Sehr geehrte Mitglieder des Petitionsausschusses des Bundestages, Frau Bundesministerin Giffey und Frau Bundesministerin Barley!

Vor einigen Jahren haben wir uns als Familie entschlossen, den schwächsten Mitgliedern in unserer Gesellschaft Unterstützung zu geben: Kindern, die aus den verschiedensten Gründen nicht in ihrem Elternhaus aufwachsen können.

Mit diesem Vorhaben haben wir uns inzwischen unter die Trägerschaft der Praxis Erziehungshilfe in Bergisch Gladbach begeben. Ein Arbeitsbereich der Praxis Erziehungshilfe ist die Beratung und intensive Begleitung von Familien, die bereit sind, Kinder vorübergehend in ihren Familien aufzunehmen.

Diese Kinder werden aus akuten Krisen- und Gefährdungssituationen durch das Jugendamt aus ihrem Zuhause herausgeholt und in Bereitschaftspflegefamilien wie der unseren zeitlich begrenzt untergebracht. Laut statistischem Bundesamt waren davon im Jahr 2017 deutschlandweit 61.400 Kinder und Jugendliche betroffen.

Der Verbleib der Kinder in den Bereitschaftspflegefamilien richtet sich nach dem Verlauf der Perspektivklärung: Wie wird das Kind zukünftig untergebracht? Kann es zurück ins Elternhaus? Benötigt es für seine Entwicklung spezielle Hilfe? Muss gerichtlich verhandelt werden? Kommt eine psychologische Begutachtung der beteiligten Familienangehörigen zur richterlichen Urteilsfindung dazu?

Die Dauer dieser Perspektivklärung sprengt in der Regel die Bedeutung des Wortes „vorübergehend“ oder „vorläufig“ - der Wortlaut aus § 33 SGB VIII „zeitlich befristet“ ist strapazierfähig und dehnbar. Nicht selten ist die Verweildauer der mitunter hoch belasteten oder gar traumatisierten Kinder in unseren „Übergangsfamilien“ mehr als ein Jahr!

In der praktischen Arbeit erleben wir, dass spätestens nach sechs bis neun Monaten die fachliche Distanz dahinschmilzt. Das Kind wird innerhalb dieser Zeit immer mehr Teil der Familie. Muss es dann nach vielen Monaten beispielsweise in eine Dauerpflegestelle wechseln, erlebt es einen erneuten Beziehungsabbruch, eine wiederholte Traumatisierung. Dem Kind wird Schaden zugefügt.

Gerade in den ersten drei Lebensjahren benötigen Kinder Geborgenheit, Stabilität und Kontinuität, um sich gesund entwickeln zu können. Jedes Kind sollte die Chance haben, in einer stabilen Geborgenheit aufzuwachsen! Dafür ist die zeitlich befristete Bereitschaftspflege jedoch nicht vorgesehen.

Wir als Bereitschaftspflegefamilie bauen selbstverständlich zu den Kindern eine Beziehung auf, das ist für sie auch nahezu lebensnotwendig – denn dem Kind wird durch die Inobhutnahme alles Gewohnte, Bekannte, Geliebte genommen.

Nun soll es natürlich intensiv auf- und angenommen werden, um die Zukunftswege zu ebnen und die nächste Hürde zu erleichtern. Je länger jedoch die Verweildauer, desto größer die Löcher, die in die Seelen der Pflegekinder gerissen werden, wenn dann endlich die Perspektive geklärt ist.

Und nicht nur die Pflegekinder, auch die „Pflegegeschwister“ leiden vermehrt – erhebliche Trauerbewältigung wird nötig, bei jedem Kind das in die Familie kommt und wieder geht - jedes Mal neu.

Wir fordern daher eine schnellere Bearbeitung in Jugendämtern und Gerichten! Die Anzahl der Jugendamtmitarbeiter und der Richter an den Amtsgerichten muss erhöht werden!

Reason

Für Ämter und Gerichte sind die Kinder (gezwungenermaßen) Fall-, Akten- oder Vorgangsnummern. In unseren Familien sind sie Adam, Sophia, Isabella oder Fynn mit ihren Ängsten und Hoffnungen. Sie arrangieren sich in ihrer Not, beginnen Beziehungen aufzubauen, zu mögen, zu lieben, ja – zu leben. Sie erleben meist das erste Mal in ihrem Leben, was es heißt, eine Familie zu haben, angenommen zu sein, sich wohlzufühlen. Je länger sie in unseren Familien leben, je fester die Bindung und umso schmerzhafter die Trennung.

