01.03.2026, 14:50
Franziska Heck
Offenburg
Sie ist seit 2023 Lokalredakteurin in Offenburg. Mittelbadische Presse, ( Offenburger Tageblatt )
Es war die dritte Infoveranstaltung zum anstehenden Bürgerentscheid, es war die größte – und die letzte. In sechs Tagen ist es schon so weit, dann dürfen 47.000 Abstimmungsberechtigte in Offenburg ein Kreuzchen setzen. Mindestens 9400 davon müssen entweder mit Ja stimmen, also für die Entwicklung des Sonderlandeplatzes zu einem Gewerbegebiet, oder mit Nein, damit das Ergebnis bindend ist. Wie auch immer dieses Ergebnis ausfällt: "Es gibt auch einen 9. März", erinnerte OB Marco Steffens am Freitagabend in der Oberrheinhalle, "und da sollten sich alle noch in die Augen sehen können".
Von ungefähr kam diese Aussage nicht, denn bei der Infoveranstaltung wurde es hitzig. Schon bevor der offizielle Teil startete, diskutierten die interessierten Bürger an 20 Infotafeln herzhaft miteinander, die Wörter "Umweltschutz" und "Gewerbesteuer"schossen wie Ping Pong-Bälle durch die Luft, Hände fuchtelten wild herum, Notizen wurden gezückt.
Grünes Gewerbegebiet
Auf der Bühne präsentierte zunächst Leon Feuerlein, Abteilungsleiter Stadtplanung, den aktuellen Stand der Planung. Er musste selbst einräumen, dass die Gewerbegebiete in Offenburg aus den 1960er/1970er-Jahren "das Thema Grün nicht besonders ernst nehmen". Aber das wolle man bei diesem Vorhaben besser machen – Feuerlein sprach von einem grün gestalteten Gewerbegebiet mit vielen Baumpflanzungen.
Im Anschluss hatten neun Akteure jeweils dreieinhalb Minuten Zeit, ihren Standpunkt zu erläutern, um verschiedene Blickwinkel zu präsentieren (siehe Info unten). Danach konnten Zuhörer Fragen an das Podium stellen.
Kritik an Fliegergruppe
"Fliegen ist umweltschädigend, ich habe deswegen viel Lärm auf meiner Terrasse, und der Verein folgt keinem gemeinnützigen Zweck", wandte sich etwa ein Mann an Cynthia Huber von der Fliegergruppe. "Wie können Sie es gegenüber gemeinnützigen Vereinen verantworten, ein Gelände mit Millionenvermögen kostenlos zu nutzen?" Sichtlich überrumpelt von dieser Frage, konnte Huber darauf nichts erwidern.
Steffens schaltete sich ein und bemerkte, dass es in Offenburg in der Tat keinen Verein gebe, der so viel Fläche mit nur so wenigen Mitgliedern nutzt. "Unser Hobby passt eben nicht in einen Rucksack wie ein Tennisschläger", entgegnete Huber, und außerdem würden andere ja auch Emissionen verursachen, wenn sie etwa Auto fahren. "Es ist aber ein Unterschied, ob ich Auto fahre, um zur Arbeit zu kommen, oder zum reinen Vergnügen über Offenburg fliege", meinte ein anderer aus dem Publikum.
Warum so ein Wirbel?
Ein weiterer Zuhörer wandte sich an Steffens: "Das Gewerbegebiet auf dem Flugplatz entspricht bei der Gesamt-Gewerbefläche in Offenburg rund vier bis fünf Prozent, die dazukommen." Die Frage werde aber so hochstilisiert, als würde die ganze wirtschaftliche Zukunft der Stadt davon abhängen, dass jetzt an dieser Stelle ein Gebiet entwickelt wird. Steffens: "Die 20 wichtigsten Unternehmen dieser Stadt machen 80 Prozent der Einnahmen aus. Insofern hat das natürlich eine deutliche Wirkung!"
Wie viel die Gewerbesteuer eigentlich im städtischen Haushalt ausmacht, wollte ein anderer Bürger wissen. Laut Steffens waren das im vergangenen Jahr rund 100 Millionen Euro. "Davon bleiben rund 40 Millionen Euro bei uns. Das heißt auf zehn Jahre gerechnet: 400 Millionen Euro haben oder nicht haben."
Arten müssen geschützt werden
Eine Frau hatte recherchiert: "Zum Schutz der Arten ist es verboten, die Fläche zu bebauen, die Stadt muss erst eine Ausnahme beantragen." Laut Steffens sei das "daily business" (das tägliche Geschäft). Außerdem blieben mehr als zwei Drittel der Fläche "ja komplett unangetastet".
Eine andere Frage lautete, wie man das Gewerbegebiet denn möglichst umweltfreundlich gestalten könne. Steffens nannte die Fassaden- oder Dachflächenbegrünung, die die Temperatur im Inneren senken würde. "So wird weniger Energie benötigt, um das Gebäude zu kühlen oder beheizen."
Stephan Trahasch von der Hochschule ergänzte, dass auf Zufahrtswege geachtet würde, damit möglichst viele mit öffentlichem Nahverkehr kommen können. Und Werner Mäurer von Hiwin stellte klar: "Es ist nicht im Sinne der Industrie, einen Bauklotz zu bauen – kein Mensch will mehr in einem Bunker arbeiten, wir müssen attraktive Arbeitsplätze gestalten."
INFO: So argumentierte das Podium
Thomas Rothkegel, Vorstand der Einwohnergemeinschaft Offenburg-Hildboltsweier, kritisierte den Zeitdruck hinter der Maßnahme, denn nichts sei wirklich geplant, zu viel noch unklar. "Das ist wie ein Flugzeug, das ohne Kompass startet. Gefährlich und unsicher! Wer jetzt zustimmt, steigt ins Flugzeug in dem Wissen: Am Ziel gibt's noch keine Landebahn."
Rolf Leonhardt, Sprecher der Bürgerinitiative "Pro Flugplatz" erinnerte daran, weshalb Städtereisen so beliebt sind: "Wohl nicht, um triste Gewerbegebiete in Augenschein zu nehmen, sondern um Orte aufzusuchen, die eine Geschichte zu erzählen haben." Viel