30.05.2026, 15:31
Nach ca. sechs Monaten intensiver Gespräche zwischen Bayer04, den Bündnisparteien im Monheimer Stadtrat und Bürgermeisterin Sonja Wienecke steht fest: Für den Standort an der Alfred-Nobel-Straße konnte keine tragfähige, gemeinsame Lösung gefunden werden.
Die Bündnisparteien haben in Ihrer gemeinsamen Erklärung deutlich gemacht, die Anpassungen von Bayer ernsthaft geprüft zu haben. Zwar wurde die Planung verändert, dennoch umfasst die zuletzt vorgestellte Variante weiterhin 10,5 Fußballfelder, Funktionsgebäude sowie weitere Infrastruktur auf 15 ha Fläche.
Damit bleibt der Kernkonflikt bestehen: Ein großflächiges, abgeschottetes Leistungszentrum für lediglich 250 Talente und Profisportler soll in einem besonders sensiblen Freiraum entstehen. Für eine der am dichtesten besiedelten Städte in NRW sind die wenigen verbleibenden Freiflächen jedoch von herausragender Bedeutung – für Natur, Klima, Naherholung und die Lebensqualität der über 40.000 BürgerInnen.
Am 5.11.25 wurde das Bauleitverfahren durch den neu gewählten Stadtrat aufgehoben. Nach aufgeschlossenen Gesprächen und Vorschlägen zu umsetzbaren Alternativplanungen haben die Parteien CDU, SPD und Grünen nun deutlich gemacht, dass die Planung an der Alfred-Nobel-Str. keine Zustimmung erfährt. Letztlich fanden die Gespräche aufgrund fehlender Kompromissbereitschaft von Bayer04 ein Ende. Dennoch akzeptiert Bayer04 dieses Ergebnis nicht, sondern verkauft marginale Änderungen öffentlich als zustimmungsfähigen Entwurf.
Auch die von Bayer hervorgehobenen Punkte ändern nichts am Grundproblem: Eine marginal kleinere Fläche ist nicht automatisch eine verträgliche Fläche. Ein vergrößerter Abstand zur Wohnbebauung beseitigt nicht die Konflikte durch Lärm, Flut- und Wachstumslichtanlagen, Verkehr und Betriebsabläufe. Wirtschaftliche Versprechen wie zusätzliche Arbeitsplätze oder mögliche Energieangebote dürfen nicht darüber hinwegtäuschen, dass ein ökologisch und städtebaulich hochsensibler Standort dauerhaft verändert werden soll. Im Ergebnis bleibt festzuhalten: Eine Verkleinerung des Campus um 2 Fußballplätze und 1 Parkhaus stellt nach wie vor keine tragfähige Lösung für Monheim dar.
Die Annahme, der Campus koste nichts, täuscht. Hoher Wasserverbrauch und negative Klimafolgen schaden Monheims Infrastruktur und Lebensqualität dauerhaft – ein unwiderruflicher Preis, den künftige Generationen teuer bezahlen.
Die von Bayer04 beworbene Flächenreduktion um 33% ist bei genauerer Betrachtung falsch, da sie auf der Vermischung von versiegelten und unversiegelten Flächen basiert. Bezieht man sich rein auf die entscheidende versiegelte Fläche, schrumpft diese im Vergleich zur Ursprungsplanung (Stand: 03/25) lediglich von 18 auf 15 Hektar – d.h. nur um 15%.
Erst recht ist die von der PETO beworbene Verkleinerung um 50 % nicht zu erkennen. Dabei geht die PETO scheinbar von einer Bezugsgröße von 30 Ha aus, die am Standort Alfred-Nobel-Straße nie geplant und als unsachlich eingestuft werden muss.
Selbst die überarbeitete Planung weist erhebliche ökologische Defizite auf: Da zwei Drittel der Fläche (66 %) nach wie vor im regionalen Grünzug liegen, lässt sich der drohende Funktionsverlust nicht durch einen schmalen Grünstreifen kompensieren. Die von Bayer genutzten Visualisierungen täuschen über die tatsächliche ökologische Entwertung hinweg.
Die Parteien haben umsetzbare Alternativen vorgeschlagen – u.a. eine interkommunale Lösung mit Leverkusen. Diese wurden mit Verweis auf zukünftige Ausbaureserven für den Bayer Standort Crop Science von Bayer04 abgelehnt – trotz vorhandener, umfangreicher Ausbaureserven auf dem Crop Science Gelände. Mit der gleichen Begründung wurde die bayer-eigene Alternativfläche südlich Crop Science abgelehnt. Eine Bebauung der Fläche „Alfred-Nobel-Straße“ ist in diesem Kontext erst recht nicht vermittelbar.
Für uns bleibt klar: Die Planung an der Alfred-Nobel-Straße darf nicht weiter verfolgt werden. Statt medialen Druck aufzubauen, sollte Bayer04 die demokratische Lage in Monheim akzeptieren und sich einer ergebnisoffenen Alternativenprüfung stellen.
Wir danken den Bündnisparteien ausdrücklich für ihre Haltung u. für die klare Aussage, dass der Schutz von Freiflächen, Natur und Wohnumfeld der entscheidende Maßstab bleibt. Auch der Bürgermeisterin danken wir für Ihre Anerkennung der Bedeutung der Naturflächen und der damit verbundenen Bekräftigung ihres Wahlversprechens.
Das irreführende Agieren von Bayer04 in Zusammenarbeit mit der PETO zielt darauf ab, Zustimmung für den Campus in der Öffentlichkeit zu suggerieren und dadurch einen Gegensatz zu den politischen Entscheidungen der Parteien CDU, SPD und Grüne künstlich zu erzeugen und in der Konsequenz ihre Haltung zu delegitimieren.
Zu dieser Zielsetzung passt, dass Bayer04 am 08.06. im Bürgerhaus Baumberg Pläne bei den Bürgern bewirbt, für die sich gar keine politische Mehrheit abzeichnet.
Wahlversprechen, Freiflächenschutz und demokratische Verantwortung zählen mehr als eine PR-Kampagne.