openPetition wird europäisch. Wenn Sie uns bei der Übersetzung der Plattform von Deutsch nach Deutsch helfen wollen, schreiben Sie uns.
close
Bild zur Petition mit dem Thema: Keine Ausgliederung der psychiatrischen Therapeuten bei Vivantes! Keine Ausgliederung der psychiatrischen Therapeuten bei Vivantes!
Dialog
  • Von: Therapeuteninitiative gegen Ausgliederung mehr
  • An: Herr Senator Mario Czaja, Senator für Gesundheit ...
  • Region: Berlin mehr
    Kategorie: Gesundheit mehr
  • Status: Petent ist im Dialog mit dem Petitionsempfänger
    Sprache: Deutsch
  • Im Dialog
  • 5.171 Unterstützende
    Sammelziel erreicht

Keine Ausgliederung der psychiatrischen Therapeuten bei Vivantes!

-

Der Berliner kommunale Krankenhauskonzern Vivantes (Eigentümer ist das Land Berlin) beabsichtigt, aus betriebswirtschaftlichen Gründen gravierende Maßnahmen zu ergreifen, durch die die Psychiatrischen Kliniken von Vivantes empfindlich getroffen würden: nämlich die Ausgliederung der therapeutischen Berufsgruppen (Ergo-, Musik-, Kunst-, Tanz-, Physiotherapie und Logopädie) in eine Tochtergesellschaft. Der Vergleich mit einer Leiharbeitsfirma drängt sich auf. Die für die Psychiatrie negative Tragweite dieser geplanten Maßnahme wird unserer Meinung nach völlig unterschätzt. Deswegen dieser eindringliche Appell: Keine Ausgliederung der psychiatrischen Therapeuten bei Vivantes! Wir sind gegen jegliche Ausgliederung, auch in der Somatik. Da die Psychiatrie aber von spezifischen Arbeitszusammenhängen geprägt ist, haben wir uns zu dieser psychiatriebezogenen Petition entschlossen.

Und das sind die Hintergründe: In Deutschland werden innerhalb eines Jahres etwa 1 Million Menschen mit psychischen Erkrankungen in Krankenhäusern behandelt. Der Anteil der psychischen Erkrankungen an allen Krankschreibungen hat sich seit dem Jahr 2000 etwa verdoppelt. Das Thema betrifft direkt und indirekt alle: Kinder, Jugendliche, Erwachsene, Senioren, Alleinstehende, Partnerschaften und Familien. In Berlin werden etwa 50 Prozent der Krankenhauspatienten, die wegen psychischer Erkrankungen Hilfe suchen, in Vivantes-Psychiatrien behandelt (stationär, teilstationär und ambulant).

In der Regel kann man sich eine stationäre Behandlung so vorstellen, dass ein Patient von einem Team behandelt wird: dazu gehören Ärzte, Pflegepersonal, Sozialarbeiterinnen sowie die Fachtherapeutinnen aus den Bereichen Ergo-, Musik-, Kunst-, Tanz-, Physiotherapie und Logopädie.

Nun funktioniert psychiatrische Behandlung nicht so, dass man die verschiedenen Komponenten der einzelnen Berufsgruppen unverbunden einfach addiert, sondern nur ein gut aufeinander abgestimmtes, vernetztes Vorgehen macht einen Behandlungserfolg überhaupt erst möglich. Des Weiteren bedarf es einer verlässlichen, konstanten therapeutischen Beziehung zwischen Patient und Mitarbeiter. Nur wenn der Patient die Möglichkeit hat, täglich auf dieselben Mitarbeiter zu treffen und nicht mit ständig wechselndem Personal zu tun hat, kann er Vertrauen fassen und die Behandlung kann gelingen. Nicht selten nimmt für manche Patienten ihre psychische Erkrankung einen so schweren Verlauf, dass ein komplexer Behandlungsbedarf entsteht. Für diese Patienten wechseln sich Phasen stationärer und ambulanter Versorgung ab. Dafür brauchen sie Behandlungs- und Beziehungskontinuität, auch über den mehrfachen Wechsel zwischen stationärem und ambulantem Status hinweg (sektorenübergreifend). Das geht aber nur mit festen Mitarbeiterinnen, die zum Mutterkonzern gehören und nicht mit ausgelagerten Fachtherapeutinnen einer Tochtergesellschaft.

