09.07.2026, 11:01
Liebe Unterstützer,
auf dem Wackerberg ist inzwischen - zumindest was die geplanten 10 Windräder der e-regio angeht - eine trügerische Ruhe eingekehrt. Der Energieversorger hat bisher keine Baugenehmigung beantragt und kommuniziert seine Pläne nicht mehr, zumindest nicht öffentlich.
Wir warten jedoch immer noch auf ein klares Statement der Waldbesitzer »Wir verpachten nicht«. Die katholische Kirche ist ganz abgetaucht, viele Mitglieder des Kaller Gemeinderats winden sich in dieser Frage, so auch Bürgermeister Emmanuel Kunz.
Einer (finanziellen) Versuchung von Format würden sie wohl nicht widerstehen - wir werden also weiter Druck ausüben.
Der historische „Judenkirchhof“
Unsere Nachbarn in Mechernich-Glehn müssen sich mit ganz ähnlichen Problemen herumschlagen. Dort will der Dürener Projektierer REA 6 Windräder in die gewachsenen Kulturlandschaft setzen. Ein Wasserschutzgebiet, das die Versorgung von über 25.000 Menschen in der Region sicherstellt, wurde dafür bereits »verschoben«, auch andere Umwelt-Aspekte spielen natürlich keine Rolle. So befindet sich die Aufstellungszone mitten im „Bleibelastungsgebiet Mechernich-Kall“. Massive Erdarbeiten für Zuwegungen und Fundamente könnten die bereits bestehende Belastung weiter verschärfen und zusätzliche Risiken für Mensch und Umwelt schaffen.
Was von der Genehmigungsbehörde und vom Projektierer zunächst völlig übersehen wurde:
In historischen Karten, die bis ins Jahr 1808 zurückreichen, ist ein Teil des vorgesehenen Areals explizit als „Judenkirchhof“ ausgewiesen. Selbst im aktuellen amtlichen Liegenschaftskataster wird diese Lagebezeichnung geführt.
Trotz schriftlicher Hinweise erteilte der Kreis Euskirchen am 21. Mai 2026 die Baugenehmigung für die Windräder. Die Interessengemeinschaft „Gegenwind Glehn“ hat jetzt Strafanzeige gegen den Landrat Markus Ramers bei der Staatsanwaltschaft Bonn erstattet – unter anderem wegen des Verdachts der Störung der Totenruhe (§ 168 StGB) und der Gefährdung eines Bodendenkmals (§ 304 StGB).
Ungleichbehandlung mit Ansage
Besonders bitter: In derselben Baugenehmigung wird eine römische Trümmerstelle penibel geschützt und archäologisch begleitet – während ein dokumentierter jüdischer Friedhof schlichtweg ignoriert wird.
Hubert Braun, Sprecher der IG Gegenwind Glehn, bringt es auf den Punkt: „Wer eine Genehmigung erteilt, ohne ein dokumentiertes Risiko für eine Begräbnisstätte auszuräumen, nimmt die Zerstörung billigend in Kauf.“
Die Stadt Mechernich wird möglicherweise gegen den Kreis Euskirchen eine Klage vor dem Oberverwaltungsgericht Münster einreichen, um die Baugenehmigung zu Fall zu bringen. Schließlich gehe es beim Umgang mit dem jüdischen Erbe um ein sehr sensibles Thema mit einem großen Medieninteresse. Da gelte es, einen irreparablen Imageschaden für die Heimatkommune abzuwenden.
Fazit
Die Vorgänge in Glehn zeigen, wie wichtig gründliche historische Recherchen und eine wache Öffentlichkeit sind. Sie zeigen aber auch: Es gibt Angriffspunkte, mit denen selbst eine bereits erteilte Genehmigung ins Wanken geraten kann.
Die IG Gegenwind Glehn (www.gegenwind-glehn.de) hat eine mutige Entscheidung getroffen und zeigt, dass man sich von Politikern nicht alles gefallen lassen darf.
In der Anlage findet sich eine Pressemitteilung mit weiteren Hintergrundinformationen als PDF-Dokument. Möglichst viele Menschen sollten von diesen Vorgängen erfahren - daher bitte die Infos weitergegeben, per Email und in den sozialen Medien.
Sonnige Grüße vom Wackerberg,
Manfred Kanzler