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Förderung belastungsarmer, nachhaltiger Beleuchtung zur Vermeidung von Lichtverschmutzung

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Landesregierung NRW, vertreten durch die Ministerin für Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz, Ursula Heinen-Esser sowie der Städte- und Gemeindebund NRW, vertreten durch seinen Präsidenten Roland Schäfer
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Das Ausmaß der nicht erwünschten und belastenden Auswirkungen durch den Einsatz von künstlichem Licht in der Nacht (zusammengefasst als „Lichtverschmutzung“ bezeichnet) nimmt stetig zu. Dies beeinträchtigt zunehmend die Gesundheit, das Wohlbefinden, die Lebens- und Wohnqualität und ist einer der entscheidenden Gründe für den Verlust an Artenvielfalt. Die Nacht wird vielerorts zum Tag gemacht. Das direkte Naturerlebnis eines sternenreichen Nachthimmels ist nur noch an sehr wenigen Orten möglich.

Es gibt wirksame Regelungen gegen die Einbringung gefährlicher Stoffe in die Umwelt, gegen Luftverschmutzung und Staubelastung sowie gegen Lärm und CO2-Emissionen aus denen sich konkrete Schutzmaßnahmen ableiten.

Wir fordern, dass entsprechende Regelungen und Maßnahmen auch zur Vermeidung von Lichtverschmutzung in Nordrhein-Westfalen implementiert werden. Die bisherigen gesetzlichen Regelungen auf Bundes- und Landesebene reichen bei weitem nicht aus, dieser besonderen Form der Umweltverschmutzung – der Lichtverschmutzung – Einhalt zu gebieten. Ganz im Gegenteil enthält z.B. der Klimaschutzplan Nordrhein-Westfalens der (vorherigen) Landesregierung als vorgeschlagene Maßnahme zur Erreichung der Klimaschutzziele im Bereich „Energetische Stadt- und Dorfentwicklung/Systemintegration“:

„Die Planung von Beleuchtungsanlagen für Straßen nach entsprechender Normreihe DIN 13201 wird gesetzlich verankert.“ Klimaschutzplan Nordrhein-Westfalen, Klimaschutz und Klimafolgenanpassung, S. 127

Dies hätte eine erhebliche Steigerung der nächtlichen Lichtemissionen zur Folge! Eine gesetzliche Verankerung der DIN/EN 13201 würde die Städte und Kommunen bei Unfällen bei Nichteinhaltung der Beleuchtungsnorm zur Haftung verpflichten und insgesamt zu einer erheblichen Steigerung der Kosten für die öffentliche Straßenbeleuchtung führen.

Wir rufen die Landesregierung dazu auf, die im Klimaschutzplan 2015 vorgeschlagene kontraproduktive Maßnahme zur gesetzlichen Verankerung der DIN/EN 13201 bei der Fortentwicklung zum „Klimaschutzaudit“ zu streichen und stattdessen verpflichtende Maßnahmen zur Vermeidung von Lichtverschmutzung in den „Klimaschutzaudit“ aufzunehmen. Das würde dann in der Tat dabei helfen, den Energieverbrauch und die CO2-Belastung durch die öffentliche Beleuchtung zu senken. Denn die DIN/EN 13201 erzwingt viel mehr Beleuchtung als sinnvoll und erforderlich ist.

Als weitere Sofortmaßnahme schlagen wir vor, dass das Land NRW eine staatliche Förderung der Umstellung auf LED-Außenbeleuchtung vom Kriterium der Belastungsarmut und Nachhaltigkeit der Lichtemission abhängig macht und die Städte und Kommunen in NRW geeignete Maßnahmen ergreifen, um Lichtverschmutzung zu vermeiden.

Wir rufen die Landesregierung NRW sowie Kreise, Städte und Gemeinden dazu auf, verbindliche Regelungen zur Vermeidung der unerwünschten und belastenden Nebenwirkungen von künstlichem Licht in der Nacht vorzunehmen. Dies betrifft sowohl die öffentliche Straßenbeleuchtung, aber insbesondere auch die gewerbliche und private Beleuchtung in der Nacht.

Wir rufen dazu auf, die Handlungsempfehlungen des „Leitfaden zur Neugestaltung und Umrüstung von Außenbeleuchtungsanlagen“ (Bundesamt für Naturschutz – BfN-Skript 543) sowie die Empfehlungen „Für eine natürliche Nacht zum Schutz von Mensch und Umwelt“ der Vereinigung der Sternfreunde e.V., der Astronomischen Gesellschaft e.V. und der Gesellschaft Deutschsprachiger Planetarien e.V. auf Landesebene umzusetzen und sie als Empfehlung für die anderen Bundesländer in die Umweltministerkonferenz der Länder einzubringen, u.a.:

  • Kein Licht nach oben oder in die Horizontale richten
  • Licht nur dort einsetzen, wo es wirklich notwendig ist
  • Nur so viel Licht wie erforderlich einsetzen
  • Licht nur bei Bedarf einschalten
  • Blendung vermeiden
  • Leuchtkörper mit möglichst geringem oder ganz ohne – Blauem Lichtanteil verwenden
  • Fassadenbeleuchtung und Leuchtwerbung minimieren/optimieren und zeitlich begrenzen

Reason

Wir verlieren die Nacht mit Lichtgeschwindigkeit! Die Nacht wird vielerorts zum Tag gemacht!