Begründung:

In einer zeitgemäßen Psychiatrie arbeiten Fachtherapeutinnen, die über ihren Tellerrand gucken können. Neben ihrer fachspezifischen Expertise verfügen sie zusätzlich über allgemeinpsychiatrische Kompetenzen und über die Bereitschaft, diese auch einzubringen, wann immer es erforderlich ist: Deeskalieren in aggressiv-angespannten Situationen, Klären, Vermitteln, Zuhören, Antworten geben, Gespräche führen. Das ist moderne Psychiatrie, bei der alle Berufsgruppen Hand in Hand zusammenarbeiten - anders sind psychiatrische Patienten mit schweren Krankheitsverläufen auch gar nicht zu behandeln. Funktionieren kann das Ganze aber nur mit festen Mitarbeiterinnen und nicht mit ausgelagerten Fachtherapeutinnen. Ausgegliederte Therapeutinnen einer Tochtergesellschaft werden schlechter bezahlt und ausgegrenzt. Das führt zu sinkender Motivation, sinkender Identifikation mit Klinik und Behandlungskonzept und insgesamt zu einer Verschlechterung der Behandlungsqualität für unsere psychiatrischen Patienten. Das kann nicht gewollt sein!

Ausgliederung untergräbt den Teamzusammenhalt, der die Basis jeder guten psychiatrischen Behandlung ist. Ausgliederung zerstört psychiatrische Behandlungsstrukturen, die in jahrelanger Arbeit mühsam aufgebaut wurden und tagtäglich gehegt und gepflegt werden. Ausgliederung steht im Widerspruch zum Wesen moderner psychiatrischer Behandlung. Unter anderen haben die folgenden Psychiatrische Kliniken ihre therapeutischen Mitarbeiter_innen nicht ausgegliedert: Psychiatrische Universitätsklinik der Charité, Mitte
Psychiatrische Universitätsklinik im St. Hedwigs Krankenhaus Psychiatrische Klinik Alexianer Berlin Krankenhaus Hedwigshöhe. Im Falle der Nicht-Ausgliederung befände sich Vivantes also in guter Gesellschaft.

Deswegen appellieren wir eindringlich an Sie, Herr Senator Mario Czaja, Senator für Gesundheit und Soziales, Herr Peter Zühlsdorff, Aufsichtsratsvorsitzender von Vivantes, Herr Senator Dr. Ulrich Nußbaum, Senator für Finanzen, die weiteren Damen und Herren des Aufsichtsrates von Vivantes:

Stoppen Sie Ihre Pläne zur Ausgliederung der therapeutischen Berufsgruppen in den Psychiatrien von Vivantes! Setzen sie sich ein für den Erhalt der Behandlungsqualität in den Psychiatrischen Kliniken von Vivantes!

Im Namen aller UnterzeichnerInnen

Berlin, 11.9.2014

Im Namen aller Unterzeichner/innen.

BERLIN, 11.09.2014 (aktiv bis 10.12.2014)


Neuigkeiten

Liebe Unterstützer, der Rundfunk Berlin-Brandenburg hat heute auf seinen Internetseiten rbb-online einen Artikel zu unserer Thematik "Ausgliederung bei Vivantes" veröffentlicht. Es geht um den bislang nicht umgesetzten Beschluss der Berliner SPD, die ...

>>> Zu den Neuigkeiten


Debatte zur Petition

PRO: Die Ausgliederung nichttherapeutischer Leistungen in den Vivanteskliniken ist Teil einer seit 1990 beschleunigten Umverteilung von Besitz zu den Vermögenden durch konservative Politiker, vor deren Karren sich sogar linke Parteien spannen lassen. Wie hier ...

PRO: Die Mitwirkung nichtärztlicher TherapeutInnen ist ein politisch ge-wollter Prozess. In der Struktur der Kliniken wird der gegenseitig verstehende Dialog heute beachtet und anerkannt bzw. ist das Verhältnis von Vertrauen und Deutung auf demokratische Weise ...

Noch kein CONTRA Argument.
>>> Schreiben Sie das erste CONTRA-Petition Argument



Petitionsverlauf


aktuelle Petitionen