Sehr geehrte Frau Dr. Hendricks, Umweltministerin der Bundesrepublik Deutschland, sehr geehrter Herr Wenzel, Umweltminister des Landes Niedersachsen, sehr geehrter Herr König, Präsident des Bundesamtes für Strahlenschutz!

Wir sorgen uns um die weitere Entwicklung im Atommüll-Lager Asse II bei Wolfenbüttel. Hier wird nicht nach dem Stand von Wissenschaft und Technik gearbeitet, obwohl im Bergwerk Asse II ca. 50.000 Kubikmeter Atommüll und außerdem hochgiftige Stoffe lagern. Darunter sind ca. 28 kg Plutonium, ca.102 t Uran, ca. 87 t Thorium, Kernbrennstoffe und ca. 500 kg Arsen.

In den nächsten Monaten will das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) einen Stollen auf der 750 m-Sohle mit Sorelbeton verfüllen, die „2. südliche Richtstrecke nach Westen“. Dieser Stollen führt vor den verschlossenen Atommüll-Einlagerungskammern entlang.

Wir wenden uns dagegen.

In diesem Stollen werden gegenwärtig an verschiedenen Stellen teilweise radioaktiv kontaminierte Salzlösungen („Laugen“) aufgefangen. Diese stammen vermutlich aus dem Laugenzufluss von 12 m³ täglich und haben wohl den Atommüll in den Kammern durchflossen. Täglich wird neben 20 bis 30 Litern radioaktiver Lauge auf dieser Sohle auch etwa ein halber Kubikmeter an Lauge aufgefangen, die noch nicht kontaminiert ist. Wenn der betreffende Stollen verfüllt wird, könnten etwaige neue Laugenzuflüsse nicht mehr aus den Kammern abfließen, also auch nicht mehr gefunden und abgepumpt werden.

Es droht die schleichende Flutung des Atommülls auf der 750 m-Sohle.

Die vom Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) geplante Verfüllung würde die Rückholung des Atommülls erschweren und die radiologischen Risiken in der Asse erhöhen. Die wissenschaftliche Kritik an dem Vorhaben wurde vom Betreiber und von den niedersächsischen Genehmigungsbehörden bislang ignoriert. Eine fachliche, wissenschaftliche Begründung und Abwägung zu den Stellungnahmen der Wissenschaftler der Asse 2 Begleitgruppe (AGO) gibt es nicht.

Wir, die Unterzeichnenden, fordern:

  1. Alle Arbeiten im Bergwerk sind in ihren Auswirkungen auf die Rückholung abzuwägen und zu dokumentieren. Der Betreiber muss endlich eine detaillierte Planung für die Rückholung des Atommülls vorlegen!

  2. Der fragliche Stollen, die „2. südliche Richtstrecke nach Westen auf der 750 m-Sohle“, ist offen zu halten und zu pflegen, solange ausreichende Bergsicherheit gegeben ist!

  3. Das Notfallkonzept ist zu revidieren: Atommüll muss möglichst trocken gehalten werden, Durchnässung und Auflösung dürfen nicht billigend in Kauf genommen werden!

Andreas Riekeberg, Heike Wiegel, Udo Dettmann

für den Asse II-Koordinationskreis aus Bürgerinitiativen, Organisationen und Einzelpersonen, die sich gegen die Flutung der Asse engagieren

Hintergründe und mehr Informationen auf www.asse-watch.de/petition.html

Razões

Die Lage in der Asse

50.000 Kubikmeter Atommüll wurden von 1967 bis 1978 in das Salzbergwerk Asse II eingelagert. Seit 30 Jahren fließen täglich mehr als 12 Kubikmeter Lauge (Salzwasser) in das Bergwerk hinein. Solange Atommüll darin ist, kann man die Schachtanlage nicht sich selbst überlassen. Man muss die Lauge auffangen und abtransportieren, damit der Atommüll nicht in ihr aufgelöst wird und die Radionuklide durch Konvergenz und Gasbildung ausgepresst werden: in die Umwelt und damit gegebenenfalls bis ins Trinkwasser.

Auf der 750 m-Sohle wird auf einer Begleitstrecke vor den verschlossenen Atommüll-Kammern radioaktiv kontaminierte Lauge mit rostfarbenen Partikeln aufgefangen (siehe Foto). Es ist anzunehmen, dass die Lauge von oben in Atommüll-Kammern eingedrungen und durch rostige Atommüll-Fässer geflossen ist, und dass sie dabei Rostpartikel und Radioaktivität aufgenommen hat. Die gefürchtete Auflösung des Atommülls hat schon begonnen.

