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  • Petition in Zeichnung - Wir engagieren uns für den Bärenbrunnen

    17-06-17 15:01 Uhr

    Wir engagieren uns für den Bärenbrunnen

    Drei Chemnitzer Bürger für drei Chemnitzer Bären

    Yvonne Weber; Soziologin und Autorin

    Es ist für mich nicht hinnehmbar, dass Kunst im öffentlichen Raum, die Jahrzehnte überdauert hat und als zeitloses Unikat die Menschen erfreute, plötzlich auf dem „Müllhaufen der Geschichte“ verschwinden soll. Einer Stadt sollten ihre traditionellen Werte wichtig sein, da sie identitätsstiftend wirken. Entwurzelung als eine Folge der Moderne führt früher oder später ins Chaos.

    Viele Chemnitzerinnen und Chemnitzer verbinden den Brunnen mit ihrer Kindheit. Damit weckt das künstlerische Kleinod schöne Erinnerungen. Doch auch in Zukunft sollen Kinder die Bären bestaunen und am Brunnen spielen können.

    Damit vereint der Brunnen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft als Bindekitt der Generationen.

    Sandro Schmalfuß; Immobilienentwickler und Bürgerinitiative stadtbild chemnitz

    Ich wünsche mir ein Chemnitz, indem das Engagement von Bürgern für die bauliche Stadtentwicklung von der Kommunalpolitik und der Stadtverwaltung ernst genommen wird. Vom Abriss der vielen Gründerzeithäuser in Chemnitz, über den Versuch den Stadionturm im Sportforum abzureisen, bis hin zum Bärenbrunnen hat man dieses Engagement oft ignoriert. Ich wünsche mir auch, dass Chemnitzer Kunst- und Bauwerke von der Kommunalpolitik und der Stadtverwaltung, wie beim Stadionturm und beim Bärenbrunnen geschehen, nicht unter den Verdacht ihrer Entstehungszeit gestellt werden.

    Die Resonanz der Bürger auf die vielen Aktivitäten der Bürgerinitiative stadtbild chemnitz in den letzten 10 Jahren hat gezeigt, dass die Chemnitzerinnen und Chemnitzer eine Stadt möchten, die nicht nur modern ist sondern auch schön, die mit Chemnitz zu tun hat und den Stolz und die Tradition ihrer Stadt im Stadtbild zeigt.

    Der Bärenbrunnen ist ein Teil von Chemnitz. Er hat für viele Generationen in Chemnitz, wie auch in Karl-Marx-Stadt, als liebenswertes Stück der Heimatstadt funktioniert und er wird heute vermisst. In einer Innenstadt, die fast nur aus Neuem besteht, braucht es den Bezug zur Vergangenheit als Verbindung zu heute. So entsteht das Profil einer Stadt, die geliebt wird. Dresden und Leipzig machen es vor.

    Heute engagieren sich Bürger für die Rückkehr des Bärenbrunnens in die Chemnitzer Innenstadt und im ersten Augenblick finden der Stadtrat und die Stadtverwaltung eine Masse an Argumenten warum das nicht gehen soll und lehnen die Idee ab, anstatt die Bürger ihrer Stadt, für die sie da sein sollen, zu motivieren und zu unterstützen.

    Lars Faßmann; Unternehmer und Stadtrat:

    Nachdem der Antrag zur Wiedererrichtung des allseits beliebten Bärenbrunnens in der Stadtratssitzung vom 10.5.2017 an der Einigkeit der meisten Stadträte gescheitert ist, sich nicht einig zu sein, soll die Petition den Willen der Bürgerinnen und Bürger widerspiegeln.

    Der SPD-Fraktion schwebt nur „neue“ Kunst im öffentlichen Raum vor. Wahrscheinlich, weil der Stadtrat in den letzten Jahrzehnten kaum etwas Dauerhaftes in dieser Richtung auf die Reihe gebracht hat und jetzt endlich mit Aktionismus vorpreschen will. Der Tassenbrunnen lässt grüßen.

