Versorgung statt Mangel: Maßnahmen gegen Lieferengpässe im Gesundheitswesen

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Neuigkeiten

19.06.2026, 03:32

Sehr geehrte Frau S.,
 
vielen Dank für Ihre Nachricht. Sie sprechen ein Problem an, das viele Menschen mit gutem Grund verunsichert. Ihre Anfrage ist aus dem Büro von Herrn Dr. Pantazis an mich weitergeleitet worden, da ich dieses Thema in der SPD-Bundestagsfraktion fachlich begleite. Deshalb antworte ich Ihnen gerne direkt.
 
Sie haben Recht: Lieferengpässe sind längst kein Einzelfall mehr. Wenn notwendige Arzneimittel oder Medizinprodukte fehlen, ist das nicht nur ärgerlich, sondern kann für Patientinnen und Patienten ganz konkret zur Belastung werden.
 
Bei den Arzneimitteln gibt es nach den besonders schwierigen Jahren zuletzt in einzelnen Bereichen zwar Verbesserungen, aber keine Entwarnung. Der aktuelle Lieferklima-Report der Techniker Krankenkasse zeigt: Im Juni 2023 waren beim BfArM noch 166 antibiotische Arzneimittel als nicht lieferbar gemeldet, im Oktober 2025 waren es noch 35. Gleichzeitig verweist die TK darauf, dass von rund 83.000 Arzneimitteln in der gesetzlichen Krankenversicherung 98,9 Prozent sofort lieferfähig waren; für weitere 0,8 Prozent war ein identisches Austauschpräparat verfügbar. Das zeigt: Vieles funktioniert, aber gerade bei einzelnen besonders wichtigen Produkten können Engpässe trotzdem sehr spürbar sein. Handlungsbedarf sieht die TK selbst weiter, etwa bei Kinderarzneimitteln und bei mehr Transparenz über Lagerbestände. (https://www.tk.de/presse/themen/arzneimittel/lieferklima-report-2025-2209934)
 
Bei Medizinprodukten ist die Lage noch schwieriger zu bewerten, weil hier andere Regeln gelten als bei Arzneimitteln. Gerade dort erleben Betroffene oft, dass sie an ein bestimmtes System, Zubehör oder Verbrauchsmaterial gebunden sind. Wenn dann ein Produkt ausfällt, gibt es häufig nicht ohne Weiteres eine Alternative.
 
Zu Ihren Fragen kurz zusammengefasst:
 
1. Welche Maßnahmen sind derzeit vorgesehen, um die Versorgungssicherheit bei essenziellen Medizinprodukten zu gewährleisten?
Aus meiner Sicht kommt es vor allem auf bessere Rahmenbedingungen an. Auf EU-Ebene wird derzeit daran gearbeitet, die Regeln für Medizinprodukte (MDR) praxistauglicher zu machen und Lieferunterbrechungen früher sichtbar zu machen. Geplant sind unter anderem bessere Meldesysteme und eine stärkere Beobachtung kritischer Medizinprodukte. Das ist wichtig, damit Probleme nicht erst dann auffallen, wenn die Versorgung schon gestört ist.
 
2. Wie wird mit Abhängigkeiten von einzelnen Herstellern oder Vertriebsstrukturen umgegangen?
Diese Abhängigkeiten sind über viele Jahre entstanden. Sie lassen sich nicht von heute auf morgen auflösen. Politik kann aber die Rahmenbedingungen so setzen, dass Versorgungssicherheit stärker zählt: mehr Transparenz, mehr Diversifizierung und dort, wo möglich, mehrere verlässliche Anbieter statt nur eines Herstellers. Im Arzneimittelbereich ist diese Debatte bei Lagerhaltung, Ausschreibungen und Verträgen bereits weiter; bei Medizinprodukten müssen wir hier noch konsequenter werden.
 
3. Gibt es Überlegungen, interoperable bzw. herstellerübergreifende Standards stärker zu fördern?
Ja, die gibt es, und ich halte das für richtig. Wo sichere Wechselmöglichkeiten technisch möglich sind, sollten sie nicht an geschlossenen Systemen scheitern. Gleichzeitig muss man ehrlich sagen: Nicht bei jedem Medizinprodukt ist vollständige Austauschbarkeit einfach umzusetzen, weil Sicherheits- und Haftungsfragen eine große Rolle spielen. Gerade deshalb müssen sinnvolle Interoperabilität und offene Schnittstellen stärker gefördert und in der Praxis auch besser durchgesetzt werden. Auf nationaler und europäischer Ebene gibt es dafür bereits wichtige Vorgaben.
 
Für mich ist klar: Versorgungssicherheit ist Teil der Daseinsvorsorge. Gesundheit darf nicht nur unter dem Gesichtspunkt des niedrigsten Preises organisiert werden. Einseitiger Kostendruck kann am Ende die Versorgung schwächen. Deshalb brauchen wir realistische Lösungen, die Versorgungssicherheit, Bezahlbarkeit und verlässliche Lieferketten zusammen denken.
 
Vielen Dank nochmals für Ihren Hinweis. 
 
Mit freundlichen Grüßen
Matthias Mieves (SPD)
Mitglied des Bundestags und Mitglied im Gesundheitsausschuss


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