Sehr geehrte Frau Ministerin,

am 3. Juni des Jahres hat Ihnen die „Allianz der Wissenschaftsorganisationen“ bezüglich der Novellierung des Wissenschaftszeitvertragsgesetzes geschrieben.

Die Funktionsträger der Wissenschaftsorganisationen wenden sich in ihrem Schreiben gegen eine Befreiung ihrer nicht-wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von den weitreichenden Befristungsmöglichkeiten des Wissenschaftszeitvertragsgesetzes. Ebenso wenden sie sich dagegegen, für die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler die Vereinbarung eines Qualifizierungsziels als Grundlage (Sachgrund) von Befristung vorzusehen.

Die Hunderttausende an Hochschulen und Forschungseinrichtungen Beschäftigten haben den Funktionsträgern kein Mandat erteilt, in ihrem Namen zu sprechen. Die Verfasser des Schreibens vom 3. Juni können daher kein entsprechendes politisches Gewicht für sich in Anspruch nehmen. Ihre Aussagen sind als Einzelmeinungen zu sehen. Tatsächlich erscheint fraglich, ob ihr Schreiben im Sinn der Beschäftigten ist, oder ob Inhalt und Zeitpunkt des Briefes den Beschäftigten an außeruniversitären Einrichtungen und Hochschulen nicht vielmehr schaden.

Einzelne Abgeordnete der Unionsfraktion, so ist Medienberichten zu entnehmen, betrachten das Schreiben dennoch als willkommende Einladung, die Novellierung des Wissenschaftszeitvertragsgesetzes zu verzögern oder zu verhindern.

Dies erfüllt uns mit Sorge um den Erfolg der Reformbemühungen: Angst vor Veränderung, Mangel an Flexibilität und der Versuch, das Rad der Zeit anzuhalten, sind nicht zielführend; weder im Wissenschaftsmanagement noch in der Politik. Erforderlich sind der Wille zur konstruktiven Mitarbeit bei der Reform des Wissenschaftssystems und eine Fokussierung auf die Lösung des Kernproblems: des Mangels an unbefristeten Beschäftigungsmöglichkeiten.

Studien haben hier wiederholt den dringenden Handlungsbedarf hinsichtlich des Ausmaßes von Befristung offengelegt. Die auch im Koalitionsvertrag vereinbarte Novellierung des Wissenschaftszeitvertragsgesetzes ist dabei ein wichtiger Baustein. Von verschiedenen Seiten wurden zur Novellierung konkrete Vorschläge gemacht. Ein Beispiel ist die Petition „Perspektive statt Befristung“ mit der Studie „Exzellenz braucht Existenz“. Bisher ist keine offizielle Stellungnahme erfolgt.

Wir bitten Sie, gemeinsam mit den Abgeordneten des Deutschen Bundestages die Novellierung des Wissenschaftszeitvertragsgesetzes im Sinne der an Hochschulen und außeruniversitären Einrichtungen Beschäftigten - und damit im Sinne der Wissenschaft - voranzutreiben.

Begründung

Der offene Brief ist eine Reaktion auf ein Schreiben der "Allianz der Wissenschaftsorganisationen" vom 3. Juni 2015 an die Bundesbildungsministerin.

Das Schreiben wird von Gegnern einer Reform des Wissenschaftszeitvertragsgesetzes in der Bundespolitik dankbar aufgegriffen und droht so zum Stolperstein auf der Zielgeraden zur Novellierung des Gesetzes zu werden.

Die Verfasser des Schreibens sind jedoch in keiner Weise gewählte Vertreter der Beschäftigten an den Hochschulen und außeruniversitären Einrichtungen und sprechen nicht in deren Namen.

Berichterstattung:

www.deutschlandfunk.de/nachwuchswissenschaftler-union-stoppt-regelung-fuer-bessere.680.de.html?dram:article_id=322227

www.sueddeutsche.de/bildung/wissenschaftler-mit-zeitvertraegen-ins-verderben-1.2510877

www.spiegel.de/unispiegel/studium/hochschulen-wehren-sich-gegen-strenge-befristungsregeln-a-1037865.html

www.tagesspiegel.de/wissen/streit-um-befristete-stellen-in-der-wissenschaft-unis-und-ausseruniversitaere-wollen-kein-neues-gesetz/11892786.html

siehe auch: www.openpetition.de/petition/blog/perspektive-statt-befristung-fuer-mehr-feste-arbeitsplaetze-im-wissenschaftsbereich

Vielen Dank für Ihre Unterstützung

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Neuigkeiten

  • Sehr geehrte Mit-Unterzeichnerin, sehr geehrter Mit-Unterzeichner des Offenen Briefs „Wir sind Wissenschaft“,

    unser Offener Brief kann einen Teilerfolg verzeichnen.