    Die Fraktion Die Linke besteht auf einer Prüfung wie beim „Brunnen der Jugend im Sozialismus“, der übrigens etwas mehr als dreißig Mal größer ist, als der Brunnen mit den drei kleinen Bären. Der Stadtrat sollte bei Investitionskosten von ca. 30.000 Euro auch gleich entscheiden können, bevor die Prüfung und die noch längere Diskussion dann teurer als das eigentliche Objekt werden.

    Den eigentlichen Vogel schießt aber der studierte Kunsthistoriker Thomas Lehmann ab. Er hat sein Totschlagargument zur Nazivergangenheit des Künstlers Otto Pilz zwei Stunden vor seiner denkwürdigen Rede aus der Stellungnahme der Verwaltung gefischt. Die Verwaltung hat die Information aus Wikipedia abgeschrieben. Wikipedia-Autor "Paulae" hat die Information aus dem Buch "Otto Pilz. Akademischer Tierbildhauer" (2008) abgeschrieben, indem das Lebenswerk des Künstlers gewürdigt wird. Im Buch wird (im Gegensatz zum Wikipedia-Artikel) ausführlich die prekäre wirtschaftliche Notlage der Familie Pilz geschildert, die letztendlich wohl zum NSDAP-Beitritt des schwerkranken Künstlers führte. Ohne NSDAP-Mitgliedschaft hätte es keine Aufträge für Gesellschaftskünstler wie Pilz gegeben und nicht alle hatten das Geld oder die gesundheitliche Kraft zum Auswandern (Feststellung, keine Rechtfertigung). Zehn Monate nach seinem NSDAP-Beitritt verstarb Pilz an seiner Erkrankung.

  • Petition in Zeichnung - Wie der Bärenbrunnen nach Chemnitz kam

    27-05-17 14:51 Uhr

    Das künstlerische Kleinod mit den drei Bären des Tierbildhauers Otto Pilz, das Generationen von Chemnitzer und Karl-Marx-Städter Kindern in der Erinnerung geblieben ist, war einmal an zwei Standorten in der Chemnitzer Innenstadt zu Hause. Zuerst, seit 1914, befand sich der Bärenbrunnen an der Brückenstraße, Ecke der damaligen Königstraße auf einer kleinen Straßeninsel vor dem Zeitungskiosk der dort damals stand. Das war noch bis in die zweite Hälfte der 1950er Jahre so, als sich an der Straßenkreuzung nach der Zerstörung der alten Gebäude im Zweiten Weltkrieg, interimsweise ein Neubau mit Verkaufseinrichtungen befand.

    Damals besaß der Bärenbrunnen noch sein originales rundes Brunnenbecken. Es bestand aus Muschelkalk und wurde von einem quadratischen Sockel getragen. Darauf befand sich innenliegend ein großer Würfel auf den die drei Braunbären aus Bronze, neugierig nach vorn bzw. in das Wasserbecken schauten. Der Brunnen war ca. 2 Meter hoch.

    Zum ersten Mal öffentlich zu sehen war der Bärenbrunnen im Jahr 1910 in Dresden bei der 1. Ausstellung der Künstlervereinigung Dresden in den Räumen der Königlichen Kunstakademie im Ausstellungspalast an der Brühlschen Terrasse.

    In Chemnitz wurde man im Jahr 1913 auf den Bärenbrunnen aufmerksam als er auf der internationalen Baufachausstellung in Leipzig ausgestellt war.

    Am 27.03.1914 berichtete das Chemnitzer Tageblatt Nr. 86 folgendes:

