaltbereite Horden terrorisieren mittlerweile ganze Stadtviertel in unseren Grossstädten, aber diejenigen, die darauf hinweisen, sollen sich entschuldigen? Diese "Allahu akbar" Krakeeler müssten sich erstmal bei all den Deutschen entschuldigen, denen sie Tag für Tag das friedliche Leben im eigenen Land verleiden. Dieser widerwärtige Islam, diese abartige Ideologie der Intoleranz und Menschenverachtung hat in Deutschland nichts verloren. Punkt!