Klinikum Lippe: Aufklärung jetzt – Ausschuss zur Aufarbeitung einsetzen!

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Neuigkeiten

09.10.2026, 02:15

Die aktuellen Enthüllungen über erhebliche Vergabeverstöße am Klinikum Lippe werfen zunehmend auch Fragen nach der Verantwortung des damaligen Aufsichtsrats auf. In der WDR-Lokalzeit vom 8. Oktober 2026 forderte unser Sprecher, Walter Brinkmann, ausdrücklich, nicht nur die Vorgänge innerhalb der ehemaligen Geschäftsführung, sondern auch die Arbeit des damaligen Aufsichtsrats und seines Vorsitzenden zu untersuchen.

Auch der CDU-Landtagsabgeordnete Klaus Hansen befürchtet laut Lippischer Landes-Zeitung, dass die bisher bekannt gewordenen Vorgänge möglicherweise nur die „Spitze des Eisbergs“ darstellen. Hansen gehört zu den wenigen Politikern, die frühzeitig Hinweise auf Unregelmäßigkeiten ernst genommen und sich für deren Aufklärung eingesetzt haben.

Besonders bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang ein Blick zurück auf den Februar 2023.
Bereits im Februar 2023 hatte der ehemalige Chefarzt der Kinderklinik, Prof. Dr. Thomas Brune, öffentlich die Informations- und Kontrollpraxis des Aufsichtsrats kritisiert. Seine Kritik wurde von politischen Vertretern seinerzeit entschieden zurückgewiesen.

So erklärte Andreas Kasper (CDU) am 1. Februar 2023 gegenüber der Lippischen Landes-Zeitung:
„Der Aufsichtsrat macht einen guten Job, und wir werden stets umfassend informiert. Probleme werden transparent dargestellt. Das Klinikum ist wirtschaftlich gut aufgestellt. Die Zahlen geben der Marschroute von Geschäftsführer Dr. Johannes Hütte recht.

Auch Vertreter anderer Fraktionen stellten sich damals ausdrücklich hinter die Geschäftsführung und den Aufsichtsrat unter Vorsitz des damaligen Landrats Axel Lehmann. Der Tenor war eindeutig: Der Aufsichtsrat sei umfassend informiert, Probleme würden transparent behandelt und die Kontrollmechanismen funktionierten.

Gut dreieinhalb Jahre später ergibt sich ein bemerkenswert anderes Bild.

Derselbe Andreas Kasper erklärt am 8. Oktober 2026 gegenüber der LZ: „Ich sehe massiv einen weiteren Aufklärungsbedarf.“ Er verweist dabei auf einen früheren anonymen Fragenkatalog zu möglichen Verbindungen zwischen politischen Funktionsträgern, Bauunternehmen und Verantwortlichen des Klinikums. Diese Fragen erschienen ihm heute „in einem anderen Licht“.

Auch Ilka Kottmann (SPD), selbst langjähriges Mitglied des Aufsichtsrats, berichtet inzwischen:
„Oft waren die Antworten auf Fragen schwammig.“

Es entsteht der Eindruck, dass sich frühere Verantwortliche inzwischen von der damaligen Informations- und Kontrollpraxis distanzieren. Besondere Bedeutung kommt dabei dem damaligen Landrat und Aufsichtsratsvorsitzenden Axel Lehmann zu. Als Vorsitzender trug er eine herausgehobene Verantwortung für die Organisation der Aufsichtsratsarbeit.

Die aktuellen Feststellungen der Rechnungsprüfung werfen grundlegende Fragen auf:

  • Wie umfassend wurde der Aufsichtsrat tatsächlich informiert?
  • Welche Hinweise auf Unregelmäßigkeiten lagen dem Gremium und seinem Vorsitzenden vor?
  • Wurden kritische Informationen ausreichend überprüft und weiterverfolgt?
  • Weshalb wurde die damalige Kritik an der Informations- und Kontrollpraxis so entschieden zurückgewiesen?
  • Welche Verantwortung tragen die damaligen politischen Kontrollgremien für die nun festgestellten strukturellen Defizite?

Eine vollständige Aufarbeitung der Vorgänge am Klinikum Lippe darf nicht bei der ehemaligen Geschäftsführung enden. Sie muss auch die Rolle des damaligen Aufsichtsrats und insbesondere seines Vorsitzenden umfassen.

Quellen: Lippische Landes-Zeitung vom 01.02.2023, 09.02.2023 und 08.10.2026; Radio Lippe vom 9.2.2023; WDR Lokalzeit OWL vom 08.10.2026.


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