    „Bärenbrunnen Chemnitz

    Auf der Internationalen Baufachausstellung in Leipzig war ein kleiner Zierbrunnen von Bildhauer Otto Pilz in Blasewitz aufgestellt, der insbesondere auch in seiner Bekrönung mit einer Gruppe junger Bären sehr reizvoll wirkte und den Wunsch auftauchen ließ, ihn für unsere an solchen Schmuck armen Stadt zu erwerben und hier auf öffentlichen Platze aufzustellen. Herr Fabrikdirektor Bruno Salzer erklärte sich Herrn Stadtrat Lehmann, Vorsitzenden des Verschönerungsvereins, gegenüber in dankenswerter Weise bereit, die Mittel für Erwerbung und Aufstellung des Brunnens zu stiften, während die Stadt nur die Kosten für die Wasserzuführung zu tragen hat.
    Als Platz der Aufstellung wurde im Einvernehmen mit Herrn Stadtbaurat Möbius und Architekt Wagner der Vorplatz vor dem Zeitungshäuschen an der Brückenstraße, im Zuge der Königstraße, gewählt, nicht in axialer Stellung, sondern seitlich vor dem Fenster des Häuschens.
    Die Bärengruppe ist aus Bronze, der übrige Brunnen mit Wasserbecken aus Muschelkalk. Die Höhe des Brunnens, der auf einem etwa 20 cm hohen Podest zur Aufstellung gelangt, beträgt 2 Meter.
    Die Stadtverordneten beschäftigen sich in ihrer gestrigen Sitzung mit dieser Brunnenstiftung. (Siehe Sitzungsbericht) Berichte des Verfassungsausschusses.

    Herr Dr. Bräger berichtet zur Ratsvorlage, betreffend die Aufstellung eines der Stadtgemeinde schenkungsweise überlassenen Brunnens (Bärenbrunnen) an der Brückenstraße. Der Verfassungsausschuß empfiehlt dem Kollegium durch den Berichterstatter, dem Ratsbeschlusse beizutreten und sich mit der Aufstellung des Bärenbrunnens an der Brückenstraße einverstanden zu erklären, sowie die Kosten für die Wasserzuführung im Betrage von 310 M. aus laufenden Mitteln zu bewilligen. Dem Vorschlag wird debattenlos gegen einen Stimme zugestimmt.“

    Der Bärenbrunnen überstand zwei Weltkriege und alle politischen Umbrüche im 20. Jahrhundert. Einmal bestand jedoch die Gefahr der Einschmelzung der Bären. Mit einem als „Geheim“ bezeichneten Formblatt zur Meldung von Bronze- und Kupferbildwerken wurden 1917 die Bären mit einem Metallgewicht von 125 kg und einem geforderten Preis für die Plastik von 2.400 M. zur Meldung an die Metall-Mobilmachungsstelle der Kriegsrohstoff-Abteilung des Königlich Preußischen Kriegsministeriums Berlin erfasst. Letztendlich wurde aber dem Antrag der Stadt Chemnitz auf Erhaltung wegen des künstlerischen Wertes und als einer „glücklichen Bereicherung der an guten künstlerischen Schmuck armen Innenstadt“ entsprochen.

    Mit der Umgestaltung der Karl-Marx-Städter Innenstadt und dem Umbau der Brückenstraße zur Karl-Marx-Allee ab ca. 1960 bekam der Bärenbrunnen einen neuen Platz im Stadtzentrum. Mit einem neuen Brunnenbecken wurde er am Platz vor dem neuen Sporthaus an der damaligen Wilhelm-Pieck-Straße (Theaterstraße) aufgestellt. Dort saßen die drei Bären auf einer quadratischen Säule aus glattem, rötlichem Gestein, welche sich vor dem Wasserauffangbecken befand.

    Dort ist die Brunnenplastik im Zeitraum vom 10.-23. Februar 2000 gestohlen worden.

    --

    Wir engagieren uns für die Wiedererrichtung des Chemnitzer Bärenbrunnens mit dem noch vorhanden Brunnenbecken und einer Replik der auf zahlreichen Fotografien und Filmaufnahmen dokumentierten Brunnenplastik von Otto Pilz.

    Bitte helfen Sie mit und unterzeichnen Sie die Petition: Ja zur Wiedererrichtung des Chemnitzer Bärenbrunnens.