    Anfang diesen Monats hat die Bundesregierung einen Entwurf zur Änderung des Wissenschaftszeitvertragsgesetzes an den Bundesrat übersandt (Link unter www.perspektive-statt-befristung.de): Wie in unserem Offenen Brief gefordert, soll das nicht-wissenschaftliche Personal zukünftig nicht mehr unter das Wissenschaftszeitvertragsgesetz fallen.

    Auch die Qualifizierung wird thematisiert: Für das wissenschaftliche/künstlerische Personal sieht der Entwurf einen Passus vor, demzufolge eine befristete Beschäftigung *aus Haushaltsmitteln* zukünftig im Kontext einer wissenschaftlichen oder künstlerischen Qualifizierung stehen soll; für den Fall einer befristeten Beschäftigung aus Drittmitteln scheint das allerdings nicht zu gelten. Diese Regelung ist zudem sehr weich formuliert, und es erscheint zweifelhaft, dass sie sich positiv auf die Befristungsquote auswirken wird (sollten Sie auch die Petition „Perspektive statt Befristung“ unterzeichnet haben, werden Sie gegen Ende der Woche eine weitere Nachricht zu dieser Thematik erhalten).

    Ich danke Ihnen für Ihre Unterstützung durch die Unterzeichnung des Offenen Briefes

    und wünsche Ihnen einen schönen Wochenbeginn,

    herzliche Grüße

    Sebastian Raupach

  • Sehr geehrte Mit-Unterzeichnerin, sehr geehrter Mit-Unterzeichner des Offenen Briefes "Wir sind Wissenschaft",

    parallel zu der Veröffentlichung des Briefes "Wir sind Wissenschaft" wurde der Offene Brief auch an das Bundesministerium für Bildung und Forschung gesandt, mit Verweis auf Ihre Unterschriften.

    Über das Ergebnis informiere ich Sie in einer zweiten Mail (der Betreff der Nachricht ist bei OpenPetition nicht frei wählbar, so dass aus "technischen" Gründen diese Mail vorweggesendet werden muss).

    Herzliche Grüße
    Sebastian Raupach

  • Sehr geehrte Mitunterzeichnerin, sehr geehrter Mitunterzeichner des Offenen Briefes „Wir sind Wissenschaft“,

    der Brief der Allianz der Wissenschaftsorganisationen und die Eckpunkte der Reform des wissenschaftszeitvertragsgesetzes sind inzwischen offenbar auf folgender Seite im Netz verfügbar:
    biwifo-bawue.verdi.de/service/nachrichten/++co++647e61d0-15a3-11e5-a6f7-525400248a66 .

    Nach einer Online-Meldung von heute (02.07.) hat die Koalition den Einwand der Allianz der Wissenschaftsorganisationen jetzt zurückgewiesen und sich auf die Eckpunkte der Reform geeinigt:
    www.taz.de/Zeitvertraege-in-der-Wissenschaft/!5209397/ .

    Ich wünsche Ihnen einen guten Arbeitstag und ein schönes Wochenende
    herzliche Grüße
    Sebastian Raupach

Pro

Ich unterstütze die Forderung nach mehr unbefristeten Stellen für wissenschaftliche Mitarbeiter. Es führt zu keiner volkswirtschaftlichen Perspektive wenn Universitäten sich Stellenflexibilitäten von über 60% bei wissenschaftlichen Mitarbeiter halten. Hierdurch wird nur eine Schwächung des Wissenschaftsstandorts Deutschland durch Abwanderung ins Ausland forciert. Nur die exzellente Wissenschaft hat es Rohstoffarmen Ländern wie Japan, Südkorea und Deutschland ermöglicht nachdem 2. Weltkrieg wieder innerhalb von wenigen Jahrzehnten die Wohlstandsspitzengruppe zu erreichen.

Contra

Noch kein CONTRA Argument.