Region: Germany

Versorgung statt Mangel: Maßnahmen gegen Lieferengpässe im Gesundheitswesen

Petition is addressed to
Bundesregierung

226 Signatures

1 %
216 from 30,000 for quorum in Germany Germany

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  1. Launched 10/06/2026
  2. Time remaining > 4 months
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Petition addressed to: Bundesregierung

Lieferengpässe bei Medikamenten und medizinischen Hilfsmitteln dürfen nicht zur Normalität werden. Immer mehr Menschen erleben, dass wichtige Arzneimittel oder Hilfsmittel plötzlich nicht verfügbar sind.

Ich bin Katharina Schneider-Bodien, 34 Jahre alt, und lebe seit mehr als 20 Jahren mit Typ-1-Diabetes. In den vergangenen Jahren habe ich selbst erlebt, wie die Versorgung immer schwieriger geworden ist. Zunächst gab es Engpässe bei lebensnotwendigem Insulin, inzwischen kommt es immer wieder zu Lieferschwierigkeiten bei Insulinpumpenkathetern und anderen Hilfsmitteln. Telefonate mit Apotheken und Hilfsmittelversorgern gehören mittlerweile zum Alltag.

Doch je mehr ich mich mit dem Thema beschäftigt habe, desto deutlicher wurde mir: Das Problem betrifft längst nicht nur Menschen mit Diabetes. Es geht nicht um einzelne Produkte oder einzelne Hersteller. Es geht um ein Gesundheitssystem, in dem Lieferengpässe immer häufiger zur Normalität werden – und in dem die Folgen vor allem von den Patientinnen und Patienten getragen werden. Allein zu Beginn des Jahres 2026 waren beim Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) 546 Lieferengpässe gemeldet. Mehr als 500 Arzneimittel waren zeitweise nicht oder nur eingeschränkt verfügbar. (Quelle: https://www.apotheke-adhoc.de/nachrichten/detail/pharmazie/2026-start-mit-knapp-550-arzneimittel-engpaessen/)

Betroffen sind Menschen mit den unterschiedlichsten Erkrankungen. Aus Apotheken wird nicht nur ein Mangel an Hustensäften oder Fiebermitteln für Kinder, sondern weiterhin auch von Schwierigkeiten bei Schilddrüsenmedikamenten wie Thyronajod berichtet. Bei Asthmamedikamenten wie Allergospasmin oder Aarane kommt es immer wieder zu längeren Ausfällen, obwohl es für manche Wirkstoffe kaum Alternativen gibt. Selbst lebenswichtige Krebsmedikamente wie Cyclophosphamid und Ifosfamid sind von Lieferengpässen betroffen.

Reason

Für die Betroffenen bedeutet die aktuelle Situation weit mehr als eine Unannehmlichkeit. Es bedeutet Unsicherheit, Therapieumstellungen und die ständige Sorge, ob eine notwendige Behandlung überhaupt fortgeführt werden kann. Es kann nicht sein, dass kranke Menschen und ihre Angehörigen regelmäßig selbst recherchieren, Apotheken abtelefonieren und um ihre Versorgung bangen müssen.

Ich starte diese Petition, weil Gesundheit nicht von persönlichen Kontakten oder Glück abhängen darf. Eine zuverlässige Versorgung mit Medikamenten und medizinischen Hilfsmitteln muss selbstverständlich sein. Deshalb fordere ich die Bundesregierung auf, die Versorgungssicherheit im Gesundheitswesen nachhaltig zu stärken und wirksame Maßnahmen gegen Lieferengpässe zu ergreifen.

Niemand sollte Angst haben müssen, ob lebenswichtige Medikamente oder medizinische Hilfsmittel rechtzeitig verfügbar sind. Gesundheit darf kein Glücksspiel sein.

Thank you so much for your support, Katharina Schneider-Bodien, Düsseldorf
Question to the initiator

Petition details

Petition started: 06/10/2026
Collection ends: 12/09/2026
Region: Germany
Topic: Health

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News

  • Sehr geehrte Frau S.,
     
    vielen Dank für Ihre Nachricht. Sie sprechen ein Problem an, das viele Menschen mit gutem Grund verunsichert. Ihre Anfrage ist aus dem Büro von Herrn Dr. Pantazis an mich weitergeleitet worden, da ich dieses Thema in der SPD-Bundestagsfraktion fachlich begleite. Deshalb antworte ich Ihnen gerne direkt.
     
    Sie haben Recht: Lieferengpässe sind längst kein Einzelfall mehr. Wenn notwendige Arzneimittel oder Medizinprodukte fehlen, ist das nicht nur ärgerlich, sondern kann für Patientinnen und Patienten ganz konkret zur Belastung werden.
     