    Sandro Schmalfuß, Yvonne Weber, Lars Faßmann – Initiative zur Wiedererrichtung des Chemnitzer Bärenbrunnens

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    Quelle: Otto Pilz, Akademischer Tierbildhauer (1876-1934), Sein Leben und Wirken
    Fotografie: Der Bärenbrunnen an der Brückenstraße in Chemnitz um 1940, Filmarchiv Chemnitz, Fotosammlung

  • Redebeiträge im Chemnitzer Stadtrat vor der Abstimmung zum Beschlussantrag: Nr. BA-017/2017 Gegenstand: Wiedererrichtung des Chemnitzer Bärenbrunnens

    25-05-17 23:13 Uhr

    Transkription als Zitat

    Thomas Lehmann, Bündnis 90/Die Grünen, Fraktionsvorsitzender:

    Sehr geehrte Bürgermeister und sehr geehrte Stadträtinnen und Stadträte, sehr geehrte Gäste. Wir Grünen teilen die ablehnende Stellungnahme der Verwaltung zu dem Antrag. Man kann nicht bestreiten, dass wir uns eigentlich immer für Denkmalpflege in dieser Stadt einsetzen. Aber mit dem Bärenbrunnen ist es doch zumindest ähnlich wie mit der Frauenkirche. Wir schaffen ein Denkmal des 21. Jahrhunderts an dieser Stelle. Dieser Art von Romantik und ich komme nun wirklich aus diesem kunsthistorischen Bereich, ist meiner Ansicht nach ein Auswuchs in unserer heutigen Zeit. Gutes Beispiel für mich ist aufm Johannisplatz der Saxoniabrunnen. Der mag zwar den Johannisplatz dort bereichern an der Stelle, aber ein Kunstwerk ist der weiß Gott nicht. Und wer sich mal davor stellt, an den Saxoniabrunnen, wird sehr schnell die total falschen Proportionen an dem Saxoniabrunnen sehen und das ist alles von Bildern geschaffen worden. Diese Figuren, die waren ja alle nicht mehr da. Also ich hab dort echt große Probleme an dieser Stelle. Man kann ja den Saxoniabrunnen am Ende als Kunsthandwerk bezeichnen, aber es hat nichts mehr mit Denkmalpflege oder gar Kunst zu tun.
    Ich glaube wir haben, in der letzten Zeit, sehr viel in der Stadt erreicht. Wir hatten auf Antrag der Fraktionen der Linken, der SPD und von uns Grünen die kommunalen Denkmalpflegemittel von 100.000 auf 200.000 pro Jahr erhöht. Wir haben jetzt endlich wieder eine Haushaltsstelle wieder von 30.000 Euro für die Kunst im öffentlichen Raum und auch das Baudezernat beackert das Feld wieder ganz gut. Das lag ja ganz lange Zeit auch im Argen.
    Ich hoffe ich krieg´ jetzt keine aufn Deckel, weil´s nicht im öffentlichen Teil behandelt wird. Es gibt jetzt eine Beratungsvorlage über den Inhalt im Kulturausschuss und im Bauplanungsausschuss und Umweltausschuss, wo es um die Restaurierung von Kunst gehen wird, wie wir jetzt auch mit dem Geld umgehen wollen, was wir jetzt haben und da geht’s aber um Kunstwerke, die wirklich vorhanden sind, in dieser Stadt. Da geht´s um Sachen die in unseren Magazinen rumliegen und die eigentlich wirklich drauf warten dort hervorgeholt zu werden. Und wenn wir dann dort beraten haben gibt es ne ganze Menge Sachen, die wir dort eigentlich auch wieder hinstellen können am Ende.
    Zu guter Letzt möchte ich nochmal auf mein Hauptargument, sogar was ich noch vorbringen möchte, gegen diesen Antrag. Derzeit läuft die Ausschreibung für die Investorensuche für die Baufelder vor der Johanniskirche und vor dem Tietz. Die läuft wirklich auf Hochtouren und ist ja auch bald beendet. Wir werden uns hier bald damit befassen müssen. Wir werden also in der nächsten Zeit bei diesen Gebieten reden und ich denke es werden doch oder ich hoffe das dort moderne Wohnquartiere entstehen. Auch mit Plätzen die Aufenthaltsqualität am Ende haben sollen und die Gelder für den Verkauf dieser Felder sollen ja wie im Stadtrat besprochen worden, auch in die Gestaltung des öffentlichen Raums hineingehen und deswegen ist für mich schon so´n bissl Blödsinn jetzt zu sagen: „Wir beschließen jetzt den Brunnen in dieses Karree dort zu tun auf´m Johannisplatz und bauen einfach das neue Karree um den Brunnen herum.“ Also ich denke das man dort das Karree bauen sollte. Die Baufelder mit den Investoren planen, um dann mit den Chemnitzerinnen und Chemnitzern diskutieren sollte. „Was mach ich denn mit dem öffentlichen Raum?“ Für ein modernes Wohnquartier gehört vielleicht auch eine moderne Stadtmöblierung. Also ich denke man kann da und muss da nochmal drüber reden. Und nicht zu guter Letzt will ich auch noch als letztes sagen: mich schreckt auch bissl ab, wie es die Verwaltung das auch geschrieben hat, das dieser Künstler aus freien Stücken in die NSDAP gegangen ist und ich möchte, das lehnen wir grundsätzlich ab, wir Grünen lehnen das ab, das wir Repliken von Werken von Leuten schaffen, die in der NSDAP waren. Danke.

