Petition richtet sich an:
BMUV, Umweltausschuss des Deutschen Bundestags, Bundesrat, Umweltbundesamt (UBA) und relevante EU‑Institutionen
Geoengineering‑Ansätze, insbesondere das sogenannte Solar Radiation Management (Solar Radiation Modification, SRM), zielen darauf ab, die Sonneneinstrahlung technisch zu beeinflussen, um die Erderwärmung zu begrenzen. Eine Übersicht zu Geoengineering und den dort diskutierten Technologien stellt das Umweltbundesamt bereit.
Das Umweltbundesamt (UBA) weist in seinen Veröffentlichungen darauf hin, dass SRM und andere solare Geoengineering‑Verfahren mit schwer abschätzbaren Risiken für Klima, Umwelt und Gesellschaft verbunden sind und keinen Ersatz für konsequenten Klimaschutz darstellen. Eine ausführliche Darstellung bietet der Fachbericht „Solar Radiation Modification (SRM). Wirkweise, Risiken und Governance“.
Die genannten Institutionen sollen daher:
- klare gesetzliche Grenzen für Geoengineering‑Ansätze, insbesondere Solar Radiation Modification (SRM), in Deutschland festlegen und Freilandexperimente nur unter strengsten Vorsorge‑, Transparenz‑ und Beteiligungsauflagen zulassen oder gänzlich untersagen.
- sich in EU, UN und anderen internationalen Foren für ein multilaterales Moratorium bzw. ein internationales Nichtnutzungs‑Abkommen zu SRM einsetzen und entsprechende Initiativen zur internationalen Regulierung konstruktiv unterstützen.
- öffentliche Mittel vorrangig in Emissionsminderung, Energieeffizienz, erneuerbare Energien, Naturschutz, Wiederherstellung von Ökosystemen und sozial gerechte Klimaanpassung investieren – statt in technologische Eingriffe in das Klimasystem mit ungewissen Folgen.
Begründung
In diesen Berichten werden unter anderem folgende Punkte hervorgehoben:
- mögliche Veränderungen von Niederschlags‑, Wetter‑ und Sturmmustern mit Folgen für Wasserverfügbarkeit und Ernährungssicherheit
- Risiken für Ökosysteme, Biodiversität und Landwirtschaft
- erhebliche Governance‑Probleme und das Risiko geopolitischer Spannungen, wenn einzelne Staaten oder private Akteure einseitig in das globale Klimasystem eingreifen
- die Gefahr, dass Debatten über SRM von dringend notwendigen Maßnahmen zur schnellen Emissionsminderung sowie zur Energie‑ und Agrarwende ablenken
Auch sicherheitspolitische Analysen staatlicher Stellen warnen vor den möglichen Folgen von Geoengineering. Das Planungsamt der Bundeswehr beschreibt in der Studie „Geoengineering – Eine sicherheitspolitische Perspektive“, dass insbesondere SRM‑Maßnahmen neue Konfliktpotenziale zwischen Staaten, Risiken für die Biodiversität, eine veränderte Niederschlagsverteilung sowie Dual‑Use‑Gefahren und sicherheitspolitische Spannungen mit sich bringen können.
Dort wird herausgestellt, dass SRM die zugrunde liegenden Ursachen des Klimawandels – die hohen Treibhausgasemissionen – nicht behebt, sondern ein künstliches Klima mit potenziell gravierenden Nebenfolgen schaffen würde und ein Einsatz ohne ausreichende Regulierung und internationale Abstimmung erhebliche außen‑ und sicherheitspolitische Konflikte auslösen könnte.
Auch auf Ebene der Vereinten Nationen wird auf die Notwendigkeit eines vorsorgenden, multilateralen Umgangs mit Solar Radiation Modification hingewiesen. In einschlägigen UN‑Dokumenten und Berichten wird betont, dass SRM neue globale Risiken für Klima, Umwelt, Gerechtigkeit und Governance mit sich bringen kann und daher nur unter Anwendung des Vorsorgeprinzips und im Rahmen internationaler Vereinbarungen betrachtet werden sollte, z.B.:
UN‑Dokument N22/442/79.
Neben staatlichen und zwischenstaatlichen Einrichtungen warnen zahlreiche zivilgesellschaftliche Organisationen und Expertinnen und Experten vor den Risiken solaren Geoengineerings. Die Heinrich‑Böll‑Stiftung etwa fasst die Kritik an solarem Geoengineering zusammen und verweist auf mögliche unbeabsichtigte Klima‑ und Wetterextreme, ungleiche Verteilung der Auswirkungen, die Gefahr eines „Abbruchschocks“ bei plötzlichem Stopp sowie die Ablenkung von Emissionsminderung und ökologischer Transformation.
Ich lebe seit mehreren Jahren in Deutschland und nehme – wie viele Menschen in meinem Umfeld – eine Zunahme grauer, trüber Tage und eine abnehmende Aufenthaltsqualität im Freien wahr. Diese subjektiven Beobachtungen können verschiedene Ursachen haben und werden von den zuständigen Stellen bislang nur teilweise erläutert, verstärken aber das Bedürfnis nach Transparenz und einer breiten öffentlichen Debatte über mögliche klima‑ und umweltpolitische Weichenstellungen.
Angesichts der vom Umweltbundesamt, vom Planungsamt der Bundeswehr, von UN‑Gremien und zahlreichen zivilgesellschaftlichen Akteuren beschriebenen Unsicherheiten und Risiken erscheint es aus Sicht vieler Bürgerinnen und Bürger nicht vertretbar, tiefgreifende Eingriffe in das Klimasystem ohne klare demokratische Leitplanken, umfassende Transparenz, internationale Vereinbarungen und gesellschaftliche Beteiligung vorzubereiten. Statt vor allem auf technische Lösungsansätze zu setzen, sollte die Bundesregierung Priorität auf bewährte Klimaschutzinstrumente wie Emissionsminderung, Energieeffizienz, den Ausbau erneuerbarer Energien, den Schutz von Wäldern und Böden sowie sozial gerechte Anpassungsstrategien legen.
Unterstützen Sie diese Petition, damit ein weitgehend natürliches Klima und ein transparenter, vorsorgender Umgang mit möglichen Klima‑Interventionen gewährleistet werden – und grundlegende Klimaschutzmaßnahmen nicht durch riskante Geoengineering‑Experimente in den Hintergrund geraten.
Körperliche Unversehrtheit