    Bei den Arzneimitteln gibt es nach den besonders schwierigen Jahren zuletzt in einzelnen Bereichen zwar Verbesserungen, aber keine Entwarnung. Der aktuelle Lieferklima-Report der Techniker Krankenkasse zeigt: Im Juni 2023 waren beim BfArM noch 166 antibiotische Arzneimittel als nicht lieferbar gemeldet, im Oktober 2025 waren es noch 35. Gleichzeitig verweist die TK darauf, dass von rund 83.000 Arzneimitteln in der gesetzlichen Krankenversicherung 98,9 Prozent sofort lieferfähig waren; für weitere 0,8 Prozent war ein identisches Austauschpräparat verfügbar. Das zeigt: Vieles funktioniert, aber gerade bei einzelnen besonders wichtigen Produkten können Engpässe trotzdem sehr spürbar sein. Handlungsbedarf sieht die TK selbst weiter, etwa bei Kinderarzneimitteln und bei mehr Transparenz über Lagerbestände. (https://www.tk.de/presse/themen/arzneimittel/lieferklima-report-2025-2209934)
     
    Bei Medizinprodukten ist die Lage noch schwieriger zu bewerten, weil hier andere Regeln gelten als bei Arzneimitteln. Gerade dort erleben Betroffene oft, dass sie an ein bestimmtes System, Zubehör oder Verbrauchsmaterial gebunden sind. Wenn dann ein Produkt ausfällt, gibt es häufig nicht ohne Weiteres eine Alternative.
     
    Zu Ihren Fragen kurz zusammengefasst:
     
    1. Welche Maßnahmen sind derzeit vorgesehen, um die Versorgungssicherheit bei essenziellen Medizinprodukten zu gewährleisten?
    Aus meiner Sicht kommt es vor allem auf bessere Rahmenbedingungen an. Auf EU-Ebene wird derzeit daran gearbeitet, die Regeln für Medizinprodukte (MDR) praxistauglicher zu machen und Lieferunterbrechungen früher sichtbar zu machen. Geplant sind unter anderem bessere Meldesysteme und eine stärkere Beobachtung kritischer Medizinprodukte. Das ist wichtig, damit Probleme nicht erst dann auffallen, wenn die Versorgung schon gestört ist.
     
    2. Wie wird mit Abhängigkeiten von einzelnen Herstellern oder Vertriebsstrukturen umgegangen?
    Diese Abhängigkeiten sind über viele Jahre entstanden. Sie lassen sich nicht von heute auf morgen auflösen. Politik kann aber die Rahmenbedingungen so setzen, dass Versorgungssicherheit stärker zählt: mehr Transparenz, mehr Diversifizierung und dort, wo möglich, mehrere verlässliche Anbieter statt nur eines Herstellers. Im Arzneimittelbereich ist diese Debatte bei Lagerhaltung, Ausschreibungen und Verträgen bereits weiter; bei Medizinprodukten müssen wir hier noch konsequenter werden.
     
    3. Gibt es Überlegungen, interoperable bzw. herstellerübergreifende Standards stärker zu fördern?
    Ja, die gibt es, und ich halte das für richtig. Wo sichere Wechselmöglichkeiten technisch möglich sind, sollten sie nicht an geschlossenen Systemen scheitern. Gleichzeitig muss man ehrlich sagen: Nicht bei jedem Medizinprodukt ist vollständige Austauschbarkeit einfach umzusetzen, weil Sicherheits- und Haftungsfragen eine große Rolle spielen. Gerade deshalb müssen sinnvolle Interoperabilität und offene Schnittstellen stärker gefördert und in der Praxis auch besser durchgesetzt werden. Auf nationaler und europäischer Ebene gibt es dafür bereits wichtige Vorgaben.
     
    Für mich ist klar: Versorgungssicherheit ist Teil der Daseinsvorsorge. Gesundheit darf nicht nur unter dem Gesichtspunkt des niedrigsten Preises organisiert werden. Einseitiger Kostendruck kann am Ende die Versorgung schwächen. Deshalb brauchen wir realistische Lösungen, die Versorgungssicherheit, Bezahlbarkeit und verlässliche Lieferketten zusammen denken.
     
    Vielen Dank nochmals für Ihren Hinweis. 
     
    Mit freundlichen Grüßen
    Matthias Mieves (SPD)
    Mitglied des Bundestags und Mitglied im Gesundheitsausschuss

  • Sehr geehrte Unterstützende,

    die Petition wurde gemäß unserer Nutzungsbedingungen überarbeitet. Die temporäre Sperrung wurde wieder aufgehoben und die Petition kann nun weiter unterzeichnet werden.

    Wir bedanken uns für Ihr Engagement!

    Ihr openPetition-Team

Why people sign

Eine gute Medikamentenversorgung ist für Alle wichtig.

Krankenhäuser schließen, Apotheken schließen, Krankenkassenbeiträge werden teurer...und wer kümmert sich um die Patienten?

Weil lebenswichtige Medikamente für die Patienten verfügbar sein müssen. Niemand soll in der Angst leben müssen sie nicht zu bekommen oder gesundheitliche Nachteile erleiden.

Bin betroffen.

Als betroffene Diabetikerin Typ1 bin ich zunehmend von Lieferengpässen in meiner Versorgung betroffen und dies ist m. E. ein unhaltbarer Zustand!

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