    Ulf Kallscheidt, Fraktion SPD:

    Also erstmal für das Ansinnen diesen Brunnen wieder herzustellen, gibt es da nix einzuwenden. Wir sind einer anderen Meinung. Wir stimmen den Antrag nicht zu. Aber vor allem aus dem Grund, das wir für die Johannisvorstadt eben was Neues wollen. Wir leben in der jetzigen Zeit und in der jetzigen Zeit soll es jetzige Kunstwerke geben, ob das Brunnen sind, oder ob das Kunst am Bau, Kunst vor dem Bau ist. Aber besser: immer im Interesse des öffentlichen Raums. Das bewegt uns diesen Antrag abzulehnen. Zudem ist es auch noch so, da bleiben wir uns treu: Auch im Hinblick auf den Jugend im Sozialismus Brunnen es gibt hier und gerade in der Größe, kann es ein wunderbares bürgerschaftliches Engagement geben, diese drei Bären wieder zu reproduzieren und auch wiederaufzustellen. Da bin ich auch fester Überzeugung auch einen Platz in dieser Stadt zu finden. Die Johannisvorstadt sollte es nicht werden. Deswegen lehnen wir das ab.

    Thomas Scherzberg, Fraktion Die Linke:

    Drei Sätze

  • Redebeiträge im Chemnitzer Stadtrat vor der Abstimmung zum Beschlussantrag: Nr. BA-017/2017 Gegenstand: Wiedererrichtung des Chemnitzer Bärenbrunnens, Teil II

    25-05-17 23:13 Uhr

    Thomas Scherzberg, Fraktion Die Linke:

    Drei Sätze auch nur von meiner Seite und auch von der Seite unserer Fraktion. Also wir hätten es ganz gern gesehen, wenn es ein Prüfauftrag geworden wäre. Denn dann hätten wir uns, auch gerade weil wir für Identifikation oder Sachen sind, die identifikationsbildend gewesen sind. Wie damals bei dem Brunnen der Jugend des Sozialismus und wir hätten es auch gern gesehen, um uns nochmal über den Bärenbrunnen unterhalten zu können. Dies wäre mit einem Prüfauftrag geschehen können. Also wie die Kosten sind, wie man diese kompensieren könnte und wo man den Brunnen aufstellen könnte. Denn auch der Standort Johannisplatz ist nicht gerade aus unserer Sicht der optimalste Standort. Wie gesagt wir hätten es gern als Prüfauftrag gesehen, weil wir den Bärenbrunnen auch gerne wieder in unserer Stadt gehabt hätten. Aber es jetzt so festzulegen, das wird jetzt in der Johannisstadt gemacht, das lehnen wir ab und können dem leider nicht zustimmen.

