14.08.2026, 14:09
Seit Jahren hören Millionen Arbeitnehmer dieselbe Botschaft:
Die Rente wird zu teuer. Wir müssen länger arbeiten. Die „Rente mit 63“ muss weg. Das Rentenalter muss steigen.
Und wieder diskutiert die Politik. Über 63, 65, 67 oder sogar 70. Über Übergangsfristen und neue Modelle.
Was mir dabei zunehmend fehlt, ist eine andere Frage:
Wie glaubwürdig ist eine Politik, die den Menschen ständig erklärt, für ihre Altersvorsorge sei nicht genügend Geld vorhanden, während sie an anderer Stelle kaum dieselbe Konsequenz bei der Verwendung von Steuergeldern zeigt?
Aktuell wird beispielsweise über 612 Millionen Euro für Entwicklungsprojekte mit Gleichstellung als Hauptziel diskutiert.
Man kann über Sinn und Nutzen solcher Projekte differenziert diskutieren. Aber man muss genauso fragen dürfen, welche Prioritäten ein Staat setzt, der gleichzeitig seinen Bürgern erklärt, jahrzehntelange Beitragsleistungen seien kaum noch finanzierbar.
Ist unsere Rente wirklich „unbezahlbar“?
Ein aktueller Faktencheck zur gesetzlichen Rentenversicherung zeigt interessante Zahlen:
1997 entsprachen die Ausgaben der gesetzlichen Rentenversicherung rund 10,0 % des BIP, 2003 waren es 10,4 %.
2024: 9,3 %.
Der Beitragssatz liegt aktuell bei 18,6 % und damit unter früheren Höchstständen von über 20 %.
Auch der Anteil der Bundesmittel an den Einnahmen der Rentenversicherung ist laut dieser Auswertung nicht explodiert, sondern von rund 34 % im Jahr 2003 auf 29 % im Jahr 2024 gesunken.
Natürlich kommt der demografische Wandel. Natürlich brauchen wir Reformen.
Aber diese Zahlen passen nicht zu einer Debatte, in der teilweise der Eindruck entsteht, unsere gesetzliche Rente stehe unmittelbar vor dem finanziellen Kollaps.
Und jetzt soll wieder die Lebensarbeitszeit die Lösung sein?
Besonders kritisch sehe ich die Diskussion über die sogenannte „Rente mit 63“.
Schon der Begriff führt heute in die Irre.
Wer 45 Versicherungsjahre erreicht, kann keineswegs generell mit 63 abschlagsfrei in Rente gehen. Für jüngere Jahrgänge steigt die Altersgrenze bereits – für ab 1964 Geborene liegt sie bei 65 Jahren.
Trotzdem wird über eine weitere Einschränkung oder Abschaffung diskutiert.
Man muss sich vor Augen führen, worüber wir reden:
45 Jahre arbeiten.
45 Jahre Beiträge zahlen.
45 Jahre dieses Land wirtschaftlich mittragen.
Und anschließend erklären wir diesen Menschen, dass selbst das möglicherweise nicht mehr reicht?
Gleichzeitig bleibt eine zentrale Frage unangetastet.
Warum zahlen Arbeitnehmer selbstverständlich in die gesetzliche Rentenversicherung ein, während andere Gruppen weiterhin außerhalb dieses gemeinsamen Systems stehen?
Warum diskutieren wir zuerst darüber, wie lange Menschen noch länger arbeiten müssen, bevor wir darüber entscheiden, wer überhaupt in dieses System einzahlen sollte?
Genau deshalb fordert meine Petition:
ALLE Erwerbstätigen müssen perspektivisch in ein gemeinsames gesetzliches Alterssicherungssystem einzahlen.
Arbeitnehmer. Beamte. Politiker. Selbstständige.
Natürlich mit vernünftigen Übergangsregelungen und unter Wahrung bestehender Ansprüche.
Aber mit einem klaren Ziel:
Ein System. Gleiche Regeln. Gemeinsame Verantwortung.
Solidarität funktioniert auf Dauer nicht, wenn sie immer nur von denselben verlangt wird.
Was mich besonders stört: Es wird diskutiert – aber nicht entschieden.
Rentenniveau. Rente mit 63. Rente mit 67. Rente mit 70. Aktivrente. Kapitaldeckung. Beamtenpensionen.
Kommissionen werden eingesetzt, Vorschläge präsentiert, Parteien widersprechen sich und neue Übergangsfristen werden diskutiert.
Aber wo bleibt die große strukturelle Entscheidung?
Deutschland braucht nicht die nächste Rentendebatte.
Deutschland braucht den politischen Mut, das System grundsätzlich neu zu ordnen.
Dazu gehört auch eine ehrliche Diskussion über Staatsausgaben.
Wer Arbeitnehmern erklärt, dass für ihre Rente nach 45 Beitragsjahren das Geld knapp wird, muss gleichzeitig überzeugend erklären können, warum andere staatliche Ausgaben wichtiger sind.
Das ist keine Forderung nach einem Ende der Entwicklungshilfe.
Es ist eine Forderung nach Prioritäten, Transparenz und Glaubwürdigkeit.
Denn die gesetzliche Rente ist kein Geschenk des Staates. Millionen Menschen finanzieren sie jeden Monat aus ihrem Arbeitseinkommen.
Bevor wir ihnen immer neue Belastungen zumuten, sollten wir endlich die entscheidende Frage beantworten:
Wer trägt unser Alterssicherungssystem – und warum tragen es nicht alle gemeinsam?
Genau deshalb steht meine Petition für:
FÜR EIN FAIRES RENTENSYSTEM – ALL