17.10.2026, 05:09
Liebe Freunde des Bündnisses,
in der Lippischen Landes-Zeitung vom 17./18. Oktober 2026 ist ein bemerkenswerter Leserbrief von Prof. Dr. Thomas Brune zur aktuellen Situation am Klinikum Lippe erschienen.
Es ist das erste Mal seit seiner Petition im Februar 2023, dass er sich wieder in dieser Ausführlichkeit öffentlich zu den Vorgängen am Klinikum und insbesondere zur Verantwortung der politischen Kontrollgremien äußert. Mit freundlicher Genehmigung von Prof. Brune dürfen wir seinen Leserbrief hier vollständig wiedergeben:
------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------
„Begründete Warnungen gab es genügend“
Quelle: Lippische Landes-Zeitung, 17./18. Oktober 2026, Seite 49.
Es ist ausdrücklich zu begrüßen, dass die Vorgänge am Klinikum Lippe nun endlich umfassender untersucht werden. Insbesondere Landrat Meinolf Haase verdient Anerkennung dafür, dass die Ergebnisse der Rechnungsprüfung ernst genommen und der Staatsanwaltschaft zugeleitet wurden. Auch dem CDU-Landtagsabgeordneten Klaus Hansen gebührt Respekt. Er hat frühzeitig Hinweise auf Unregelmäßigkeiten aufgegriffen und sich konsequent für deren Aufklärung eingesetzt.
Bei aller Kritik an dem ehemaligen Geschäftsführer des Klinikums sollte allerdings die Rolle des damaligen Aufsichtsrats und seines Vorsitzenden Dr. Axel Lehmann nicht aus dem Blick geraten. Ein Rückblick auf den Februar 2023 ist in diesem Zusammenhang aufschlussreich. Nachdem ich vergeblich versucht hatte, den Aufsichtsratsvorsitzenden und ein Aufsichtsratsmitglied der Grünen auf interne Missstände am Klinikum aufmerksam zu machen, sah ich mich schließlich veranlasst, meine Kritik an der Informations- und Kontrollpraxis des Aufsichtsrats öffentlich zu äußern.
Die Reaktion war bemerkenswert: Nahezu alle politischen Fraktionen stellten sich geschlossen hinter die Geschäftsführung und wiesen meine Kritik zurück. Auch nach meiner Kritik suchte keiner der politischen Verantwortlichen das Gespräch mit mir, um sich ein eigenes Bild von den kritisierten Vorgängen zu machen. CDU-Fraktionschef Andreas Kasper erklärte seinerzeit gegenüber der LZ: „Der Aufsichtsrat macht einen guten Job, und wir werden stets umfassend informiert. Probleme werden transparent dargestellt.“ Auch Vertreter der SPD, der Grünen und der FDP verteidigten damals die Geschäftsführung und die Arbeit des Aufsichtsrats. Lediglich die Linke unterstützte meine Kritik.
Heute klingt das anders. Andreas Kasper sieht nun „massiv einen weiteren Aufklärungsbedarf“ und erklärt, frühere Hinweise auf mögliche Verbindungen zwischen Politik, Bauunternehmen und Klinikverantwortlichen erschienen ihm inzwischen in einem anderen Licht. Ilka Kottmann (SPD), langjähriges Aufsichtsratsmitglied, berichtet, Antworten auf ihre Fragen seien häufig schwammig gewesen. Dabei darf sich die Aufarbeitung keineswegs auf Vergabeverstöße beschränken. Auch der Umgang mit Hygiene- und Brandschutzanforderungen, die damaligen Compliance- und Führungsstrukturen sowie die Ursachen der zahlreichen arbeitsgerichtlichen Auseinandersetzungen gehören auf den Prüfstand. Insbesondere sollte untersucht werden, welche Rolle der Umgang mit kritischen Mitarbeitern bei diesen Konflikten spielte. Wichtig erscheint mir der Umgang mit fachlich begründeter Kritik aus den eigenen Reihen. Es muss untersucht werden, welche Warnungen und Einwände aus diesen Bereichen von ihnen vorlagen, wie damit umgegangen wurde und weshalb kritische Mitarbeiter offenbar so wenig Gehör fanden.
Begründete Warnungen vor problematischen Entwicklungen gab es nach meiner Erfahrung genügend. Entscheidend ist die Frage, warum sie nicht zu einer erkennbaren Kurskorrektur führten.
Es stellt sich die Frage, weshalb sich die politischen Verantwortlichen damals so geschlossen hinter die Geschäftsführung und den Aufsichtsratsvorsitzenden stellten. Welche Informationen lagen ihnen tatsächlich vor? Wurden kritische Hinweise ausreichend geprüft? Oder verließ man sich allein auf die Darstellungen der Geschäftsführung?
Eine umfassende Aufarbeitung muss klären, ob die damaligen Kontrollgremien ihrer Verantwortung tatsächlich gerecht geworden sind – und weshalb kritische Stimmen über Jahre offenbar so wenig Gehör fanden.
Prof. Dr. Thomas Brune, ehemaliger Chefarzt der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin, Klinikum Lippe
------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------
Mit seinem Leserbrief greift Prof. Brune zentrale Anliegen unseres Bündnisses auf: die umfassende Aufklärung der Vorgänge am Klinikum Lippe und insbesondere die Frage nach der Verantwortung der politischen Entscheidungsträger und Kontrollgremien.
Seine Ausführungen unterstreichen, dass sich die Aufarbeitung nicht auf einzelne Vergabeverstöße beschränken darf. Es muss auch untersucht werden, weshalb zahlreiche Warnungen über Jahre offenbar so wenig Gehör fanden.