„Hätten wir das Wort, hätten wir die Sprache, wir bräuchten die Waffen nicht.“ Ingeborg Bachmann

Die Unterzeichnenden fordern die Stiftung Lesen und ihre Partner auf, in der Vorbereitung des Bundesweiten Vorlesetages 2018 potentielle Ausrichter dafür zu sensibilisieren:

  1. bei der Wahl der Vorleser*innen rechtspopulistischen Positionen keine Verbreitungsmöglichkeit zu bieten, das heißt konkret, dass vor Kindern und Jugendlichen keine Personen lesen, die in der Vergangenheit zur Verbreitung von Positionen gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit beigetragen haben

  2. welche Möglichkeiten es gibt, um Rassismus an Bildungseinrichtungen entgegen zu wirken und Demokratie zu stärken, wie z.B. Workshops über das Netzwerk für Demokratie und Courage www.netzwerk-courage.de/web/299.html oder Bewerbung um den Titel „Schule ohne Rassismus, Schule mit Courage“ www.schule-ohne-rassismus.org/wer-wir-sind/

  3. dass es Empfehlungen für Kinder- und Jugendbücher gibt, die zur Wertestärkung einer pluralistischen Gesellschaft beitragen, wie z.B. Empfehlungen der Initiative „Bilder im Kopf“ bilderimkopf.eu/wp-content/uploads/2017/02/Prospekt.pdf

Razões

Anfang August 2017 wurde bekannt, dass die Stiftung Lesen unter anderem Mandatsträger der AfD per Infopost zu einer Teilnahme am Bundesweiten Vorlesetag am 17. November ermutigt hatte. Der Vorlesetag wird von der Stiftung Lesen in Partnerschaft mit der ZEIT und der Deutschen Bahn Stiftung ausgerichtet. Ziel ist das Vorlesen und Lesen zu stärken. Jeder Interessierte kann teilnehmen. Dass Einladungsschreiben dieses Jahr an eine Partei gingen, deren Mitglieder vielfach rechtspopulistisch und menschenverachtend auftreten, stieß auf breite Kritik. U.a. äußerten sich der PEN Deutschland www.pen-deutschland.de/de/2017/08/04/den-bock-zum-gaertner-gemacht-deutscher-pen-kritisiert-einladung-der-stiftung-lesen-an-mandatstraeger-der-afd/ und die Arbeitsgemeinschaft der Jugendbuchverlage (avj). www.avj-online.de/aktuelles/statement_zum_vorlesetag_2017/ Auf die Kritik reagierte die Stiftung Lesen am 9. August 2017 mit einer Pressemitteilung, in der es heißt: „Die drei Initiatoren nehmen die Kritik an dem breiten Verteiler für Politiker ernst. Sie beobachten die politische Entwicklung, besonders der AfD, und werden ihr Vorgehen 2018 überprüfen.“ Die gesamte Pressemitteilung lesen Sie hier. www.stiftunglesen.de/presseservice/pressemitteilungen/910/

Unsere Argumente

Die Förderung des Lesens und Vorlesens erachten wir als unterstützenswert. Doch kommt es nicht nur darauf an, dass gelesen wird, sondern auch welche Inhalte in Kinder- und Jugendeinrichtungen Verbreitung finden und wer als Repräsentant unserer Gesellschaft wahrgenommen wird. Die Verantwortung darüber, wer zum Vorlesetag liest, wird von der Stiftung Lesung den Veranstaltungsorten überlassen. Einstellungen, die auf die Abschaffung des Pluralismus in Deutschland zielen, die Unsicherheit und Angst schüren, mit Hass und Hetze agieren, dürfen in unseren Bildungseinrichtungen keine Plattform erhalten.

Deswegen fordern wir die Stiftung Lesen auf, sich ihrer gesellschaftlichen Verantwortung zu stellen und zu erklären, wie sie die oben genannten Punkte umsetzen möchte.

