Wir, eine Gruppe von Publizist/innen, Wissenschaftler/innen und Aktivist/innen der Zivilgesellschaft, nehmen die Eröffnung der vierten Deutschen Islamkonferenz (DIK) zum Anlass, eine »Initiative säkularer Islam« zu gründen, die einem Spektrum innerhalb des Islam Sichtbarkeit verleihen soll, das bislang wenig repräsentiert war.

Unsere Position zur DIK: Das neue Format der Deutschen Islamkonferenz begrüßen wir sehr. Die Zusammensetzung der Teilnehmenden ist weit gefächert und spiegelt die Heterogenität des Islam jetzt weitaus besser wieder als in den vergangenen Jahren. Wir hoffen, dass die ins Stocken geratene Diskussion um einen Islam in Deutschland dadurch wieder aufgenommen werden kann.

Unser Selbstverständnis: Säkularität bedeutet für uns die Betonung der positiven Neutralität des Staates und die weitgehende Trennung von Religion und Politik. Wir verstehen Muslim/innen als Bürger/innen einer demokratischen Gesellschaft, die die Rechte und Pflichten aller anderen Bürger/innen teilen. Wir sprechen uns für eine Verbesserung der bürgerlichen Teilhabe von Muslim/innen (etwa durch Bildungsangebote), aber gegen Sonderrechte für Muslim/innen aus. Das im Grundgesetz garantierte Recht auf die Freiheit des Bekenntnisses und auf ungestörte Religionsausübung beinhaltet unserer Ansicht nach nicht das Recht, religiöse Normen im öffentlichen Raum durchzusetzen.

Begründung

Unser Ziel: Wir lehnen ein totalitäres Religionsverständnis ab. Religiöse Texte müssen unserer Meinung nach mit modernen hermeneutischen Verfahren interpretiert werden, um ein zeitgemäßes Islamverständnis zu begründen. Wir sind besorgt über eine zunehmende Muslimfeindlichkeit, gleichzeitig aber auch über einen zunehmenden Islamismus. Wir wollen uns nicht abfinden mit der wachsenden Macht eines demokratiefernen, politisierten Islams, der die Deutungshoheit über den gesamten Islam beansprucht. Die Muslime sind selbst in der Pflicht, den Bedenken der nichtmuslimischen Bevölkerung positiv entgegenzuwirken, nämlich durch die Entwicklung eines Islams, der mit den Menschenrechten voll umfänglich vereinbar ist. Dieser Islam muss der uneingeschränkten Gleichberechtigung von Frauen und Männern, den Rechten von Kindern und der sexuellen Selbstbestimmung des Individuums Rechnung tragen. Das ist unserer Ansicht nach der beste Schutz vor Islamfeindlichkeit.

Unser Verhältnis zur Mehrheitsgesellschaft: Eine Unterscheidung zwischen Gläubigen und Ungläubigen lehnen wir selbstverständlich ab. Ein zeitgemäßer »deutscher« Islam muss außerdem in jeder Hinsicht unabhängig von ausländischen Regierungen und Organisationen sein. Aus diesem Grund, aber auch aufgrund demokratischer Vorbehalte lehnen wir die Anerkennung der Islamverbände als Körperschaften des öffentlichen Rechts ab. Die in dieser Initiative zusammengeschlossenen Personen stehen für einen aufgeklärten, demokratiefähigen Islam, der selbstkritisch und offen für Kritik von außen ist. Uns geht es weder um die Ausbildung islamischer Identitäten noch um die Einführung islamischer Regeln in Schule, Arbeitsplatz oder Universitäten. Wir wollen einen Islam, der auf der Freiheit und dem Selbstbestimmungsrecht des Individuums basiert und ein entspanntes Verhältnis zur deutschen Gesellschaft fördert.


Die Initiatorinnen & Initiatoren:

Ali Ertan Toprak, 49, Präsident der Bundesarbeitsgemeinschaft der Immigrantenverbände und CDU-Mitglied, ist Sprecher der Initiative

Cem Özdemir, 52, war zehn Jahre lang Bundesvorsitzender der Grünen. Mit Volker Beck verfasste der Alevit das Papier »Islam einbürgern«.

Seyran Ateş, 55, ist Anwältin, Autorin und Frauenrechtlerin. 2017 gründete sie eine liberale Moschee und schrieb das Buch »Selam, Frau Imamin«.

Hamed Abdel-Samad, 46, Politologe, bezeichnet sich selbst als Islamkritiker. Zuletzt erschien von ihm »Integration: Ein Protokoll des Scheiterns«.

Lale Akgün, 65, ist Psychologin und saß für die SPD im Bundestag, sie schrieb über Musliminnen, die sich gegen Fundamentalismus wehren.

Ralph Ghadban, 69, ist Politologe und Islamwissenschaftler. 2018 erschien von ihm »Arabische Clans – Die unterschätzte Gefahr«.

Necla Kelek, 60, ist Soziologin und Frauenrechtlerin. Sie beriet deutsche Behörden zu türkischen Sitten, sieht Religion als Integrationshindernis.

Bassam Tibi, 74, ist Politologe und Experte für den politischen Islam. 2018 erschien von ihm »Islamische Zuwanderung und ihre Folgen.

Susanne Schröter, 61, leitet das Frankfurter Forschungszentrum Globaler Islam und ist im Vorstand des Deutschen Orient-Instituts.

Ahmad Mansour, 42, ist Psychologe, Autor und Experte für Islamismus. Er hilft gefährdeten Jugendlichen, prägte den Begriff Generation Allah.

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Neuigkeiten

Pro

Faktisch begründetes Argument für die Unterstützung einer säkularen Entwickung des Islam ist eben die selbe beim Christentum. Den Pfarrer oder Priester, der Waffen segnet, möchte ich sehen. Oh, ich fürchte, ich habe die Evangelikalen vergessen.

Contra

Die Initiatoreninnen/oren sind keine Muslime, Bund aus Aleviten,Atheisten und Homosexuelle,sind Unterstützer von israelischen Besatzung und Diktator Sisi von Ägypten. Diese Leute haben kein Recht über Islam und Muslime zu Urteilen.Mit ihren politischen Erscheinen fördern die nur den Radikalen.

Warum Menschen unterschreiben

  • Regina Kirsten Emmendingen

    vor 1 Tag

    Ich arbeite als Ehrenamtliche mit Flüchtlingen, auch muslimischen. Religiöse Fragen sind mir wichtig - aber eingebunden in unser Grundgesetz und die Menschenrechte. Fragen von Verhältnis Staat zu Religion sind immens wichtig.

  • vor 3 Tagen

    Ich habe in meinem Leben einen gesellschaftlichen Fortschritt in Bezug auf Gleichberechtigung, Sexualität, Anerkennung individueller Vielfalt und Abwendung von sog. Wahrheiten erlebt. Dieser Fortschritt wird nicht nur, aber auch durch einen konservativen Islam bedroht, der behauptet, sich auf eine endgültige Offenbarung Gottes zu stützen. Muslime sollten z.B. wissen, dass Menschen, die nackt baden oder wandern, nicht ihre Würde verlieren und niemanden sexuell provozieren wollen.

  • vor 3 Tagen

    religion empfinde ich als reine privatsache

  • vor 3 Tagen

    Diese Petition ist wichtig, um das Grundgesetz sowie die Grund- und Menschenrechte zu schützen. Außerdem trägt sie zum Abbau der Probleme zwischen Muslimen und Nichtmuslimen bei.

  • vor 4 Tagen

    Wichtig für die Zukunft Deutschlands

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