Gemeinsam mit dem Bürgerverein „Bürger für Ottersleben" e.V. und der Gemeinschaftsschule/ Sekundarschule „Ernst Wille“ tritt der „Berufsverband Bildender Künstler Sachsen-Anhalt“ dafür ein, das aktuell von Zerstörung bedrohte Wandbild „Organisches und Anorganisches“, das Dietrich Fröhner 1978 geschaffen hat, im Original und an originaler Stelle sichtbar zu erhalten.

Die Ernst-Wille-Schule in Magdeburg-Ottersleben soll ab Februar 2019 saniert werden. Im Rahmen der geplanten Baumaßnahme ist eine Außendämmung geplant, von der das Wandbild an der Fassade des Ostgiebels gänzlich überdeckt würde. Auch steht zu befürchten, dass Teile des Wandbildes durch die Aufbringung der Dämmung zerstört werden.

Unser Appell an den Stadtrat und die Stadtverwaltung Magdeburg, die Bauherr der Sanierungsmaßnahme ist, lautet: Das Wandbild soll im Original erhalten werden und an seinem ursprünglichen Platz zukünftig sichtbar bleiben. Es sind Maßnahmen zu ergreifen, die eine Abänderung des Konzepts für die energetische Ertüchtigung des Schulgebäudes vorsehen. Die Zerstörung von Kunst am Bau und Kunst im öffentlichen Raum, die in der Geschichte der DDR eine große Bedeutung hatte und oftmals – so auch im vorliegenden Beispiel – eine sehr hohe gestalterische und technische Qualität besaß, darf nicht weiter fortschreiten!

Begründung

Die endgültige Entscheidung über die Art der Schul-Sanierung soll während der Sitzung des Magdeburger Stadtrates am 24. Januar 2019 getroffen werden. In dieser Sitzung soll die Unterschriftenliste der Befürworter des Erhalts vorgelegt werden, um die Parlamentarier von der Bedeutung unseres Anliegens zu überzeugen. Zielführend wäre ein Beschluss des Stadtrates, der die Bereitstellung von Mehrkosten für die Planänderungen und die modifizierten Baumaßnahmen im Bereich der Dämmung festschreibt.

In den letzten Jahren sind – oftmals leichtfertig – schon zu viele Werke von Künstlern aus der DDR zerstört worden, die sich im öffentlichen Raum oder an Gebäuden befanden. Als sichtbare Zeugen der DDR-Kulturpolitik haben diese Kunstwerke einen hohen zeithistorischen Wert. Darüber hinaus sind sie für die Kultur-, Architektur- und Kunstgeschichte wichtige Relikte, zeugen sie doch oftmals von hoher gestalterischer Qualität. So auch im Falle des Wandbildes „Organisches und Anorganisches“ von Dietrich Fröhner. Dabei gilt es zu bedenken: Kultur-, architektur- und kunsthistorisch von Wert ist nur das Original!

Zum Wandbild: Dietrich Fröhner hat das Wandbild als künstlerischen Beitrag während der Errichtung der Schule im Jahre 1978 angefertigt. Das in Silikat-Farben aufgetragene abstrakte Bild auf dem Ostgiebel des DDR-Schulgebäudes zeigt auf einer unregelmäßigen, vertikal ausgerichteten Grundfläche abstrahierte Flammen und Blasen, die an eine chemische Versuchsanordnung erinnern. Das in zarten Farben gehaltene Gemälde erstreckt sich über die Höhe von drei Etagen und bildet das straßenseitige Erkennungszeichen der Schule. Zwischen den beiden Ostgiebeln der H-förmigen Schule vom Typ „Magdeburg Atrium“ lädt ein offener Hof zum Betreten des Gebäudes ein.

Das Wandbild ist zu einem Identifikationssymbol der Schule geworden und bildet als solches einen wichtigen Bestandteil des Logos der Schule. Auch viele Bürger von Ottersleben identifizieren sich mit dem Kunstwerk und dessen Urheber. Der Künstler Dietrich Fröhner war eng mit dem Stadtteil Ottersleben verbunden, wo er ab Mitte der 1960er Jahre lebte und arbeitete. Einige seiner Gemälde und Grafiken zeigen Ottersleber Ansichten. Für die evangelische Kirche des Stadtteils malte er ein Altarbild. Seine Atelierräume befanden sich in angemieteten Räumen der dortigen Kirchengemeinde.

Zum Künstler Dietrich Fröhner: Dietrich Fröhner (1939–1983), geboren in Nürnberg, wuchs im Erzgebirge auf. Nach dem Studium an der Hochschule für Bildende Künste in Dresden, das er 1964 mit dem Diplom abschloss, zog er nach Magdeburg. Dort arbeitete er – seit 1966 als Mitglied des Verbandes Bildender Künstler der DDR – als freiberuflicher Maler und Grafiker. Mit seinen Werken war er 1965 bis 1984 auf allen Bezirkskunstausstellungen in Magdeburg und in einigen zentralen Ausstellungen der DDR vertreten. „Sein großes Glasmosaik für die Stadt Zerbst, Wandgestaltungen für Magdeburger Schulen und seine Gemeinschaftsarbeit mit Michael Emig für die Staßfurter Schule der Freundschaft bergen in sich die Summe seiner künstlerischen Erfahrungen, die er in seiner kurzen Schaffensphase sammeln konnte. Seine Menschenbilder und Landschaften, vor allem die seines frühen Wohnsitzes Ottersleben, wurden vom Publikum gern angenommen. Besonders bekannt geworden sind seine Blätter vom Magdeburger Dom, die Arbeiten zum Thema ‚Mutter und Kind‘ und die Darstellungen zu literarischen Themen wie etwa Lithographien zu Heinrich Manns ‚Schlaraffenland‘ (u.a. 1971 auf der Internationalen Buchausstellung in Leipzig ausgestellt) und Farbholzschnitte zu Hermann Hesses ‚Glasperlenspiel‘.“ (Jörg-Heiko Bruns, 2004, www.uni-magdeburg.de/mbl/Biografien/1358.htm)

Siehe auch Artikel der Magdeburger Volksstimme vom 20.12.2018: www.volksstimme.de/lokal/magdeburg/sanierung-magdeburger-wollen-wandbild-retten

Siehe auch TV-Beitrag bei Orts-TV Barleben vom 16.01.2019: barleben.ortstv.de/2019/01/16-januar-2019-rettet-das-wandbild-an-der-ernst-wille-schule-in-magdeburg/.

Vielen Dank für Ihre Unterstützung, Berufsverband Bildender Künstler Sachsen-Anhalt e.V. aus Halle (Saale)
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Warum Menschen unterschreiben

  • vor 3 Std.

    Die Schule liegt mir am Herzen. War dort elf Jahre schulelternratsvorsitzende.

  • vor 5 Std.

    Erhalt von Kunstwerken ist wichtig!

  • vor 18 Std.

    Erhalt der Geschichte

  • Nicht öffentlich Hessisch Oldendorf

    vor 19 Std.

    Gehört zu ottersleben

  • vor 19 Std.

    Kunst in der Öffentlichkeit darf nicht noch mehr reduziert werden. Das konkrete Beispiel bietet außerdem einen wertvollen Beitrag dazu, über die Verhältnisse in der DDR zu diskutieren. Außerdem kann mit dem Erhalt des Wandbilder verhindert werden, dass jüngere Geschichte in anschaulicher Form verschwindet.

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