Das Bundesamt für Strahlenschutz will die sogenannte „2. südliche Richtstrecke nach Westen“ mit Sorelbeton vollständig ausbetonieren, obwohl hier Salzlösungen (darunter auch radioaktive Laugen) aufgefangen werden. Dazu hat es den Sonderbetriebsplan Nr. 1/2016 beim Landesbergamt, beim niedersächsischen Umweltministerium (NMU) und bei der BfS-internen Endlagerüberwachung als zuständigen Genehmigungsbehörden vorgelegt und zugelassen bekommen. In diesen Genehmigungsunterlagen sind die Stellungnahmen der Wissenschaftler der Asse-2-Begleitgruppe nicht enthalten. BfS und die Genehmigungsbehörden haben auch nicht begründet, warum sie bei ihren Entscheidungen die Vorschläge dieser Wissenschaftler nicht angemessen berücksichtigen.

Nach der Umsetzung dieser Maßnahme würde man nicht mehr erkennen können, wenn dort neue oder qualitativ oder mengenmäßig veränderte Laugenzuflüsse entstehen. Durch die Verfüllung der Strecke wird man blind für die weiteren Entwicklungen auf dieser Sohle! Die Spuren der Auflösung des Atommülls würden unsichtbar gemacht werden. Die in Laugensammelstellen gefassten Lösungen will man durch Rohrleitungen 50 Meter nach oben abpumpen. Ob die Lösungen nach der Betonierung der Strecke den Weg aus den Kammern zu diesen Sammelstellen überhaupt noch finden werden, und ob das Abpumpen langfristig gelingen kann, ist sehr ungewiss.

Es besteht die Gefahr, dass die gegenwärtigen Fließwege aus den Einlagerungskammern durch das zusätzliche Gewicht der Verfüllmasse zugedrückt und damit verschlossen werden. Dann würde sich Lauge in den Kammern aufstauen. Die schleichende Flutung des Atommülls! Lauge könnte mit Atommüll, Metallfässern und Salz reagieren. Dadurch könnte Atommüll in Lösung gehen. Das ist nicht akzeptabel.

Als Begründung für die Verfüllung muss die Bergsicherheit herhalten. Doch es gibt andere Möglichkeiten die Bergsicherheit zu erhöhen. Der Betreiber könnte wesentlich größere Hohlräume in anderen Bereichen verfüllen. Als zweite Begründung dient der angeblich schlechte Zustand der Richtstrecke. Doch Fotos, mit denen das BfS gebirgsmechanische Schäden belegen will, stammen teils von einer anderen Sohle, teils von Nischen, die problemlos zu sanieren wären – ohne die Richtstrecke vollständig zu verfüllen.

Durch die komplette Verfüllung der „2. südlichen Richtstrecke nach Westen“ würde die gesetzlich gebotene Rückholung des Atommülls aus der Asse deutlich erschwert werden. Um einen Bereich neu aufzufahren, in den radioaktive Lauge eingedrungen sein kann, benötigt man umfangreiche Vorsichtsmaßnahmen und atomrechtliche Genehmigungen. Das ist keine normale bergbauliche Routinemaßnahme.

Die beabsichtigte Verfüllung erhöht zudem fahrlässig die radiologischen Risiken bei einem auslegungsüberschreitenden Lösungszutritt in das Salzbergwerk. Die einzigen unterhalb der 700 m-Sohle verbleibenden Hohlräume würden dann in den Atommüll-Kammern selber liegen, oberhalb des Atommülls und zwischen den Fässern. Wenn es keine anderen Hohlräume mehr gibt, wird später eventuell übermäßig zutretende Lauge genau in die Kammern hinein geleitet, anstatt sich außerhalb sammeln und von dort abgepumpt werden zu können. Das wäre eine schlagartige Flutung des Atommülls!

Neue Verbindlichkeiten sind notwendig: Die Stellungnahmen der „Asse II Begleitgruppe“ und der Wissenschaftlergruppe AGO einschließlich der Sondervoten der fachspezifischen Experten müssen in Genehmigungsverfahren aufgenommen und schriftlich bewertet werden. Dieses muss das Bundesumweltministerium anordnen. Genehmigungsverfahren müssen die Auswirkungen des Notfallkonzeptes auf die Rückholung und die Gesamtplanung berücksichtigen, eine Aufgabe für den Betreiber der Asse wie auch für die niedersächsischen Bergbehörde (LBEG), das niedersächsische Umweltministerium und die Endlagerüberwachung des BfS.

Mehr Informationen und Dokumente auf www.asse-watch.de/petition.html

Vielen Dank für Ihre Unterstützung, Asse II-Koordinationskreis De Wolfenbüttel
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  • Guten Morgen,

    die Laufzeit der Petition wird verlängert, auch wenn eine Forderung etwas umformuliert werden muss und neue Adressaten hinzukommen.

    Laut einer Meldung der neuen "Bundesgesellschaft für Endlagerung" hat das Bundesamt für Strahlenschutz als quasi letzte Handlung in Asse II die 2. südliche Richtstrecke nach Westen am 24.4. komplett verfüllt. Am 25.4. ging die Verantwortung auf die BGE über.

