17.06.2026, 07:35
Liebe Unterstützer der Petition,
bislang haben mehr als 3700 Menschen die Petition gezeichnet. Wir wollen bis zur wahrscheinlich entscheidenden Stadtratssitzung am 1.Juli noch mehr Menschen überzeugen und für die Sache gewinnen. Morgen treffen sich die Vertreter*innen der Leipziger Umweltverbände um über das Thema zu beraten und das weitere Vorgehen abzustimmen. Wir sind uns einig, dass an dem Erhalt des Waldes kein Weg vorbeiführt.
Ebenfalls schicken wir euch bereits den Entwurf zum Aufruf der Demonstration am kommenden Donnerstag zur Kenntnis, der viele Fakten zu den Hintergründen enthält und Morgen finalisiert wird. Weiterhin haben wir die Petition jetzt auch offiziell bei der Stadt eingereicht und sie dürfte ab heute Nachmittag auch auf der Stadtseite zu finden sein.
Mit freundlichen Grüßen
Jürgen Kasek
Entwurf des Aufrufs zur Demonstration:
Aufruf zur Demonstration „Für den Walderhalt“
Die Stadt Leipzig will sich vom Stadtrat die Freigabe holen, um 5,7 Hektar Naturfläche entlang der Capastraße zwischen Lindenau und dem Festplatz an die Red Bull Betriebsanlagen GmbH zu verkaufen. Was als Kompromiss verkauft wird – einerseits den Festplatz für die Kleinmesse zu sichern und andererseits RB weitere Flächen zu verschaffen – ist ein umweltpolitischer Offenbarungseid und ein Skandal.
Entlang des Cottawegs und der Capastraße befindet sich die sensibelste Stelle des Leipziger Auwaldes. Hier liegt die Verbindung zwischen dem nördlichen und südlichen Teil des Waldes. Dieser Korridor ist bereits heute massiv beeinträchtigt, hat aber für Wanderungsbewegungen von Tieren und den genetischen Austausch zwischen Lebensräumen eine herausragende Bedeutung.
Als sich RB 2011 in diesem Bereich ansiedelte, formulierten die Umweltverbände deshalb klare Bedingungen, um ihren Widerstand aufzugeben. Dazu gehörte auch die Renaturierung der heute betroffenen Flächen und die Zusage, dass keine weiteren Grünflächen in Anspruch genommen werden.
RB und die Stadt wussten das. Heute handeln sie wortbrüchig.
Hinzu kommt: Sowohl im Integrierten Stadtentwicklungskonzept als auch im Biotopverbundkonzept der Stadt Leipzig ist dieser Bereich ausdrücklich als Raum benannt, in dem der Biotopverbund zwischen nördlichem und südlichem Auwald gestärkt werden soll. Die Stadt handelt damit nicht nur gegen die Natur, sondern auch gegen ihre eigenen Planungen und Ziele.
Die ökologische Bedeutung der Fläche wird dabei systematisch kleingeredet. In den Unterlagen ist von „Gehölzstrukturen“ die Rede, verbunden mit dem Hinweis, die Fläche sei erst vor rund 30 Jahren renaturiert worden und zuvor Teil einer Kleingartenanlage gewesen. Verschwiegen wird, dass es sich heute teilweise um Wald im Sinne des Sächsischen Waldgesetzes und im Übrigen um eine ökologisch wertvolle Sukzessionsfläche handelt. Ebenso wird ausgeblendet, dass dort 38 Vogelarten nachgewiesen wurden.
Doch der Verlust betrifft nicht nur Tiere und Pflanzen. Vernichtet wird auch eine wichtige Kaltluftentstehungsfläche in einer Stadt, die bereits heute unter zunehmender Überhitzung leidet. Die Folgen werden die angrenzenden Stadtteile spüren. Gleichzeitig verschwinden mit den Gehölzstrukturen auch wichtige Puffer gegenüber Lärm von Veranstaltungen auf dem Festplatz und Sportereignissen. Die Anwohnerinnen und Anwohner dürfen sich dann auf mehr Hitze und mehr Lärm einstellen.
Wer glaubt, damit sei die Zukunft der Kleinmesse gesichert, dürfte sich täuschen. Gesichert wird lediglich der Restzustand einer Fläche, die längst an ihre Grenzen gestoßen ist. Es gilt als offenes Geheimnis, dass RB perspektivisch auch die verbleibenden Flächen des Festplatzes in den Blick nimmt. Statt eine tragfähige Lösung für alle Beteiligten zu entwickeln, präsentiert die Stadt einen faulen Kompromiss, der die Probleme nur vertagt.
Auch finanziell ist dieser Deal fragwürdig. Die Stadt begründet den Verkauf mit „dringend benötigten Einnahmen“. Gleichzeitig ist absehbar, dass RB die Flächen entwickeln will und dafür ein Bebauungsplanverfahren erforderlich sein wird. Aus heutigen Grünflächen werden dadurch künftig deutlich wertvollere Bauflächen. Die Stadt verkauft also Naturflächen zu einem vergleichsweise geringen Preis, ohne die ökologischen Leistungen und Folgekosten ihres Verlustes angemessen zu berücksichtigen – und schafft anschließend selbst die Voraussetzungen für eine erhebliche Wertsteigerung.
Der einzige Gewinner dieses Deals ist RB. Der Konzern erhält weitere Flächen. Die Verlierer sind die Natur, die Anwohnerinnen und Anwohner, die Leipziger Stadtgesellschaft – und am Ende möglicherweise auch die Kleinmesse, selbst wenn man sich das heute nicht eingestehen will.
Deshalb rufen wir für den 25.06. um 18:00 Uhr an der Bowmannstraße/Ecke Jahnallee zur Demonstration auf.
Natur ist keine Manövriermasse.
Wald erhalten.
Biotopverbund stärken.
Kein Ausverkauf unserer Lebensgrundlagen.