    Almut Patt, Fraktion CDU/FDP:

    Also eine Bitte an die Vertreter der Grünen und der SPD, jetzt gebt euch doch mal einen Ruck. Die VOSI/Piraten haben einen richtig liebenswerten Antrag geschrieben, das ist ein richtig liebenswerter Brunnen. Wir müssen den Leuten doch nicht immer erklären, was sie gut und richtig und schön finden sollen. Manchmal soll es was Neues sein, was Modernes, manchmal ist es was Nostalgisches. Dieser Brunnen hat eine hohe Beliebtheit in der Stadt gehabt, ganz viele kennen ihn, warum nicht wieder aus der Versenkung hochholen bzw. ihm zu neuen Leben zu verhelfen, wenn man ihn zweifellos nicht mehr so zurückbringen kann. Ich finde, dass ist was sehr, sehr Schönes. Damit identifizieren sich sehr viele bei uns in der Stadt. An die Vertreter von den LINKEN, ja dass mit dem Prüfauftrag, das kann ich zwar verstehen, aber ich würde hier sehr dafür plädieren, dass man dem Bärenbrunnen eine Chance gibt. Entweder in dem die VOSI/PIRATEN jetzt in einen Prüfauftrag umwandeln oder in dem man sagt, wir möchten den Bärenbrunnen. Wir werden es unterstützen.

    Joachim Zschocke, Fraktion PRO CHEMNITZ:

    Ich bin auch dafür, dass man sich mal mit dem Bärenbrunnen auseinandersetzt. Es ist ein altes Denkmal aus vergangener Zeit, sag ich mal und ich finde es besser, man spricht vorneweg drüber oder mit der Bevölkerung oder mit dem Stadtrat, als dass so was Schreckliches passiert, wie es vor dem Archäologiemuseum passiert ist, wo dort ein paar Scheite Holz für viel, viel Geld hingestellt worden sind. Die Null bringen. Null.

    Martin Kohlmann, Fraktion PRO CHEMNITZ:

    Ja mich hat die Rede von Herrn Lehmann nachhaltig beeindruckt. Ich hoffe bei sämtlicher DDR-Kunst werden wir jetzt auch, akribisch prüfen ob der Schöpfer in der SED gewesen ist und dann gehe ich doch mal davon aus, das Herr Lehmann sich ganz stark gegen die Wiedererrichtung der entsprechenden Machwerke aussprechen wird.

    Detlef Müller, Fraktion SPD:

    So eine Stadt entwickelt sich ja auch in dem es, was Neues gibt, und nicht dadurch, dass man alles was schon Mal da war, was schön war auch wieder hinstellt. Sondern vielleicht auch durch Verlust, einfach auch weg ist. Zu Frau Patt, den Brunnen gibt es einfach nicht mehr. Das ist der Unterschied zu anderen Brunnen, die vor kurzer Zeit hier im Stadtrat diskutiert wurden. Den gibt es nicht mehr und es ist nicht Aufgabe der Stadt, deswegen stimmen wir ja heute ab. Mal sehen, wie die Abstimmung ausgeht, ob wir uns als Stadt einen neuen Bärenbrunnen schaffen. Ich gehe eher davon aus, auch im Rahmen der Kunst im öffentlichen Raum, vielleicht neue Kunstwerke für die Johannisvorstadt ausschreiben und nicht die alten Brunnen neu herstellen oder hinsetzen. Es mag traurig sein, aber bei der Abstimmung gibt es verschiedene Ansichten zu dem Thema. Wir müssen auch nicht alles, was in der Stadt mal da war, neu hinstellen, deswegen wäre ein Prüfauftrag noch annehmbar gewesen. Dann hätte man gewusst, das kostet es, wie geht dass, aber ultimativ zu sagen, der alte Bärenbrunnen, den ich auch noch kenne vom Sporthochhaus, der soll es wieder werden. Das lehnen wir ab.

    Joachim Zschocke, Fraktion PRO CHEMNITZ:

    Ich bin der Meinung, dass man nicht alles was neu ist modernisiert und modern, verbrämt. Ich denke da mit Schrecken an die innere Klosterstraße, wo dieser schreckliche Metallwürfel vor sich hin rostet und alle Leute verärgert, die dort vorbeigehen. Also man sollte versuchen nicht um jeden Preis hochmodern zu sein, sondern, was spricht dagegen, neben einer alten Kirche, einen alten Brunnen hinzustellen?

    Fotografie: Beispiel-Bild Stadtratssitzung im Ratssaal im Neuen Rathaus Chemnitz