Region: Bavaria
Health

Gegendarstellung zur Petition „Sofortige Abschaffung der Maskenpflicht im Unterricht in Bayern"

Petition is directed to
Bayrischer Landtag
79 Supporters
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  1. Launched September 2020
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Wir möchten klarstellen, dass die Maskenpflicht im Unterricht sehr wohl verhältnismäßig und das beste Mittel unserer Zeit ist. Vermutlich sind wir auf dem Konsens, dass für jeden Schüler in Bayern der Besuch der Schule so umfangreich und alltäglich wie möglich gestaltet werden soll. Bei der Erreichung dieses Ziels haben wir jedoch andere Ansichten:

Es wird angeführt, dass bessere Methoden zur Eindämmung des Infektionsgeschehens im Schulbetrieb möglich seien. Richtig ist, dass die Maske nicht das einzige Mittel dafür sein kann. Die Möglichkeiten der größten Distanzierung und Hygienemaßnahmen sind bereits in dem neuen Konzept ausgeschöpft. Für kleinere Gruppen, größere Abstände und zeitlich versetzten Unterricht fehlen sowohl das Personal, der Platz und auch sonstige Kapazitäten. Da unsere Lehrer schon vor der Corona-Pandemie zu teils Vollzeit gearbeitet haben, wäre es jetzt utopisch eine Verdopplung der Arbeitszeit, bei nur einer Halbierung der Gruppengröße, zu fordern.

Reason

Die empfundene Ungerechtigkeit über die erlaubten privaten Feiern von bis zu 200 Personen, eventuell ohne Maskenpflicht, gegenüber der anstehenden Maskenpflicht in Schulen ist auf den ersten Blick nachvollziehbar. Bei den Schülern handelt es sich jedoch um eine Anzahl von mindestens 1,6 Millionen, die sich täglich begegnen werden. Angeführte Feiern hingegen beherbergen deutlich weniger Menschen, da wie richtig erkannt ein Hygienekonzept erarbeitet werden muss und diese dadurch viel seltener sind.

Es ist offenkundig, wie sehr die Kinder unter der Last des Lockdowns gelitten haben und teilweise immer noch leiden. Die Empörung über die versäumte Zeit ein besseres Hygienekonzept für die Schulen zu entwickeln ist verständlich. Jedoch ist dies keine logische Begründung die aktuellen Maßnahmen mindern zu wollen. Man kann nur mit der aktuellen Lage arbeiten und Fakt ist, dass ein Schulbetrieb in Volllast bisher in der Corona-Zeit nicht stattfand und somit ein extrem schwer einzuschätzendes Risiko darstellt. Da wir uns jedoch vermutlich einig sind, dass ein weiterer Lockdown nicht nur aber vor allem für die Kinder verheerende Folgen hätte, muss beim Beschreiten solch neuer Wege zunächst mit der größtmöglichen Vorsicht vorgegangen werden. Erst dann wird die Datenlage groß genug sein um tatsächliche Infektionsgeschehen einschätzen zu können. Lieber legt man sich jetzt die verhältnismäßig kleinere Last der Masken auf, als wieder komplette Schulschließungen oder sogar einen landesweiten Lockdown zu riskieren.

Für die Befürchtung der Atemnot, Schwindel, Kopfschmerzen und verminderter Konzentrationsfähigkeit gibt es derzeit keinen Anhaltspunkt. Durch die Gestattung jeglicher Community-Masken steht es jedem frei, Masken zu verwenden, bei der die Atmung nur marginal eingeschränkt wird (z.B. Halstuch). Solche Masken haben zwar eine stark verminderte Wirkung, jedoch ist somit gewährleistet, dass jeder in der Lage ist eine Maske zu tragen. Somit kann jeder nach seinem Maß zur Bekämpfung beitragen. Jegliche Barriere vor den Atemwegen ist dabei besser als keine, auch wenn so keine optimale Wirkung gegeben ist.

Vergessen Sie bezüglich der Langzeitfolgen und Praktikabilität für Brillenträger und Hörgerätnutzer nicht, dass viele Berufsgruppen standardmäßig stundenlang medizinische Masken verwenden müssen und es bei richtiger Verwendung keine Probleme gibt. Dabei handelt es sich logischerweise nicht um Kinder, doch auch wenn für diese mehr Hilfe durch die Eltern oder Lehrkräfte erforderlich ist, können wir keinesfalls auf die Kinder bei der Bekämpfung der Pandemie verzichten.

Die Behauptung, Masken würden nicht schützen, da sie Viren durchlassen wird sogar in ihren eigenen Quellen widerlegt. Diese Viren verlassen nämlich nicht einzeln den Mund und die Nase, sondern in Aerosolen und Tröpfchen. Jene werden von Masken, je nach Qualität, sehr wohl zu einem gewissen Grad aufgefangen, wodurch sie die Viruslast in den Klassenzimmern deutlich verringern. Zur Effektivität von Masken werden zahlreiche Quellen aufgelistet. 2

Bezüglich des erhöhten Aufwands, die Masken anzuschaffen und zu reinigen, bleibt zu sagen, dass wir als Gesellschaft gemeinsam gegen die Pandemie kämpfen müssen und dies eines der günstigsten aber zugleich effektivsten Mittel ist. Sich dort herausnehmen zu wollen ist ignorant und fahrlässig.

Das Argument, dass Deutschland zurzeit ein zu geringes Infektionsgeschehen hätte, um solche Maßnahmen zu fordern ist nichtig, da gänzlich unterschiedliche Situationen verglichen werden. Das Risiko, dass ein regulärer Schulbetrieb zum explosionsartigen Anstieg der Zahlen führen könnte, ist zu hoch. Jeder wird es mit Freude begrüßen, wenn sich nach einer gewissen Zeit heraus stellt, dass auf Masken im Unterricht auch verzichtet werden kann. Wie allerdings schon angeführt, fehlt dazu noch die Datenlage. Einzelne Beispiele von Schulen aus anderen Bundesländern mit anderem Infektionsgeschehen reichen dafür nicht aus.

Die Maßnahme der Maskenpflicht ist den Kindern vorerst sehr wohl zumutbar und zugleich eines der wirksamsten Mittel im Kampf gegen COVID-19. Eine solche Petition zur Abschaffung dieser, ist nicht zu Ende gedacht und hinfällig.

1 https://www1.wdr.de/nachrichten/westfalen-lippe/corona-studie-maske-wirksamkeit-100.html 2 https://www.cicero.de/innenpolitik/maskenpflicht-studie-mcmaster-university-holger-schuenemann https://www.tagesschau.de/inland/corona-masken-schutz-studie-101.html https://www.sueddeutsche.de/gesundheit/maske-gesundheitsbehoerden-coronavirus-1.4963751

Thank you for your support, Anna Weber from München
Question to the initiator

Not yet a PRO argument.

Gemeinsam mit meinem Kollegen Martin Hirte habe ich am 04.09. einen offenen Brief an den bayerischen Ministerpräsidenten Söder und den bayerischen Kultusminister Piazolo gesandt, in dem wir uns ausdrücklich als Fachärzte für Kinderheilkunde und Jugendmedizin gegen jede Maskenpflicht an Schulen und gegen Schulschließungen als vermeintliches Mittel der Pandemiestrategie aussprechen.

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