Erstunterzeichnende: Anna Kaleri (Autorin, Initiatorin von „Literatur statt Brandsätze“), Michael Kraske (Autor, Journalist), Simone Rafael (Chefredakteurin Belltower.News), Peter Ohlendorf (Filmemacher), Regula Venske (Schriftstellerin, Präsidentin des Pen-Zentrum Deutschland), Dirk Laabs (Journalist, Autor, Filmemacher) sowie Amadeu Antonio Stiftung.

Bildnachweis: © dglimages / fotolia.com

Vielen Dank für Ihre Unterstützung, Literatur statt Brandsätze De Leipzig
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  • Liebe Unterstützer*innen der Petition an die Stiftung Lesen,
    wir haben nicht so viele Unterschriften erzielt, wie wir uns wünschten. Aber jedes Ihrer Argumente wiegt schwer. Sie haben nicht nur den langen Petitionstext gelesen, sondern auch argumentativ begründet, warum Sie ein entschiedenes Auftreten gegen Rassismus für wichtig halten. Vielen Dank dafür!
    Wir haben nun die Stiftung Lesen um einen Termin zur Übergabe sowie ein Gespräch am runden Tisch gebeten und halten Sie informiert.
    Einstellungen gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit sind mit der freiheitlich-demokratischen Grundordnung nicht zu vereinbaren. In diesem Sinne engagieren wir uns weiter, um leise Stimmen hörbarer zu machen. Unterstützen Sie uns bei unseren Projekten in Sachsen! www.lauter-leise.de

  • Liebe Unterzeichnende,
    vielen Dank für Ihre Stimme!

    Am 17.11. ist es nun so weit. Laut MDR aktuell lesen tatsächlich auch AfD-Mitglieder zum Bundesweiten Vorlesetag. www.mdr.de/nachrichten/politik/inland/afd-politiker--zum-vorlesetag-eingeladen-100.html

    Die Stiftung Lesen hat sich inzwischen sowohl schriftlich als auch telefonisch mit uns in Verbindung gesetzt. Trotz beidseitig konstruktiver Grundhaltung bleibt unverändert, dass sich die Stiftung trotz vorhandener Möglichkeiten nicht ausreichend ihrer gesellschaftlichen Verantwortung stellt. Deswegen sollte die Petition noch hörbarer werden.

    www.openpetition.de/petition/online/rassismus-keinen-zugang-zu-kitas-und-schulen

    Bisher haben wir unser Petitionsziel noch nicht erreicht. Allerdings ist es auch etwas aufwändiger zu lesen, zu unterzeichnen, und die Argumente der Unterzeichnenden besitzen eigenes Gewicht.

    Bitte leiten Sie die Petition an Menschen weiter, die sich ebenfalls nicht nur aufregen, sondern Impulse für ein menschenfreundliches Land setzen möchten und dafür, dass jeder mit seinen Möglichkeiten ein wenig dazu beiträgt.

    Freundliche Grüße aus Sachsen, wo dies besonders notwendig erscheint.

    Anna Kaleri
    Autorin, Initiatorin "Literatur statt Brandsätze"

Pro

Eine moderne, liberale Gesellschaft kennt auch Grenzen, nämlich genau dort, wo die freiheitlich-demokratische Grundordnung angegriffen wird. Das geschieht zur Zeit von Vertretern rechter Gruppen und Parteien, die sich einen demokratischen Anstrich geben und parallel menschenverachtende Einstellungen äußern. Junge Menschen sind die Zukunft unseres Landes. Mit ihnen entscheidet sich, ob Intoleranz und Rassismus oder Weltoffenheit und Toleranz zunehmen. Um einen weiteren Rechtsruck verhindern, ist jeder gefragt, eben auch zivilgesellschaftliche Organisationen wie z.B. die Stiftung Lesen.

Contra

Kinder sind jetzt schon durch die linke Erziehung von Kika Zwangsgesteuert .