    Bekanntgegeben wurde diese Verfüllmaßnahme passenderweise am 2. Mai, als wir in Berlin waren. asse-watch.de/kundgebung.html Die Meldung auf der Seite der BGE: www.bge.de/de/meldungen/2017/05/20170502/ betont ausdrücklich, dass Strecken auch wieder aufgefahren werden können.

    Unsere Rahmen-Forderungen bezüglich Asse II bleiben natürlich aktuell:

    "1. Alle Arbeiten im Bergwerk sind in ihren Auswirkungen auf die Rückholung abzuwägen und zu dokumentieren. Der Betreiber muss endlich eine detaillierte Planung für die Rückholung des Atommülls vorlegen!

    3. Das Notfallkonzept ist zu revidieren: Atommüll muss möglichst trocken gehalten werden, Durchnässung und Auflösung dürfen nicht billigend in Kauf genommen werden!"

    Die zweite Forderung:
    "Der fragliche Stollen, die „2. südliche Richtstrecke nach Westen auf der 750 m-Sohle“, ist offen zu halten und zu pflegen, solange ausreichende Bergsicherheit gegeben ist!"
    wird dagegen etwas umzuformulieren sein.

    Die jetzt abgeschlossene Maßnahme ist laut BfS und BGE reversibel, die Strecke könnte also auch wieder geöffnet werden. Ein Problem stellt sicherlich dar, dass Abflusswege der Lauge aus den Kammern durch die eingebrachte Sorelbeton-Masse zugedrückt worden sein können (s. Anlage). Hier gegebenenfalls wieder Abfluss- und damit Beobachtungsmöglichkeiten herzustellen, dürfte eine aufwendigere Angelegenheit werden.

    Doch Probleme sind dazu da, sie zu lösen, und nicht dazu, vor ihrer realen oder vermeintlichen Größe zu kapitulieren.

    Asse-freundliche Grüße
    Andreas Riekeberg

  • Liebe Asse-Freundinnen und Asse-Freunde,

    Unter dem Motto „Atommüll in der Asse trocken halten! - Betreiber von Asse II darf Kritik nicht länger ignorieren!“ haben wir am 2. Mai in Berlin dagegen protestiert, wie Bundes- und Landesbehörden mit der Schachtanlage Asse II umgehen. Unsere Protestaktion begann um 11 Uhr vor dem Kanzleramt, wurde mit Zwischenkundgebungen am Brandenburger Tor fortgesetzt und endete um nach einer Abschlusskundgebung um 13 Uhr vor dem Bundesumweltministerterium.

    Immer wieder informierten wir über die Problematik von Asse II und das ignorante Handeln des Betreibers. Fotos von den Stationen am Kanzleramt, vor dem Brandenburger Tor mit Blick auf das Reichstagsgebäude, auf dem Pariser Platz und schließlich vor dem Umweltministerium stehen auf der Internetseite www.asse-watch.de/kundgebung.html

    Eine besondere Einlage war jeweils der Auftritt von „Lehrer Bömmel“, der anhand eines großen Tafelbildes von 2,5 x 2 Metern erklärte, was passiert, wenn die Abflusswege aus Atommüllkammern mit Laugenzufluss verschließt. „Wat is ´ne Atommüll-Kammer in de´ Asse? Da stelle ma uns mal janz dumm, und sagen: ´ne Atommüll-Kammer iss enn jroßer, eckijer Raum. Mit ville Fässer drin. Und in de Fässer is Uran und Thorium, Plutonium und Trizium und ... na, ejal. Der Raum hat zwei Löcher. Durch das eene kommt det Wasser rein, un das andere ...“

    Alle Protestierenden fuhren motiviert zu weiteren Aktionen wieder nach Hause. Gut, einmal die Problematik von Asse II dort zu Gehör gebracht zu haben, wo die Organe der Bundesrepublik Deutschland sitzen, die für das Desaster verantwortlich sind.

    Bitte machen Sie doch noch Werbung für unsere Petition: bislang haben wir 1.359 Unterstützer*innen. Und wenigstens 2.000 Menschen, die ihrer Sorge um Asse II Ausdruck verleihen, indem sie die drei Forderungen unterstützen – das wäre schön!

    Wir fordern:

    1. Der Betreiber muss endlich eine detaillierte Planung für die Rückholung des Atommülls vorlegen! Alle Arbeiten im Bergwerk sind in ihren Auswirkungen auf die Rückholung abzuwägen und zu dokumentieren.

    2. Der fragliche Stollen, die „2. südliche Richtstrecke nach Westen auf der 750 m-Sohle“, ist offen zu halten und zu pflegen, solange ausreichende Bergsicherheit gegeben ist!

    3. Das Notfallkonzept ist zu revidieren: Atommüll muss möglichst trocken gehalten werden, Durchnässung und Auflösung dürfen nicht billigend in Kauf genommen werden!

    Mit Asse-freundlichen Grüßen
    Andreas Riekeberg

Pro

Noch kein PRO Argument.

Contra

Noch kein CONTRA Argument.