• Der Petition wurde nicht entsprochen

    at 30 Jul 2018 09:13

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    Liebe Unterzeichner der Petition,

    leider wurde der Petition nicht entsprochen. Weder unser Kirchengemeinderat, noch die vielen Unterschriften oder die zahlreichen weiteren Aktionen führten zu einem positiven Ergebnis.

    Im Kirchenrecht genügt es, wenn Zweifel an der Eignung eines Pastors in der Probezeit geäußert werden, um einen Vertrag nicht zu verlängern oder ein auf Dauer ausgelegtes Arbeitsverhältnis zu begründen. Bleiben wir an der Oberfläche des ganzen Vorgangs, wäre alles gesagt.
    ABER: was in der Zeit nach dem „Entfernen“ unseres Pastors geschah, war der eigentliche Skandal. Auf sehr (un-)professionelle Weise nahm der neue Propst den Vorgang sehr persönlich und war überrascht von dem unerwarteten Widerstand. Um seine Zweifel an Stephan Meyers Amtsführung zu untermauern rief er in der Kirchengemeinde und vor dem Kirchengemeinderat dazu auf, Stephan Meyer zu denunzieren und zu diffamieren. Er verdrehte Wahrheiten, manipulierte und trieb einen Keil zwischen die Kirchengemeindemitglieder. Ein ganzer Stab an Pressemitarbeitern und Juristen kam für eine „korrekte“ Außendarstellung und um die Wogen zu glätten nach Herrnburg. Unidirektional wurde mantraartig auf die Rechtmäßigkeit des Vorganges verwiesen. Das Kirchenrecht der EKD ist frei im Internet einsehbar, dabei wird jedem juristischem Laien klar, dass es massive Verfahrensfehler von Seiten des Propstes und des Landeskirchenamtes gab. Es ist in dem Kirchengesetz explizit beschrieben, welche Instrumente in der Probezeit anzuwenden sind, welche Möglichkeiten der Verwaltung zur Verfügung stehen. Offensichtlich wurde das bestehende Kirchenrecht nicht angewendet, bewusst oder aus Unwissenheit. Umso betroffener und sprachlos machte es, wenn man tiefer in die Vorgänge eintauchte. Kolleginnen und Kollegen von Stephan Meyer trauen sich, aus Angst vor Repressalien, nicht offen über diesen Vorgang zu sprechen. Es herrscht eine große Angst der Kirchenfrauen und –männer, die dazu führt, dass nie Klartext gesprochen wurde, sondern in Gleichnissen.
    Eine unglückliche Wortwahl benutzte der neu gewählte Propst häufig genug selbst:
    - die Kirchengemeinde Herrnburg betreibe einen Personenkult
    - einzig der heilige Geist sei für eine gute Gemeindearbeit verantwortlich
    - Stephan Meyer kenne er nicht persönlich
    - Kirchengemeindemitglieder wurden abwertend als „Protest von der Straße“ beschimpft
    - Kirchensteuergelder sollten nicht für einen [Anm.: wie Stephan Meyer] verschwendet werden.

    Von verschiedenen Seiten wurde Druck auf die Kirchengemeinde und den Kirchengemeinderat ausgeübt, die Entscheidung des Propstes und der Verwaltung endlich anzunehmen und nicht weiter zu hinterfragen. Das gut bekannte „Deckmäntelchen des Schweigens“ sollte über den ganzen Vorgang gelegt werden. Aufklärung war in der Kirche schon immer verpönt. Wie können aber im 21. Jahrhundert solche Aussagen getroffen werden? Christliche Werte im Vorgang und tröstende Worte für die Kirchengemeinde suchte man vergebens. Stattdessen laufen hinter den Kulissen Ränke- und Machtspiele zwischen Propst, Bischof, Verwaltung und Synode. Stephan Meyer als Bauernopfer in dieser Seifenoper. Nicht das erste Mal, dass mit Mitteln der DDR gegen Stephan Meyer vorgegangen wurde. Entgegen des vergangenen Regimes wären von Seiten der Kirche christliche Werte im Umgang mit Stephan Meyer wünschenswert gewesen.
    Ein Interimspastor für Herrnburg wurde schnell gefunden. Aus der anfänglichen Präsenz in der Gemeinde wurden schnell nur noch Vertretungsgottesdienste des Vertreters. Diese werden nun von allen Seiten geduldet. Von Friede und Aufblühen einer Kirchengemeinde sind wir leider noch weit entfernt. Es finden sich Menschen, die verleumderische Anklagen vorbringen, es gibt Menschen, die diese dann ungeprüft übernehmen. Es gibt Menschen, die einfach nur wegschauen, sich nicht trauen den Mund aufzumachen oder tätig zu werden und es gibt diejenigen, die die Gelegenheit nutzen um Nachzutreten. Es gibt solche Menschen, die ihre Hände in Unschuld waschen, weil man ja nichts mehr machen könne, andere umarmen dich freundlich, werden dich aber verraten. Dabei lässt man einen Menschen einfach so beruflich, wie auch privat über die Klinge springen.

    Wir bedauern die Entscheidung und den Ausgang aller Bemühungen sehr und sind überaus betroffen. Eine Kirche, die sich selbst als modern, versöhnend und christlich ansieht, gesteht ihre Fehler nicht ein und reicht nicht die Hand.
    Angesichts dieser Situation hinterfragt man sich, ist das die Kirche, mit der ich noch weitergehen kann? Wie viel Wert hat eine Kirche, die im Ernstfall nicht zu ihrer Gemeinde und zu ihren Mitarbeitern steht?

    Nach diesem Ausgang kann jeder die verschiedensten Gründe für den Ausgang dieser Angelegenheit suchen und vermuten; an mangelnder Präsenz und mangelndem Einsatz lag es jedenfalls nicht.

    Wir wünschen uns für Stephan Meyer und die Kirchengemeinde neue Chancen und Möglichkeiten für die Zukunft.

    Schöne Woche,

    Christoph Buske und Boris Niederquell

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