Daher: zum Wohle derer, die im Mittelpunkt unserer Gesellschaft stehen sollten und doch im Verlauf solcher Prozesse immer an letzter Stelle sind, benötigen wir eine Beschleunigung.

Jeder sieht sich oft hilflos gegenüber Entscheidungsträgern und amtlichen Abläufen. Helfen Sie mit, den Hilflosesten in unserer Gesellschaft mehr Platz, Fokus oder Gewicht zu verleihen. Zeigen Sie mit uns Verantwortung für schutzbefohlene Kinder!

Thank you for your support, Tabea Pioch from Burscheid
Question to the initiator

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News

  • ...die Hitze scheint mir stärker zuzusetzen, als ich geahnt hätte... Da habe ich doch beim zweiten Mal den gleichen Link geschickt wie in der ersten heutigen Neuigkeit... (Ich werde alt!)
    Aber jetzt und - Entschuldigung noch einmal - gerne rege beteiligen... (für heute ist aber Schluss - versprochen!)
    Tabea Pioch

    kinderschutzverlaeufe.de/?fbclid=IwAR3H5JBTW_kF2hsdj51lQSmftdU2cb-TzsWLW_qYTjaLe0zLVWuuJt6RqGE

  • Noch ein kleiner Nachtrag:

    Im Eifer des Gefechts ist mir der Link zur zweiten Umfrage von "Mitreden - Mitgestalten" unter die Maus gekommen.
    Hier also der Link für den angekündigten dritten Teil:

    forschung-dialogprozess.ikj-mainz.de/index.php/73136?newtest=Y&lang=

    Entschuldigung und trotz alledem - gerne beteiligen! :-)

    Tabea Pioch

  • Ein hitziges Hallo an alle 7438!
    15% haben wir schon erreicht! Die ersten Angebote erhielt ich schon von Mitfahrern, die mich begleiten wollen, wenn ich denn nach Berlin fahre, um die Petition zu überreichen. Das finde ich klasse! Dafür fehlen uns nur noch lumpige 42.562 Unterzeichner... Ein Kinderspiel (?)!
    Viele Ideen und Gedanken wurden in den letzten Wochen wieder verwirklicht. So bekam ich einen Batzen Unterschriften von fleißigen Einradfahrern aus Falkensee - die machten ihre Familie und Schulen (vermutlich aber zu Fuß) unsicher und sammelten bei Mitschülern, Lehrern und sogar den Küchenfrauen Unterschriften. Vielen lieben Dank!!!
    Auf Sommer-, Feuerwehr- oder Kindergartenfesten, in Kirchgemeinden und in Tante-Emma-Läden, bei einigen... weiter

pro

Der Entscheidungsprozess ist ja angemessen lang. Emotionale Prozesse, Bindungsprozesse spielen vor Art. 6 (2) GG aber selten die angemessene Rolle, weil vor Gericht – und in der Öffentlichkeit – entwicklungspsychologische Kompetenz fehlt. Ein Kind, dass mit 1,5 Jahren in Bereitschaftspflege kommt und mit 3 Jahren in Dauerpflege, hat sein halbes Leben (!) in der Bereitschaftspflegefamilie verbracht. Die negativen Folgen des zweiten Beziehungsabbruchs sind kaum zu überschätzen. Es geht hier deshalb darum, Entscheidungen nicht noch zu verzögern, nur weil Personal u./o. Kompetenz fehlt.

contra

Denkt ihr wircklich das es 61.400 Eltern gibt, welche sich um ihre kinder nicht sorgen können??? ein kind aus leiblicher Familie raus zu zerren soll kein Spiel sein meine lieben....und die Zeit um das zu entscheiden wird nie genug sein!!!

Why people sign

  • 3 h. ago

    Siehe Begründung in Petition

  • 3 h. ago

    Selbst Pflegefamilie

  • 4 h. ago

    Weil es um das Kindeswohl geht.

  • 17 h. ago

    Kinder sind unsere Zukunft! Und sie haben nur wenig Chance sich selbst zu beschützen!

  • Annette Egler Marienheide

    18 h. ago

    Für das Kindeswohl ist es zwingend notwendig, schnelle Entscheidungen zu treffen, damit das Kind nicht noch mehr traumatisiert wird, wenn es nach längerer Zeit in BP einen erneuten Bindungsabbruch erleiden muss. Das Kind weiß oftmals nicht, wohin es gehört und ist sehr verunsichert.

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