Region: Bad Vilbel
Dialog

Rechenzentrumscampus in Bad Vilbel: Wachstum mit Augenmaß

Petition richtet sich an
Bürgermeister Sebastian Wysocki

805 Unterschriften

Sammlung beendet

805 Unterschriften

Sammlung beendet

  1. Gestartet Juli 2025
  2. Sammlung beendet
  3. Eingereicht am 18.08.2025
  4. Dialog mit Empfänger
  5. Entscheidung

Neuigkeiten

08.02.2026, 04:28

Die Entscheidung der Stadtverordnetenversammlung in Groß-Gerau sollte die politischen Verantwortlichen in Bad Vilbel aufrütteln.

Dort wurde ein milliardenschweres Rechenzentrumsprojekt nach intensiver und kontroverser Debatte mehrheitlich abgelehnt – trotz wirtschaftlicher Perspektiven. Der Grund: zu viele offene Fragen bei Sicherheit, Klimabelastung, Katastrophenschutz und kommunaler Tragfähigkeit.

Die Botschaft ist eindeutig: Gute Kommunalpolitik erkennt den Unterschied zwischen Fortschritt und Risiko – und hat den Mut, im Zweifel auf die Bremse zu treten. Genau dieser Mut ist jetzt auch in Bad Vilbel gefragt. Denn das geplante Rechenzentrum „Im Schleid“ ist kein gewöhnliches Gewerbeprojekt. Es geht um kritische Infrastruktur mit potenziell weitreichenden Folgen für Sicherheit, Lebensqualität und die langfristige Entwicklung unserer Stadt. Wer dieses Vorhaben ermöglicht, trifft eine Entscheidung, deren Auswirkungen über Generationen spürbar sein können.

In Groß-Gerau wurden konkrete Risiken benannt: massive Baukörper mit möglichen Auswirkungen auf Luftzirkulation und lokale Hitzeentwicklung, begrenzte Arbeitsplatzperspektiven, unsichere Steuereinnahmen – und vor allem die sicherheitspolitische Dimension. Große Rechenzentren können potenzielle Ziele für Terrorismus, Cyberangriffe und hybride Bedrohungen sein. Gleichzeitig erhöhen sie die Anforderungen an Katastrophenschutz und kommunale Infrastruktur erheblich.

Die entscheidende Frage lautet daher:
Warum sollte ein Risiko, das andernorts als zu hoch bewertet wurde, ausgerechnet für Bad Vilbel akzeptabel sein?

Hinzu kommt, dass nach unserer Einschätzung zentrale Anforderungen des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) berührt sind. Ob diese am vorgesehenen Standort zweifelsfrei erfüllt werden können, wurde bislang nicht transparent dargelegt.

Noch beunruhigender ist jedoch eine andere Frage – vielleicht die wichtigste überhaupt:

- Wer haftet im Ernstfall?
- Wer übernimmt Verantwortung nach einem Angriff?
- Wer trägt die Kosten bei großflächigen technischen Ausfällen?
- Wer kommt für gesundheitliche oder ökologische Schäden auf?
- Und wer schützt die wirtschaftliche Existenz betroffener Anwohner?

Solange darauf keine klaren und verbindlichen Antworten existieren, bedeutet jedes weitere Vorantreiben dieses Projekts, Risiken bewusst in Kauf zu nehmen.

Gleichzeitig möchten wir eines klarstellen: Wir sind keine Fortschrittsverhinderer. Rechenzentren sind Teil der digitalen Zukunft, und die Rhein-Main-Region ist ein bedeutender Datenstandort. Doch Zukunftsfähigkeit entsteht nicht durch Tempo, sondern durch Verantwortung.
Als Bürgerinitiative haben wir daher immer unsere Bereitschaft zu ernsthaften und ergebnisoffenen Verhandlungen mit dem Betreiber Vantage Data Centers betont. Gespräche können ein sinnvoller Weg sein – aber nur, wenn sie klare Bedingungen verfolgen: höchste Sicherheitsstandards, transparente Haftungsregelungen, messbare Vorteile für die Kommune und ein überzeugendes Schutzkonzept für Bevölkerung und Umwelt.

Was wir ablehnen, ist ein Verfahren, das den Eindruck erweckt, als sei die Entscheidung längst gefallen, während zentrale Fragen noch offen sind.
Mit Blick auf die bevorstehende Kommunalwahl bekommt diese Debatte eine zusätzliche demokratische Dimension.

Bürgerinnen und Bürger haben ein Recht darauf zu wissen:
- Wer ist bereit, dieses Risiko politisch zu verantworten?
- Wer fordert eine ergebnisoffene Neubewertung?
- Wer besteht auf vollständiger Transparenz?
- Und wer stellt Sicherheit klar über wirtschaftliche Erwartungen?

Diese Fragen werden nicht folgenlos bleiben. Entscheidungen dieser Tragweite prägen politisches Vertrauen – oder zerstören es. Politische Führung zeigt sich nicht darin, große Projekte möglichst schnell zu realisieren. Sie zeigt sich darin, innezuhalten, wenn Zweifel bestehen, Risiken ehrlich zu benennen und Schaden von der Bevölkerung abzuwenden.

Deshalb richten wir einen eindringlichen Appell an Magistrat und Stadtverordnetenversammlung:
- Stoppen Sie das Verfahren jetzt.
- Prüfen Sie den Standort neu.
- Klären Sie die Haftungsfrage.
- Legen Sie Sicherheitsbewertungen offen.
- Und führen Sie eine echte öffentliche Debatte, bevor unumkehrbare Fakten geschaffen werden.

Groß-Gerau hat vorgemacht, was verantwortungsvolle Kommunalpolitik bedeutet: wirtschaftliche Chancen abzuwägen – und im Zweifel Sicherheit höher zu gewichten.

Bad Vilbel sollte sich daran ein Beispiel nehmen.

Denn eines ist sicher:
Wer heute entscheidet, wird morgen an dieser Entscheidung gemessen werden.
Jetzt ist der Moment für politische Weitsicht. Nicht später.

Bürgerinitiative Digitalisierung mit Augenmaß


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