Bei allem Nutzen hat der Einsatz von künstlichem Licht in der Nacht auch viele Schattenseiten. Es gibt viele Gründe, warum man sparsam und überlegt mit dem künstlichen Licht in der Nacht umgehen und generell die nächtlichen Lichtemissionen begrenzen muss:

  • Die menschliche Gesundheit und das menschliche Wohlbefinden erhalten und die Wohn- und Lebensqualität fördern
  • Die nächtlichen Naturlandschaften, die Artenvielfalt und die Lebensräume nachtaktiver Tiere erhalten
  • Den sternenreichen Nachthimmel und die natürlichen Nachtlandschaften als einzigartiges Naturerlebnis erhalten

Die Bedeutung der Dunkelheit für unsere Gesundheit

Der menschliche Stoffwechsel – unser biologisches Betriebssystem – basiert auf dem stetigen Wechsel von Helligkeit am Tage und Dunkelheit bei Nacht. Jede einzelne Zelle im menschlichen Körper verfügt über eine innere Uhr, die den Stoffwechsel der Zelle steuert. Das natürliche Morgen- und Tageslicht sowie die abendliche und nächtliche Dunkelheit sind unerlässliche Taktgeber. Denn hierdurch werden die vielen inneren Uhren, die einen Eigentakt von ungefähr 24 Stunden haben, koordiniert und im Gleichtakt gehalten. Das ist überlebensnotwendig für den Menschen.

Kommt dieser „zirkadiane Rhythmus“ durcheinander, können z.B. körperliche und seelische Erkrankungen auftreten, u.a. steigt die Wahrscheinlichkeit an Krebs zu erkranken.

Die Bedeutung der natürlichen Nacht für die Artenvielfalt

Das Leben auf unserer Erde ist ein sehr komplexes, in weiten Bereichen noch unerforschtes System. Es hat sich in 3,7 Milliarden Jahren in einem stetigen Wechsel zwischen Tag und Nacht entwickelt. Außerdem ist es u.a. durch Artenvielfalt, ökologische Nischen, Nahrungsketten und eine ausbalancierte Populationsdynamik in Räuber-Beute-Systemen geprägt. Trotz aller technischen Errungenschaften sind wir Menschen abhängig von einer intakten natürlichen Umwelt auf unserem Planeten. Durch künstliches Licht in der Nacht wirken wir ganz erheblich in die ökologischen Systeme ein – ein Beispiel ist die dramatische Dezimierung von Insekten durch die Anlockwirkung der nächtlichen Außenbeleuchtung. Auch viele andere Tiere und Pflanzen haben einen nächtlichen Lebensraum und benötigen Dunkelheit zum Überleben.

Die Bedeutung des sternenreichen Nachthimmels für Wissenschaft, Kultur und Fortschritt

Die Beobachtung des Sternenhimmels hat die Geschichte der Menschheit entscheidend geprägt und bedeutende kulturelle Entwicklungsschritte ermöglicht. Beispielsweise wurden durch die Beobachtung der Gestirne Kalendersysteme entwickelt. Diese ermöglichten eine effektive Landwirtschaft und schufen Freiräume zur weiteren geistigen und kulturellen Entwicklung der Menschheit. Noch heute hat die Astronomie einen sehr hohen wissenschaftlichen Stellenwert und leistet zusammen mit der Raumfahrt einen wesentlichen Beitrag zum Funktionieren der modernen Ökonomie.

Heute gibt es leider immer weniger Orte in Europa, in denen es nachts dunkel wird und an denen man einen sternenreichen Nachthimmel beobachten kann. Auch in ländlichen Bereichen nimmt der Grad der Aufhellung des Nachthimmels und der Nachtlandschaften stetig zu. Viele Menschen haben noch nie die Milchstraße mit eigenen Augen gesehen, da die Nacht immer mehr zum Tag gemacht wird.

Der Blick auf den sternenreichen Nachthimmel bleibt aber auch in Zukunft eine wertvolle Quelle der Inspiration, der Neugier und des Fortschritts.

Lichtverschmutzung zu vermeiden hat viele Vorteile

  • Die Sicherheit wird durch eine gesteigerte Sichtfähigkeit und Dunkeladaption der Augen erhöht
  • Die geringere Blendung verbessert die visuelle Wahrnehmung bei Nacht insgesamt
  • Die zirkadiane Wirkung des Lichts zur falschen Zeit wird verringert
  • Weniger Insekten werden „angelockt“
  • Die nächtliche Lebenswelt wird weniger gestört
  • Die Energiekosten und der CO2-Ausstoß werden verringert
  • Die Lebensdauer der Leuchtkörper wird bei Bedarfssteuerung, Leistungsminderung („dimmen“) und/oder spätnächtliches Ausschalten erhöht und spart Kosten
  • Die Lichtstreuung wird verringert, am Nachthimmel zeigen sich wieder viele Sterne

Weitere Informationen:

Umfangreiche Informationen und Verweise auf weitere Fundstellen finden Sie hier:

Erklärfilm mit Tipps zur Vermeidung von Lichtverschmutzung:

Thank you for your support, Pauline Klimpel from Köln
Question to the initiator

Not yet a PRO argument.

Wen Licht nachts stört der soll die Jalousien zu machen und den Sternenhimmel auf dem Land beobachten. Licht schafft Sicherheit (Kriminalitäts- und Unfallprävention). Ständiges ein- und Ausschalten von Leuchtmitteln sorgt für deren vorzeitiges Ende (vgl. zu Hause: Die maximalen Schaltzyklen sind meistens vor der Betriebszeit erreicht).

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